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Ausgabe Dezember_2014

Editorial: Wir sollten die Krise nicht herbeireden!

von , am
28.11.2014

"Schlechte Zeiten sind gute Gesprächsthemen" stellte einst Wolf Wondratschek fest. Auf der EuroTier in Hannover gab es obendrauf gute Gesprächsthemen über positive Signale.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
 
Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Das wusste schon Ludwig Erhard. Die Erwartungen der Unternehmer beeinflussen maßgeblich das Wirtschaftsgeschehen. Steigt der Optimismus, wird mehr investiert. Macht sich Pessimismus breit, wird das Geld zusammengehalten - als Vorsorge für schlechtere Zeiten. Der deutschen Wirtschaft droht 2015 eine Konjunkturflaute. Und auch in der Agrarwirtschaft kippt die Stimmung. Niedrige Erzeugerpreise, steigende Bürokratiekosten sowie die schwindende Akzeptanz der Gesellschaft für moderne Produktionsmethoden zerren an den Nerven der ganzen Branche.

Auch auf der EuroTier war die Krise spürbar. Wo der geplante Stallneubau an einer Bürgerinitiative scheitert, wird eben nicht in Steine investiert. Und wer auf den
letzten Drücker teure Milchquoten kaufen musste, dem fehlt jetzt schlicht das Geld an anderer Stelle.

Es gab aber auch positive Signale in Hannover: Die Landwirtschaft sei nun mal eine zyklische Branche, das Auf und Ab der Erzeugerpreise ganz normal, war immer wieder von investitionswilligen Landwirten zu hören. Schließlich sei der geplante Stall eine Anschaffung für die nächsten 20 Jahre. Wachstumsschritte würden nicht nach dem Tagespreis geplant, sondern folgten einer langfristigen Strategie, hieß es. Und Niedrigpreisphasen wie aktuell bei den Ferkeln überstehe derjenige Betrieb
am besten, der mit modernster Stalltechnik zu niedrigen Kosten höchste Qualität
produziere. Man könnte das Zweckoptimismus nennen. Aber auch die Landwirtschaft ist eben zu 50 Prozent Psychologie. Reden wir die Krise also nicht herbei!

Automatisierung war ein großer Trend auf der EuroTier. Wer auf automatische
Fütterungssysteme, Melkroboter oder sensorgesteuertes Tiermanagement setzt, ist auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Die lassen sich durch eine leistungsabhängige Vergütung zu besseren Arbeitsergebnissen motivieren. Erfahren Sie in unserem
Titelthema, in welchen Produktionsbereichen eine leistungsabhängige Bezahlung Sinn macht und an welche Kriterien diese geknüpft werden sollte.
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