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Ausgabe März_2015

Geht es ohne Neonics?

von , am
23.02.2015

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, welcher Schaden im Raps durch den teils extremen Schädlingsbefall im Herbst entstanden ist. Ob das Einfluss auf die Wiederzulassung der drei neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam hat, ist allerdings fraglich.

© Catrin Hahn
Seit Monaten beherrscht im deutschen Ackerbau in Tagungen, Pressekonferenzen oder auf Winterveranstaltungen ein Thema die Tagesordnungen: Das umstrittene vorläufige Anwendungsverbot der Europäischen Union seit Dezember 2013 für drei neonicotinoide Wirkstoffe. Eine der davon betroffenen Anwendungen war die langjährig erfolgreiche, umwelt- und anwenderfreundliche Saatgutbeize, die bisher den jungen Raps vor Schädlingen wie Rapserdfloh und Kleiner Kohlfliege zuverlässig geschützt hatte. Verbände, chemische Industrie und Züchter begannen sofort gegen das Verbot anzukämpfen. Insgesamt hielt sich der branchenweite Protest zunächst in Grenzen. Nicht wenige Stimmen wurden auch laut, die vor allem der Pflanzenschutzindustrie Panikmache aus Angst um ihre gewinnbringenden Produkte vorwarfen. Dem schon kurz nach der Aussaat auftretenden nie dagewesenen Schädlingsdruck mussten die Rapsanbauer nun vor allem im Fall der Kleinen Kohlfliege tatenlos zusehen. Gegen Erdfloh versuchte man es mangels Alternative mit vielfachen Pyrethroidbehandlungen, wo selbst dem fantasielosesten Landwirt schnell klarwerden musste, was für ein Turboresistenzprogramm er da fährt. In der spät eingetretenen Winterpause nutzte die Branche jede Gelegenheit, sich über den Ist-Zustand auf den Feldern auszutauschen. Das ganze Ausmaß der im vergangenen Herbst eingetretenen Schäden wird in den kommenden Wochen sichtbar werden.

Der Rapool-Ring hatte im vergangenen Herbst Monitorings zu beiden Schädlingen durchgeführt. Eine Zwischenauswertung zum Ende der Vegetationsperiode ergab für die Kohlfliege: 386 Landwirte hatten sich bis zum 31. Oktober beteiligt, 44 davon gaben an, dass auf ihren Rapsschlägen kein Kohlfliegenbefall festzustellen ist. Bei allen anderen Teilnehmern fand sich ein Befall, im Durchschnitt waren 42 % der Pflanzen betroffen. Sehr starken Befall zwischen 80 und 100 % meldeten 46 Teilnehmer aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer in all der Düsternis kommt möglicherweise aus dem Bereich Züchtung. Im vergangenen Sommer berichteten wir über eine aus Frankreich stammende und seit gut einem Jahr hier auf dem Markt befindliche Neuerung: die Rapsbegleitpflanzenmischung RapsPro (agrarmanager 8/2014, der Beitrag steht hier zum Download bereit). Eine weitere gute Neuigkeit zum Thema Raps kann aus dem Haus DuPont vermeldet werden: Lumiposa.
 
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