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Ausgabe September 2013

Editorial: Schweinemäster müssen ihre Erzeugergemeinschaften stärken

von , am
30.08.2013

Neue Masken und drohende Hauspreise bedrohen die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast immer stärker. Was aber können Mäster tun im täglichen Gerangel um die Preise, bei dem sie fast immer am kürzeren Hebel sitzen?

Liebe Leser,
 
bei vielen Schweinemästern liegen die Nerven blank: Knappe Margen, kurzfristige Maskenänderungen sowie ständige Hauspreisdrohungen sorgen für ein Klima der Verunsicherung. Um den "richtigen" Schweinepreis ist ein regelrechter Kampf entbrannt. Vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzung ist der Versuch des Verbandes Deutscher Viehvermarkter (VDV), den seit Jahren bewährten Vereinigungspreis mit einer eigenen Preisprognose zu torpedieren. Auch wenn die VDV-Notierung nach nur zwei Wochen krachend gescheitert ist - das Kräftemessen geht sicher bald in die nächste Runde. Leider sind die Kräfte ungleich verteilt. Tönnies schlachtet hierzulande bald jedes dritte Schwein und hat damit eine enorme Marktmacht. Ihm stehen gut 30.000 oft wenig organisierte Schweinemäster gegenüber.

Wie kann sich die grüne Seite wappnen, um nicht endgültig an die Wand gedrückt zu werden? Vieles haben die Mäster selbst in der Hand. Erstens dürfen sie künftig nicht einfach nur abliefern, sondern sollten aktiv vermarkten. Das heißt auch, neue Vermarktungskanäle zu erschließen, wie etwa den Lebendexport. Zweitens müssen die Mäster ihre Erzeugergemeinschaften stärken, damit die den Schlachtern im Ernstfall auch Paroli bieten können. Viele Zusammenschlüsse haben einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Es kann nicht angehen, dass Hauspreise aus der EZG-Kasse ausgeglichen werden. Denn das schafft bei der wöchentlichen Meldung für den Vereinigungspreis fatale Abhängigkeiten.
 
Wer durch Hauspreisdrohungen aufgefallen ist, sollte drittens im nächsten Verkäufermarkt einen „Denkzettel“ erhalten, durch Schweineentzug möglichst vieler Mäs­ter. Lenken Sie die Schweine doch zu den Wettbewerbern um, die Hauspreispolitik nicht nötig haben. Viertens muss die Eurex gestärkt werden. Eine funktionierende Terminbörse leistet nämlich zweierlei: Sie schafft Markttransparenz und bietet die Möglichkeit zur Preisabsicherung. Leider sucht man Umsätze mit Schweine­futures an der Eurex noch immer mit der Lupe. Sicherlich lässt sich fünftens auch die Preisfindung durch die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) optimieren. Aber Vorsicht: Wer den Vereinigungspreis aufgrund bestehender Unzulänglichkeiten gleich ganz abschaffen will, plädiert für noch mehr Intransparenz am Schlachtschweinemarkt. Und das würde nur den Schlachtunternehmen in die Karten spielen.
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