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Ausgabe Mai_2015

Gezielt behandeln

von , am
02.05.2015

Die meisten Milchviehhalter stellen heute ihre Kühe unter Antibiotika trocken. Diese Methode hilft, Mastitisinfektionen bis zur nächsten Laktation zu verhindern. Eine selektive Antibiotikaanwendung spart keine Kosten, kann sich aber trotzdem lohnen.

© jojje11
Antibiotikareduzierung ist ein Thema, das Landwirte, Tierärzte und Verbraucher gleichermaßen umtreibt. Seit Anfang April liegen die ersten Durchschnittswerte aus deutschen Mastbetrieben vor, an denen hiesige Tiermäster ihre eigene Behandlungsdichte messen müssen. Wer über die festgelegten Grenzwerte kommt, muss sich etwas einfallen lassen, um seine Antibiotikagaben zu verringern. 

Milchviehhalter sind von diesen Behandlungsindex-Vergleichen bislang ausgenommen. Doch auch im Kuhstall wird der Antibiotikaeinsatz künftig ein wichtiges Beurteilungsmerkmal sein. Eine Einschränkung hinsichtlich Menge, Häufigkeit und Wirkstoffvielfalt wird also auch für Milcherzeuger zunehmend zur Tagesaufgabe.

Gegen Mastitis wird auch metaphylaktisch behandelt. Die meisten Milchviehhalter stellen ihre Tiere heute bestandsdeckend antibiotisch trocken (80 bis 90 % aller Milchkühe). Doch nicht alle Kühe brauchen wirklich diesen Schutz. Das hängt vom generellen Erregerspektrum im Bestand ebenso ab, wie vom Keimbesatz und der Widerstandsfähigkeit des einzelnen Tieres. Aus diesem Grund gehen immer mehr Milchviehhalter zum sogenannten selektiven Trockenstellen über, bei dem für jede Kuh (oder sogar jedes Euterviertel) individuell entschieden wird, ob am Trockenstelltag Antibiotika verabreicht werden oder nicht.
 
Selektives Trockenstellen setzt allerdings voraus, dass für jede Kuh separat von einem erfahreren Herdenbetreuer eine Entscheidung getroffen wird. Pauschalurteile unter Zeitdruck sind gefährlich. 

Selektives Trockenstellen ist keine Methode zur Kosteneinsparung und für Betriebe mit generell erhöhten Zellzahlen und starker Mastitisbelastung auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Aber ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika wird in Zukunft immer mehr zum Beurteilungskriterium für eine nachhaltige und verbraucherakzeptierte Tierhaltung werden.
 
 
Welche Tatbestände müssen erfüllt sein, dass eine Antibiotikagabe notwendig ist? Den ausführlichen Bericht mit der Antwort und Informationen zum Trockenstellen und Mastitis lesen Sie im Mai-Heft des agrarmanager. Und falls Sie noch kein Abonnent sind: Hier geht?s zum Probeabo.
 

 
 
 
 
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