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Ausgabe September 2013

Kommentar: Einen Schritt näher

von , am
27.08.2013

Die Initiative Tierwohl ist ihrem Ziel eines branchenweiten Ansatzes für eine ­tierfreundlichere Schweinemast einen Schritt näher gekommen.

Die Initiative Tierwohl ist ihrem Ziel eines
branchenweiten Ansatzes für eine ­tierfreundlichere Schweinemast einen Schritt näher gekommen. Im August ­einigte sich die Projektgruppe aus Ver­tretern der grünen und der roten Seite sowie des Lebensmitteleinzelhandels grundsätzlich auf ein Kriterien- und Finanzierungsmodell. Das Konzept war zuvor in zwei Arbeitsgruppen entworfen worden. Anfang September sollen die Ini­tiatoren den Entwurf billigen. Auf dem DBV-Veredlungstag am 10. September in Senden sollen Einzelheiten aus Praktikersicht diskutiert werden. Die Teilnahme an der Tierwohl-Initiative wird für Schwei­nehalter freiwillig sein, dürfte sich in der praktischen Vermarktung aber rasch als unausweichlich erweisen. Wenn der Einzelhandel sein Engagement ernst nimmt und umfangreich Tierwohl-Ware listet, wird dadurch ein neuer Standard gesetzt.
 
Das System sieht verpflichtende Basiskriterien vor. Dazu kommt ein Katalog von zusätzlichen Anforderungen, aus dem mindestens ein Merkmal erfüllt werden muss. Darüber hinaus soll es freiwillige Wahlkriterien geben. Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren war, dürfte der ständige Zugang zu Raufutter nicht wie ursprünglich angedacht ein Wahlpflichtkriterium, sondern ein reines Wahlkriterium werden. Eine Clearingstelle wird den Mästern einen Bonus pro Schwein auszahlen, der sich nach der Zahl der erfüllten Kriterien richtet. Das Geld dafür will der Einzelhandel an der Ladentheke reinholen und an die Clearingstelle durchreichen. Ein eigenes Tierschutzsiegel soll es nicht geben.

Ob die Initiative beim Verbraucher ankommt, daran herrschen Zweifel. Zu erwarten ist, dass Tierschutzorganisationen das Konzept als Mogelpackung verunglimpfen und für Gegenwind sorgen werden. Aber, mit der Initiative macht die gesamte Branche geschlossen die Probe aufs Exempel: Entweder der Verbraucher fordert nicht nur mehr Tierschutz, sondern zahlt auch dafür, oder der Ansatz floppt. Ist der Markt wirklich reif, eröffnet das Modell einen Weg zu mehr Wertschöpfung und Akzeptanz. Erweist sich die Forderung nach mehr Tierschutz dagegen als Gerede, kann die Branche das künftig belegen. Für den Fall eines Erfolges sind die Kriterien so gewählt, dass sie keinen flexiblen, zukunftsorientierten Betriebsleiter vor unlösbare Probleme stellen.
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