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Ausgabe August_2015

(K)ein junger Mann zum Mitreisen gesucht...

von , am
30.07.2015

Karussells sind die effektivste Technik zur Milchgewinnung in großen Herden. Konventionelle Anlagen bergen aber ein Problem: Es wird immer schwieriger, gute Melker zu finden. Roboter können da helfen - inzwischen auch auf Melkkarussells. Doch lohnt sich die Investition?

© GEA Farm Technologies
Mit steigenden Milcherträgen pro Kuh und Laktation auf über 9.000, in vielen Betrieben über 10.000 kg sollte zur Gesunderhaltung der Euter dreimal am Tag gemolken werden. Das bindet teure Arbeitskräfte. Zudem möchten viele vor allem junge Menschen diese eintönige, körperlich schwere Belastung im herkömmlichen Melkstand im Drei-Schicht-System an 365 Tagen im Jahr nicht mehr übernehmen. Vollautomatische Melksysteme können dafür eine Lösung bieten, und das längst nicht mehr nur in kleinen bis mittleren Herden.
 
Diese neuen Melkroboter können auf Karusselplattformen unterschiedlicher Größe (28, 32, 36, 40, 50 und mehr Melkplätze) als Module mit Milk-Rack montiert werden. Sie ersetzen die sonst funktionslosen Platzteiler auf der Konstruktion. Bei Einsatzzeiten von fünf bis sieben Stunden können 740 bis 2.000 und mehr Kühe - je nach Karusselgröße - gemolken werden. Können diese automatisierten Karussellmelkstände zukünftig mit programmgesteuerten Treibesystemen ausgerüstet werden, überwacht pro Melkzeit nur noch eine einzige spezialisierte Arbeitskraft den Prozessablauf. Am Stallcomputer können die Melk- und Gesundheitsparameter aller gemolkenen Kühe ausgewertet werden.
 
Kühe zum Trockenstellen, zum Anmelken, in der Kolostralmilchperiode, zur Behandlung von Eutererkrankungen sowie mit Fehlstellungen der Zitzen oder mit Lahmheiten müssen im Abkalbe-/Krankenstall aufgestallt und dort von einer zweiten Arbeitskraft betreut, behandelt und gemolken werden. Zur ganzjährigen Besetzung eines Arbeitsplatzes im Melkstand müssen 1,64 Arbeitskräfte eingeplant werden. In Herden mit bis zu 2.062 Kühen können künftig zehn bis zwanzig Mitarbeiter für die Milchgewinnung eingespart werden. Special-Needs-Kühe können nicht auf dem Roboter-Karussell während des Melkens behandelt werden. Das würde eine zusätzliche Arbeitskraft im Melkstand erfordern, den Melkablauf stören und den Durchsatz erheblich senken. Für diese Arbeiten empfiehlt sich die Installation einer Einzelrobotermelkbox im Abkalbe- und Krankenstall. Es wird dringend abgeraten, eine Kannenmelkanlage oder einen "abgeschriebenen" stationären Melkstand für diese ARbeiten einzusetzen.
 
Eine grobe Kalkulation der erforderlichen Anzhal von Melkroboterplätzen auf einem Karussell sollte auf einer Umdrehungszeit von 12 Minuten aufbauen. Aus wirtschaftlichen Gründen sollten die Kühe nach ihren Leistungen in Frischmelker-, Hochleistungs- und Altmelkergruppen aufgestallt werden. Neu ist, dass auch eine Kuhgruppe mit überlanger Melkzeit gebildet werden sollte. Als Orientierung ist mit einem Kapitalbedarf von insgesamt 1.945 bis 2.300 Euro je Tierplatz für das automatisierte Melken auf Karussellmelkständen zu rechnen. Kosten für Reparaturen und Serviceleistungen an den DairyProQ-Modulen, mit denen das GEA-Karussell ausgerüstet ist, wurden vorerst nach Analysenwerten der Einboxen-Melkroboter und im Einsatz befindlicher Karussellmelkstände vorgenommen. Es ergaben sich günstige Werte von 60 bis 70 Euro je Kuh und Jahr.
 
Bei 9.000 kg verkaufter Milch pro Kuh und Jahr betragen die Kosten der automatisierten Milchgewinnung auf dem untersuchten GEA-Karussellmelkstand 4,2 bis 5,4 Cent pro kg Milch. Sie liegen damit voraussichtlich in gleicher Höhe wie in einem herkömmlichen Karussell gleicher Größe.
 
 
Sie wollen mehr über das Robotersystem auf dem Melkkarussell erfahren und genaue Zahlen zu Arbeitskosten, Kapitalbedarf und Arbeitskräftebedarf nachlesen? Ist das System auch für große Herden geeignet? Alle Informationen können Sie im Heft 08/2015 des agrarmanager nachlesen. 

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