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Ausgabe August_2015

Editorial: Gegen Schatten an der Wand hilft nur viel Licht von allen Seiten.

von , am
31.07.2015

Was macht uns Angst und wem nutzen bewusst geschürte Risikodiskussionen?

Sabine Leopold, Redaktion agrarmanager © am
Liebe Leser,

wie gehen wir eigentlich mit unseren Ängsten um? Welche echten Risiken unterschätzen wir und welche Nichtigkeiten bläst unser Unterbewusstsein zu Monstergröße auf? Heerscharen von Psychologen beschäftigen sich seit gut zwei Jahrhunderten mit diesem Thema, 1993 wollen niederländische Genetiker sogar eine Erbanlage für Heldentum (oder für sinnlose Aggressivität, wie man will) entdeckt haben: das sogenannte Krieger-Gen.

Betrachtet man allerdings die öffentliche Diskussion
zu Agrar- und Ernährungsrisiken hierzulande, scheint es in unserem Erbgut wohl eher eine ziemlich dominante Bedenkenträgeranlage zu geben. So eine Art Schwarzseher-Gen, das Laien verunsichert und damit Fachleute an den Rand ihrer Geduld treibt.

Doch mit Spott oder Zorn tun wir verängstigten Verbrauchern häufig Unrecht. Viele der "Skandale" der vergangenen Jahre waren professionell aufgezogene Kampagnen, die gezielt auf sozialpsychologische Mechanismen setzten. Mit Angstszenarien - und selbstredend mit dem wohlfeilen Angebot einer einfachen Lösung - lassen sich Wähler fangen, Leser locken oder Heilskonzepte verkaufen. Und ist so ein Räderwerk der Panikmache dann erstmal in Gang gesetzt, ist es nur schwer wieder aufzuhalten. Landwirte und Agrarwissenschaftler, die unermüdlich mit sachlicher Beweisführung gegen die Totschlagargumente organisierter Glyphosat- oder Gentechnikgegner anzukämpfen versuchen, wissen ein Lied davon zu singen.

Aber natürlich sind nicht alle Angstdebatten unberechtigt oder aufgebauscht. Wenn es beispielsweise um Antibiotikaresistenzen geht, ist Sorglosigkeit sogar sträflicher Leichtsinn. Dennoch greift auch hier das Prinzip der verzerrten Wahrnehmung,
diesmal in Gestalt gegenseitiger Schuldzuweisungen. Verursacher einer Gefahr sind immer die anderen. Und je weiter entfernt vom eigenen Lebensumfeld die sind, umso spurloser lässt sich jede Eigenverantwortung abschütteln.

Gegen Panikmache und Wahrnehmungsstörungen
gibt es leider keine Patentlösungen - nur geduldige Aufklärung, sachliche Argumentation und den Schulterschluss mit Interessensgenossen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Titelthema.
 
Viel Spaß - und keine Angst - beim Lesen wünscht
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