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Ausgabe Oktober 2013

Editorial: Mehr Tierwohl ist ein Muss

von , am
25.09.2013

Die Absichtserklärung von Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel zum Thema Tierwohl zeigt, dass es den Akteuren ernst ist mit der besseren Bezahlung für bessere Haltungsbedingungen. Nun muss sich zeigen, ob und wie die Initiative in der Praxis ankommt - bevor der Gesetzgeber die freiwilligen Kriterien zur Pflicht macht.

Liebe Leser,
 
die Brancheninitiative „Tierwohl“ nimmt Fahrt auf. Mit der kürzlich von Berufsstand, Fleischwirtschaft und Handel unterzeichneten Absichtserklärung ist der Zug ins Rollen gekommen. Der Handel zeigt eine erstaunliche Geschlossenheit, wo man der Konkurrenz sonst keinen Cent gönnt. Hinter dem Vorhaben zur Verbesserung des Tierwohls stehen mit Edeka, Rewe, Aldi, Lidl, Metro und Tengelmann mehr als drei Viertel des Branchenumsatzes. Hat auch das Kartellamt keine Einwände, wird Schweine- und Geflügelhaltern künftig der finanzielle Mehraufwand für ein über das Gesetz hinausgehendes Maß an Tierwohl erstattet.
 
Die Einstiegshürden sind bewusst niedrig gehalten. 10% mehr Platz für die Mastschweine sind ohne große Investitionen machbar, indem weniger Ferkel eingestallt werden. Da der entgangene Gewinn ausgeglichen wird, stimmt die Rechnung für den Mäster. Als Tierhalter können Sie künftig aus einem Baukasten diejenigen Kriterien auswählen, die zu Ihrem Betrieb passen. Die Ziele der Initiatoren - darunter DBV und ISN - sind ehrgeizig, aber machbar: In drei Jahren soll jedes dritte Schlachtschwein aus einer Tierwohl-Haltung kommen.
 
Den Praktiker-Check hat die Initiative bestanden: Beim Veredlungstag des Bauernverbandes im westfälischen Senden war eine regelrechte Aufbruchstimmung zu spüren. Viele Mäster und Sauenhalter haben erkannt: Mehr Tierwohl ist ein Muss. Wer auch in zehn Jahren noch von der Schweineproduktion leben will, muss jetzt auf die Stimmung in der Gesellschaft reagieren. Eines ist sicher: Scheitert die Branchenlösung auf der Zielgeraden, kommt mehr Tierwohl übers Ordnungsrecht. Die Giftzettel liegen schon in den Schubladen, nachzulesen im einen oder anderen Wahlprogramm.
 
Auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren muss auch die Zuckerwirtschaft. Durch die Radikalreform 2006 wurde der Sektor fit gemacht für den internationalen Wettbewerb. Wenn nun in vier Jahren die Zuckerquoten und der Rübenmindestpreis fallen, sind die deutschen Rübenanbauer und Zuckerunternehmen in Europa in der Pole Position, wie das unser Titelthema in der Septemberausgabe des agrarmanager zeigt.
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