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Ausgabe April_2015

Gegengift

von , am
24.03.2015

Phrasen dreschen ist einfach. Viel schwerer ist es, diese schlüssig zu widerlegen. Wir wollen in einer lockeren Serie in den nächsten Monaten stichhaltige Argumente gegen die am weitesten verbreiteten Parolenblasen liefern. Los geht’s heute mit "Gift" im Essen und auf den Feldern.

© klublu
Mit dem Dreschen kennen sie sich wirklich aus - die Experten, die in jeder Facebook-Diskussion über Landwirtschaft und bei jedem Aufmarsch einer Bürgerinitiative mit einfachsten Worten und knappsten Sätzen erklären, was im Bereich der modernen Nahrungsgüterproduktion alles falsch läuft. Gut, sie dreschen bloß Phrasen, und die sind wenig nahrhaft für die Allgemeinheit. Aber sie sind leicht zu merken und einfach zu wiederholen.  
 
Wir wollen in einer losen Serie einige der immer wiederkehrenden Sprüche aufgreifen und mit möglichst eingängigen Fakten widerlegen. Unser Dank gilt schon jetzt den aktiven Landwirten, Tierärzten und Agrarwissenschaftlern, die sich vor allem im Internet in immer wiederkehrenden Diskussionen mit den schrägsten Behauptungen und krudesten Vorwürfen auseinandersetzen und damit "Futter" für diese Artikelreihe liefern. Und wir würden uns freuen, wenn auch Sie uns unter agrarmanager@dlv.de mit Hinweisen zu platten Parolen und pfiffigen Antworten versorgen.
 
Beginnen wir mit dem theatralischsten, aussageärmsten und damit am schwersten zu widerlegenden Allgemeinplatz, der dramatischen Frage: "Was kann man denn heute überhaupt noch essen?"
Kaum ein Thema sorgt für bessere Schlagzeilen und höhere Einschaltquoten als gefühlte oder echte Lebensmittelskandale. Wer tagtäglich von Pflanzenschutzrückständen, Falschdeklarierungen, Antibiotikafleisch und Gentechnikgefahr hört und liest, wird verunsichert. Doch was ist dran an der Theorie, dass Essen früher besser war? Machen wir’s kurz: Nichts! Tatsächlich waren vor einhundert Jahren zwar moderne Pflanzenschutzmittel unbekannt, und auch Antibiotika sind erst seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts praxisrelevant. Doch beides stellt in unseren Lebensmitteln nachgewiesenermaßen keine reale Gefahr dar. Unter den laut verbreiteten Rückstandsmeldungen der letzten Jahre waren nur im Promillebereich echte Grenzwertüberschreitungen vertreten. Und Schadschwellen wurden noch viel seltener geknackt. Wer dennoch Glyphosat und Co. für moderne Ziviliationskrankheiten verantwortlich machen will, sollte wissen, dass er sich damit in Verschwörungstheoretikerkreisen bewegt, deren Seriosität - im Gegensatz zur nanogrammgenauen Rückstandserfassung - eine nicht mehr messbare Größe aufweist.
 
Nicht nur für Glyphosat gilt: Pflanzenschutzmittel und Antibiotika sollen Schadorganismen bekämpfen, sie sind also keine Rundum-Wohlfühl-Kur für alles, was da kreucht und fleucht. Und weil sie bei entsprechender Menge und Konzentration gefährlich werden können, unterliegen sie strengen Grenzwerten. Diese sind ihrerseits weit unter den tatsächlichen Schadschwellen für den Menschen oder sein "Nutzgetier" angesetzt - selbst bei exzessiver Aufnahme des jeweiligen Nahrungsmittels. Dass diese Verbindungen dennoch bei den feinen Nachweismethoden heutzutage in Lebensmitteln auffindbar sind, beweist die Sicherheit der Prüfmethoden, nicht aber die Unsicherheit unserer Nahrung.

Kommen wir zu einem der Lieblingsvorwürfe aus Umweltschützerkreisen an die konventionelle Landwirtschaft: "Pflanzenschutzmittel sind der Grund für das Bienensterben."
Diese plakative Behauptung hat wohl jeder schon gehört. Und jeder, der sich ein wenig mit der Materie auskennt, weiß, dass sie falsch ist. Aber so ist das mit Totschlagargumenten: Es ist wunderbar einfach, sie herauszuposaunen. Und kaum einer, der das tut, hat Lust, sich mit Gegenargumenten belästigen zu lassen. Wir versuchen es dennoch!
 

Unsere Argumente, warum der Landwirt nicht der Feind der Imker ist, finden Sie im aktuellen agrarmanager. Weiterhin nehmen wir die Theorie unter die Lupe, Glyphosat und Co. seien für moderne Zivilisationskrankheiten verantwortlich. Und wir klären, was das mit Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern zu tun hat.

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