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Ausgabe August_2014

Initiative zum Tierwohl unter Dach und Fach

von , am
04.08.2014

Die entscheidende Branchenvereinbarung zur Tierwohlinitiative für die Schweinehaltung steht. Die praktische Umsetzung kann ab 2015 beginnen. QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff, der die Verhandlungen koordinierte, erläutert die nächsten Schritte.

Herr Dr. Nienhoff, die Tinte unter der Branchenvereinbarung Schwein ist gerade trocken. Kann die Initiative zum Tier­wohl jetzt endlich starten? 

Dr. Hermann-Josef Nienhoff: Die Branchen­vereinbarung war sicher die entscheidende Hürde, die es zu nehmen galt. Mit dem Or­ganisations­- und Finanzierungskonzept, das darin beschrieben ist, kann nun die prakti­sche Umsetzung beginnen. Wir gehen davon aus, dass im Januar die ersten Audits auf den Erzeugerbetrieben stattfinden. Bis dahin bleibt aber noch viel zu tun.

Welche Schritte stehen noch aus?
 
Nienhoff: Mit der Brachenvereinbarung haben sich die Vertreter der beteiligten Wirtschaftskreise auf die Inhalte und die Organisation festgelegt, ja sogar verpflichtet. Als Nächstes gilt es, die Verträge zu erarbeiten, die die teilnehmenden Erzeuger sowie Unternehmen der Fleischwirtschaft und des Einzelhandels unterzeichnen müssen, wenn sie an der Initiative teilnehmen wollen. Außerdem soll jetzt eine Ausschreibung für den Betrieb der Clearingstelle, die die Zahlungen abwickeln wird, auf den Weg gebracht werden. Die Gründung der Trägergesellschaft ist bereits erfolgt. Weitestgehend fertiggestellt ist die konkrete technische Beschreibung der Kriterien. Das ist wichtig für die Schweine­halter, damit sie wissen, worauf sie sich ein­lassen. Auch die Auditoren müssen genau wissen, was zu prüfen ist.

Wie viel Geld wird für die Umsetzung der Tierwohlanforderungen in der Landwirtschaft zur Verfügung stehen?
 
Nienhoff: Die teilnehmenden Einzelhan­delsunternehmen verpflichten sich, einen Tierwohlbeitrag von 4 Cent pro kg Schwei­nefleisch und Wurstwaren mit Schweinefleischanteil, die sie verkaufen, an die Clearingstelle zu zahlen. Diese Verpflichtung gilt zunächst für drei Jahre.

Wie wird die Einhaltung der Kriterien kontrolliert?
 
Nienhoff: Jeder teilnehmende Betrieb wird zu Beginn einem Erstaudit durch die Zertifizie­rungsstelle unterzogen. Besteht er das Au­dit, erhält der Tierhalter für seinen Betrieb ein Zertifikat mit drei Jahren Laufzeit. Mindestens einmal im Jahr wird die Einhaltung der Anforderungen durch ein unangekündigtes Folgeaudit überprüft.

Wie wird der Verbraucher über die Initiative informiert?
 
Nienhoff: Von Beginn an hatten die beteiligten Wirtschaftskreise den Wunsch, den Verbraucher nicht durch ein zusätzliches Label zu verwirren. Das würde außerdem voraussetzen, dass die Tierwohl-Ware als solche über die gesamte Vermarktungkette identifizierbar wäre. Das Konzept basiert jedoch auf einer Massenbilanzierung. Es wird definitiv kein Tierwohl-Siegel geben. Die Verbraucherkommunikation wird im Schwerpunkt Aufgabe der Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sein. Dabei sollen einheitliche, abgestimmte Aussagen gegenüber den Konsumenten verwendet werden, etwa nach dem Muster "Wir unterstützen die Initiative zum Tierwohl". Das Kommuniktationskonzept wird gerade zusammen mit einer Agentur erarbeitet.


Das komplette Interview mit weiteren Fragen unseres agrarmanger-Redakteurs Norbert Lehmann z.B. wie der Bonus zu den Landwirten kommt und welche Einzelhandelsketten im Boot sind, lesen Sie in Heft 08/2014.
 
 
 

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