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Ausgabe April 2014

Editorial: Gülle - vom Reststoff zum wertvollen Dünger

von , am
28.03.2014

Wohin mit der Gülle? Diese Frage stellen sich derzeit viele Tierhalter, denn die Novelle der Düngeverordnung wird die Überschussproblematik wohl noch verstärken. In tierarmen Regionen dagegen ist Gülle wertvoll wie Gold. Jetzt sind Strategien gefragt, die Angebot und Nachfrage vernetzen, damit aus dem Reststoff ein Wertstoff wird.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
 
wohin mit der Gülle? Diese Frage stellen sich derzeit viele Tierhalter mit Blick auf die anstehende Novelle der Düngeverordnung. Es drohen längere Sperrzeiten, Gärreste aus Biogasanlagen werden künftig wohl in die Obergrenze von 170 kg N/ha einbezogen. Beides verschärft die Überschussproblematik und erhöht die Notwendigkeit zur überregionalen Gülleverwertung. Zwischen dem Nährstoffwert der Gülle und den Entsorgungskosten, die nicht nur in Cloppenburg/Vechta die Marke von 10 €/cbm überschritten haben, wird sich ein Markt bilden, der Umweltbelange und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut bringt. Rohgülle hat einen regional begrenzten Markt, weil 90% Wasser transportiert werden müssen. Separation und Eindickung erhöhen die Transportwürdigkeit der Gülle beträchtlich.
 
Ob sich solche altbewährten Techniken auch rechnen, lesen Sie in unserem Aprilheft. Immer schärfere Auflagen erfordern aber auch ganz neue Strategien, zum Beispiel Kooperationen. Lagerbehälter in Ackerbauregionen würden kontinuierliche Transporte erlauben und die Tierhalter entlasten. Wichtig wäre, dass die Genehmigungsbehörden beim Bau von Güllebehältern am Feldrand mitziehen. Schließlich folgt eine solch "fruchtbare" Zusammenarbeit dem Kreislaufgedanken. Aufnahmeentgelte oder ein Baukostenzuschuss könnten die Gülleverwertung für Ackerbauern finanziell interessanter machen. Solche Kooperationen haben noch reichlich Potenzial, denn etliche Flächen in vieharmen Regionen haben noch nie Gülle gesehen.
 
Ein Anblick, der auf Deutschlands Autobahnen in Zukunft wohl häufiger zu sehen sein wird: Lkws, die eingedickte Gülle vom Münsterland in die Magdeburger Börde bringen. Der Transportradius erhöht sich durch sogenannte Kombi-Liner, die auf dem Rückweg Getreide gebunkert haben, das in den nordwestdeutschen Veredlungshochburgen gefragt und teuer ist.
 
Was spricht gegen solche Transporte? Schließlich muss auch der mit hohem Energie- aufwand produzierte Mineraldünger erst in die Verbrauchsregionen geschafft werden. Gefragt sind pragmatische Lösungen statt ideologisch gefärbter Diskussionen. Ackerbauern, Tierhalter und Biogasproduzenten sollten sich nicht auseinander dividieren lassen, sondern kooperieren. Nur dann wird die Gülle vom Reststoff zum wertvollen Rohstoff.
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