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Editorial

Konkurrenz belebt das Geschäft

von , am
24.04.2013

Der genossenschaftliche Agrarhandel macht sich gegenseitig zunehmend Konkurrenz. Für die Landwirte ist das nicht schlecht, denn der zunehmende Wettbewerb drückt die Preise - zumindest, bis die "Großen" den Markt soweit bereinigt haben, dass sie die Preise nach Belieben diktieren können.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
den Agrarhandel hat eine Konsolidierungswelle erfasst, die tradierte genossenschaftliche Strukturen durcheinander wirbelt. Die BayWa geht mit ihrer Wachstumsstrategie auf Konfrontationskurs. Die Münchener wildern mit der Übernahme der niedersächsischen Bohnhorst Agrarhandel im Revier der Agravis. Das Regional­prinzip wird ausgehebelt, was Agravis-Chef Dr. Große Frie im Interview deutlich kritisiert. Seinen Kollegen Klaus Lutz im Süden ficht das nicht an. Die ausländische Konkurrenz schere sich bei der Expansion in Deutschland schließlich auch nicht ums Regionalprinzip, argumentiert der BayWa-Boss. Derzeit sieht es nicht so aus, als könnte der schon länger schwelende „Nord-Süd-Konflikt“ kurzfristig entschärft werden. Eine gemeinsame Plattform gibt es mit dem Deutschen Raiffeisen-Verband. Der muss sich in Sachen Regionalprinzip eindeutig positionieren!
 
Auch in Hessen blüht der Wettbewerb zwischen den Landhändlern auf. Vor allem den Tierhaltern kommt das zugute. Aber mehr und mehr machen Global Player wie ForFarmers auch in der Mitte von Deutschland den alteingesessenen Händlern ihren Markt streitig. Ein Wettbewerbseffekt, von dem Sauenhalter profitieren können — wie Markus Steinmetz, den wir für unsere Reportage besucht haben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und so kommt es, dass die Agrarhandelsgenossenschaft vor Ort, die RWZ Kassel, für Steinmetz nur noch einer der möglichen Partner ist, wenn es um Futter-, Pflanzenschutzmittel- und Düngerzukauf oder um den Getreideverkauf geht. Aber auch, wenn die Futterkosten in der Ferkelerzeugung inzwischen mehr als ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen, dreht sich nicht alles um den Preis. Einfach den billigsten Anbieter zu nehmen, kann ins Auge gehen - Geiz ist hier nicht geil, sondern gefährlich. Das zeigen nicht zuletzt immer wieder neue Futter- und ­Lebensmittelskandale.
 
Auf den ersten Blick hat ein scharfer Wettbewerb für Landwirte handfeste Vorteile: Branchenriesen können im Einkauf aggressiver verhandeln und die niedrigeren Preise weitergeben. Bei der Vermarktung versprechen Logistikvorteile höhere Erlöse. Die Gefahr: Ist der Agrarhandel erst einmal konsolidiert, kann er die Preise fast nach Belieben diktieren. Das erleben Ackerbauern beim Düngemitteleinkauf seit Jahren.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht
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