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Ausgabe Juli 2014

Editorial: Mehr als die Summe der Leistungen des Einzelnen

von , am
25.06.2014

Kooperationen sind eine Möglichkeit, Produktionszweige auszubauen, individuelle Stärken zu nutzen, Erträge zu verbessern und die Effektivität im Betrieb zu steigern, ohne dafür zwingend zusätzliche Flächen zu erwerben oder anderweitig umfangreich zu investieren. Und wenn alles richtig läuft, ist der gemeinsame Nutzen oft deutlich mehr als die Summe der Einzelleistungen aller Partner.

Dr. Barbara Hentschel, Redaktion agrarmanager
Liebe Leser,
 
1 + 1 > 2 — Sie meinen, diese Formel kann nicht funktionieren? Ich behaupte doch. Natürlich nicht in der Mathematik, aber im täglichen Leben. Nämlich dann, wenn zwei (oder auch mehrere) zusammenarbeiten. Tun sie das zum gegenseitigen Vorteil, dann sollte in der Regel mehr herauskommen als die Summe der Leistungen des Einzelnen. Genau aus diesem Grund kooperieren nämlich Betriebe - und zwar von der kleinen Ein-Mann-Firma bis hin zum großen Konzern. Ziel dieser Zusammen­arbeit ist in der Regel der wirtschaftliche Vorteil, wie Kosteneinsparung durch die bessere Auslastung hochwertiger Technik, der Austausch von Know-how oder auch die ­Erlössteigerung durch mehr Marktmacht. Doch es muss nicht nur um den monetären Mehrwert gehen. Auch soziale Faktoren wie die Vertretung bei Krankheit oder Urlaub können gute Gründe für eine Kooperation sein.
 
Eine solche Zusammenarbeit funktioniert in Teilen der Landwirtschaft bereits recht gut. Das zeigen zahlreiche Beispiele erfolgreicher Kooperationen. Sie reichen von der Bewirtschaftung der Flächen durch einen Partnerbetrieb oder die Gülleverwertung durch Ackerbauern über Erzeuger- und Maschinengemeinschaften, gemeinsame Tierhaltungen, Biogasgenossenschaften bis hin zum Zusammenschluss ganzer Betriebe. Allerdings schlummern hier auch noch große Reserven. Denn viele Landwirte haben Vorbehalte gegenüber einer mehr oder weniger intensiven Zusammenarbeit mit Kollegen. Eigener Herr auf eigener Scholle zu sein, das galt für Bauern über ­Generationen hinweg als das Kennzeichen ihres Berufsstandes - die Landwirte in Ostdeutschland wegen ihrer besonderen Geschichte einmal ausgenommen. Da fällt es mitunter schwer, die Selbstständigkeit oder Teile davon aufzugeben.
 
Doch Strukturwandel und Globalisierung zwingen zum Umdenken - ­zumindest den, der langfristig erfolgreich Landwirtschaft betreiben möchte. Deshalb lohnt es sich, die Möglichkeiten und Vorzüge, die sich für den eigenen ­Betrieb aus einer Koopera­tion ergeben können, einmal auszuloten. Drei ganz unterschiedliche, aber sehr ­erfolgreiche Beispiele stellen wir Ihnen in unserem Juliheft-Titelthema vor und zeigen, worauf es ankommt, damit die Formel 1+1 > 2 funktioniert.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
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