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Ausgabe April_2015

Feindbild

von , am
24.03.2015

Tierverluste schmerzen jeden Landwirt. Und im Seuchenfall werden oft ganze Bestände gekeult. Die wirtschaftlichen Verluste sind enorm und nicht alles ist durch Versicherungen gedeckt. Doch mindestens ebenso schwer wiegen die psychischen Folgen, wenn der Stall plötzlich leer steht.

© Spectral-Design
Ein Tierseuchenausbruch dürfte zu den schwersten Albträumen eines Landwirts gehören. Schlimmer als ein positiver Befund im eigenen Stall ist dabei wohl nur noch die Hilflosigkeit, wenn kerngesunde Tiere vorsorglich getötet werden müssen, um eine Verbreitung hochpathogener Erreger zu unterbinden.
 
Einer der verheerendsten Ausbrüche von Maul- und Klauenseuche (MKS) in der Neuzeit beispielsweise wütete zwischen Februar 2001 und Januar 2002 in Großbritannien. Ihn bezahlten nach offiziellen Angaben rund 6 Mio. Nutztiere auf der Insel mit dem Leben. Alles in allem betrugen die Kosten für die britische Landwirtschaft inklusive der vor- und nachgelagerten Branchen rund 8 Mrd. £ (gut 11 Mrd. Euro). Dabei wurden landesweit insgesamt nur 2.030 positive MKS-Befunde registriert, alle anderen Tiere wurden vorsorglich gekeult. Aber nicht nur das Agribusiness war betroffen. In einer Folgeuntersuchung schätzte die Royal Society of Edinburgh, dass zusätzlich zu den direkten Kosten für die schottische Landwirtschaft in Höhe von 231 Mio. £ (etwa 320 Mio. Euro) ein weiterer Schaden von 200 bis 250 Mio. £ durch Einbrüche am Tourismusmarkt entstand.  Auch wenn der MKS-Ausbruch von 2001 (auch aufgrund von Fehlern bei der Gefahreneinschätzung) besonders schwerwiegende Folgen hatte: Die Bedrohung durch hochpathogene Keime ist seitdem nicht kleiner geworden. Hiesige Nutztierhalter fürchten aktuell den Mehrfrontenkrieg: Neben altbekannten Krankheiten wie MKS und Europäischer Schweinepest drohen Neuankömmlinge  wie die Afrikanische Schweinepest und aggressive Erregervarianten wie die Porzine Epidemische Diarrhoe (PED) oder das H5N8-Geflügelpestvirus.
 
 
Aktuelle Informationen zu diesen Tierseuchen und zu geeigneten Gegenstrategien lesen Sie im Interview mit Prof. Dr. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), im April-agrarmanager. Und falls Sie noch kein Abonnent sind, können Sie hier drei Hefte lang reinschnuppern.
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