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Ausgabe Juli 2013

Editorial: Nach der Flut

von , am
20.06.2013

Die schweren Überschwemmungen der letzten Wochen lassen vielerorts riesige Schäden zurück. Doch Schuldzuweisungen helfen jetzt wenig. Es geht darum, zu helfen und künftigen Flutkatastrophen wirksamer vorzubeugen.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
in den überfluteten Regionen fließt das Wasser allmählich ab und es beginnt die Zeit der Schuldzuweisungen. Die vom Hochwasser selbst schwer getroffenen Landwirte werden zum Sündenbock abgestempelt. Viele Bauern hätten sich in der Vergangenheit geweigert, Flächen als Überflutungsraum zur Verfügung zu stellen. Der intensive Ackerbau führe zu Bodenverdichtungen, sodass das Wasser nicht schnell genug versickern könne, heißt es.
 
Solche Schuldzuweisungen gehen natürlich an der Realität völlig vorbei. Die wahren Ursachen der in immer schnellerem Takt über uns hinweg schwappenden "Jahrhundertfluten" liegen in der über Jahrzehnte betriebenen Begradigung oder Eindeichung von Rhein, Elbe oder Donau sowie einer ungehemmten Flächenversiegelung durch Gewerbeansiedlungen auf der grünen Wiese und Neubaugebiete. Natürlich können Landwirte einen großen Beitrag dazu leisten, Überflutungen in Grenzen zu halten. Dazu muss aber nicht die "Enteignungs-Keule" geschwungen werden. Der viel bessere Weg wäre ein freiwilliger Landtausch. Wo keine Tauschflächen verfügbar sind, muss eine marktgerechte Entschädigung bezahlt werden. Denn dass die Bodenpreise in den letzten Jahren kräftig gestiegen sind, ist ein offenes Geheimnis.
 
Der Königsweg aber wäre kooperativer Hochwasserschutz. Und der funktioniert so: Landwirte stellen potenziellen Überflutungsraum. Kommt es zu einem Hochwasser, werden sie finanziell entschädigt. Dass solche Leistungen zum Wohle der Gesellschaft anständig bezahlt werden müssen, ist selbstverständlich. Aber selbst großzügig bemessene Ausgleichszahlungen für Ertragsausfälle durch Überschwemmungen würden den Steuerzahler um ein Vielfaches billiger kommen als der alleinige Fokus auf technischen Hochwasserschutz und die Beseitigung von Folgeschäden.
 
In der Not ist die Agrarbranche zusammengerückt. Das ist eine positive Erfahrung in einer Zeit, in der die Interessen auch einzelner Landwirte immer weiter auseinanderdriften und in denen selbst der Nachbar häufig mehr Wettbewerber als Kollege ist. Der Deutsche Bauernverband hat ein Spendenkonto eingerichtet. So können auch Sie mithelfen, den bis zu 20.000 von Hochwasser betroffenen Bauern schnell und unbürokratisch zu helfen.
 
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht
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