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Ausgabe Juni_2015

Vom Erfolg überwältigt

von , am
28.05.2015

Deutlich mehr Landwirte wollen an der Initiative Tierwohl teilnehmen, als diese bezahlen kann. Jetzt stehen die Gesellschafter unter Druck. Sie müssen möglichst schnell den Fonds aufstocken.

© Mühlhausen/landpixel
Mit einem so durchschlagenden Erfolg hatte wohl kaum jemand gerechnet: Mehr als doppelt so viele Schweinehalter haben sich zur Initiative Tierwohl angemeldet, als diese nach bisheriger Planung verkraften kann. Das ist zunächst einmal ein sehr gutes Signal der Landwirtschaft an die Verbraucher. Die Botschaft lautet: "Wir Schweinehalter sind bereit, zum Wohl der Tiere mit einem höheren Aufwand zu produzieren, wenn die dadurch verursachten Kosten gedeckt werden können."
 
Bis Ende April 2015 hatten sich innerhalb von nur vier Wochen 2.961 Schweinemastbetriebe mit 10,1 Millionen Tieren, 704 Ferkelaufzuchtbetriebe mit 6,5 Millionen Tieren und 988 Sauenhalter mit 8,9 Millionen Tieren für eine Teilnahme registrieren lassen. Da der Tierwohlfonds für Schweine und Geflügel 2015 insgesamt jedoch auf 85 Mio. Euro begrenzt ist, landete dieMehrzahl der Betriebe auf der Warteliste. Nur 1.345 oder 45 % der Mäster mit 4,49 Millionen Schweinen wurden zum Audit zugelassen. Von den Ferkelaufzuchtbetrieben waren 324 oder 46 % erfolgreich. Von den Sauenhaltern werden 473 oder 48 % der  Bewerbungen einem Audit unterzogen.

Die Initiative Tierwohl wies Behauptungen zurück, bei der Auswahl seien größere Betriebe bevorzugt worden. "Es gab keine Quotierung oder sonstige Auswahlkriterien wie zum Beispiel Betriebsgröße oder Regionalität", heißt es in einer Erklärung der Trägergesellschaft.

Die Gesellschafter der Tierwohlinitiative stehen nun unter Druck. Sowohl die Verbraucher als auch die Schweinehalter erwarten, dass die von der Branche angestoßene Maßnahme möglichst vielen Landwirten, mindestens aber allen interessierten Betrieben, die die Kriterien erfüllen,  zugängig gemacht wird. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) könnte den Fondsbeitrag von derzeit 4 Cent je kg Schweinefleisch und Wurst erhöhen. Bisher lehnt der Handel das ab, weil er einen Verbrauchsrückgang befürchtet. Ein weiterer Weg wäre, die noch nicht teilnehmenden Einzelhändler für die Initiative zu gewinnen.

Die Schlachtindustrie beteiligt sich bisher nicht direkt finanziell an dem Fonds. Sie übernimmt allerdings den Verwaltungsaufwand für die Meldung der Schlachtzahlen und Befunddaten. Sollten die Schlachtunternehmen künftig einen finanziellen Beitrag leisten,würden sie ihn  wahrscheinlich vom Schweinepreis abziehen. Damit wäre den Erzeugern nicht geholfen.

Diejenigen Betriebe, die erfolgreich auditiert werden, müssen sich trotz der hohen Beteiligung nicht um ihren Bonus sorgen. Der Tierwohlbeitrag wird nicht etwa verringert, umaus dem Fonds eine größere Anzahl an Schweinehaltern zu unterstützen. Für die Teilnehmer sind die  vereinbarten Tierwohlbeiträge für die Dauer von drei Jahren vertraglich festgeschrieben.
 
 
Was die beliebtesten Wahlpflicht- und Wahlkriterien der registrierten Schweinehalter für die Initiative Tierwohl sind lesen Sie im Juni-agrarmanager. Außerdem zeigen wir auf, in welchen weiteren Bereichen Einzahler gesucht werden und wie die regionale Verteilung der zur Auditierung zugelassenen schweinehaltenden Betriebe aussieht.
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