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Ausgabe April_2015

Editorial: Die Milch muss künftig vermarktet und nicht nur abgeliefert werden!

von , am
24.03.2015

Am 31. März wird die Milchquote am europäischen Milchmarkt abgeschafft. Wir beleuchten, wie sich der Milchmarkt zukünftig entwickeln wird.

Liebe Leser,

wenn am 1. April der Startschuss für das Rennen im quotenfreien Milchmarkt fällt, bedeutet das für die Milcherzeuger einen Sprung ins kalte Wasser. Wenigstens wird der Aufprall nicht ganz so hart ausfallen, wie dies noch vor wenigen Monaten zu
befürchten war. Rund um den Globus haben Milchbauern ihre Produktion nämlich reduziert und damit lehrbuchmäßig auf die fallenden Erzeugerpreise reagiert. Gleichzeitig ist die Nachfrage an den internationalen Exportmärkten solide. Das lässt für den weiteren Jahresverlauf eine Erholung beim Milchgeld erwarten.

Dass die Milchpreise Achterbahn fahren
, daran haben sich die Produzenten in den letzten Jahren gewöhnen müssen. Und die Preisvolatilität wird weiter zunehmen, weil wir nach dem Quotenende noch stärker auf den Export angewiesen sind. Dieses Absatzventil ist bei steigendem Milchaufkommen notwendig, weil unser Heimatmarkt gesättigt ist. Vor allem in den nordwestdeutschen Gunstregionen werden viele Erzeuger Gas geben, sobald sie von den Quotenfesseln befreit sind. Eine Milchschwemme wird es aber schon deshalb nicht geben, weil steigende Umweltauflagen und hohe Pachtpreise dem Wachstum an vielen Standorten Grenzen setzen.

Den Umgang mit Preisrisiken haben die Milchbauern nicht gelernt, da sie ihr wertvolles Produkt über Jahrzehnte nur abgeliefert haben. Und die Molkereien weisen
eine Zuständigkeit fürs Preisrisikomanagement vorsorglich weit von sich. "Wir sind doch keine Banken", argumentiert Dr. Karl-Heinz Engel vom Milchindustrie-Verband. Um die Preisabsicherung müssten sich die Erzeuger schon selbst kümmern.

Eine solche Haltung ist nicht weitsichtig. Zwar haben die Molkereien kein Preisrisiko. Sie decken ihre Kosten und leiten daraus den Milchpreis ab. Ob sie 20, 30 oder 40 Cent Milchgeld an ihre Lieferanten auskehren, sollte den Verarbeitern aber nicht egal sein, wenn sie Wert legen auf eine zuverlässig gute Rohstoffversorgung. Dennoch, den Milchbauern wird wohl nichts übrig bleiben, als das Risikomanagement zunächst in die eigene Hand zu nehmen. Zum Beispiel könnten sie - losgelöst von der eigenen Molkerei - Festpreiszertifikate kaufen. Börsengestützte Instrumente wie Prämienkontrakte können aber nur die Molkereien organisieren. Ist das gewollt, müssen die Milcherzeuger das klar und deutlich sagen. In den Genossenschaften kann jedes Mitglied über die Mitarbeit in den Gremien Einfluss auf die strategische Ausrichtung nehmen. So oder so muss es künftig auch bei der Milch heißen: Vermarkten, nicht abliefern!
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