Login
Ausgabe Juni 2014

Milch aus der Thüringer Wüste

von , am
28.05.2014

Zweitausend Hektar mit durchschnittlich 56 Bodenpunkten. Das klingt nach einem guten Ackerstandort. Wenn es nur genügend Wasser gäbe, doch Niederschläge sind rar im Thüringer Becken. Deshalb hält die Laproma AG lieber Milchkühe - und melkt sie mit Europas modernster Technik.

Dietrich Kirchner (rechts) ist Vorstandsvorsitzender der LAPROMA AG, sein Sohn Steffen ist sein Stellvertreter und Nachfolger. © Ralph Kallenbach
"Die Böden sind schon gut hier, aber ohne Wasser wächst selbst auf dem besten Acker nichts", sagt Dietrich Kirchner. Der Vor­standsvorsitzende der Erzeuger­ und Han­dels AG Laproma in Schloßvippach kennt die Wetterverhältnisse seiner Region wie kein anderer. Das Thüringer Becken gehört zu Deutschlands niederschlagsärmsten Gebieten, und die Laproma AG bewirtschaftet rund 2.000 ha Ackerland in dieser Wüste.
 
Der Laproma­ Vorstand hat deshalb schon vor Jahren eine Grundsatzentscheidung getroffen, um die Unternehmensliquidität lang­fristig abzusichern: Die Agrargesellschaft inmitten einer (staubtrockenen) Ackerbau­region stellte ihr betriebliches Konzept auf das Fundament Milcherzeugung.

"Natürlich spüren wir schlechte Erntejahre auch beim Milchvieh. Knappe Erträge treiben die Preise für Futter in die Höhe. Aber zum Glück erzeugen wir unser Gundfutter komplett selber, und auch beim Kraftfutter müssen wir nur etwa die Hälfte zukaufen", sagt Kirch­ner. Eine hohe Grundfutterqualität sorgt dabei für mehr Unabhängigkeit. Insgesamt liegt die Marktleistung der gegen­wärtig knapp 1.100 Laproma­ Kühe bei gut 9.500 kg. Und auch wenn in den vergange­nen Jahren noch immer ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist, sagt Kirchner, dass das un­gefähr das Ziellevel für seine Milchviehherde sein soll. "Bei diesem Leistungsstand stimmt dasVerhältnis aus Futterkosten, Arbeitsaufwand, Tierarztkosten, Milchleistung, Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer.
 
Bis 2015 soll der Betrieb deutlich wachsen. Und so begann 2010 die Planung für den neuen Milchviehbereich in Dielsdorf, einen knap­pen Kilometer von Schloßvippach entfernt. So richtig glücklich waren die Betreiber mit ihren vielen einzeln aufgestellten Auto­matenboxen nicht. Zu unübersichtlich für so große Bestände, hieß es, würden wir so nicht wiedermachen.

Doch manchmal kommt mit Zeit auch Rat. Und ein neues Technikangebot von De Laval. Und so wurde beschlossen: Europas erstes kommerzielles Roboterkarussell würde in Thüringen den Betrieb aufnehmen.

"Inzwischen", sagt Diet­rich Kirchner, "läuft die Anlage sehr gut. De Laval ist trotzdem noch regelmäßig hier, zu unserem Vertrag mit der Firma gehört auch, dass wir alle Optimierungen bekommen, die sich im Laufe der Zeit ergeben. Seit Oktober beispielsweise haben wir eine neue Kamera zur Zitzenerkennung bei der Ansetzautomatik.

Für Gäste gibt es einen  Aufenthaltsbereich mit Panorama­blick, damit die Tiere möglichst wenig gestört werden. Und auch im Bereich Lehre und Forschung lässt sich der Betrieb nicht Lumpen: Vier Master­- und sechs Bachelorarbeiten entstehen im Moment anhand von Daten aus Dielsdorf und Schloßvippach, betreut von der Hochschule Bernburg und der Thüringischen Landesanstalt. Und an der Martin­ Luther­ Universität Halle schreibt eine Studentin ihre Doktorarbeit zum Thema "Einführung des Automatischen Melkroboters in die Praxis".

"Selbst wenn das den Arbeitsaublauf manchmal ein bisschen stört: Wir profitieren schließ­lich irgendwann auch von diesen Ergebnis­sen." Und wer weiß … vielleicht entsteht auch dabei wieder eine bahnbrechende neue Technologie, die dereinst in der Laproma AG zum ersten Mal Praxisluft schnuppert.
 
Den ausführlichen Bericht und den Betriebsspiegel der Laproma AG finden Sie im aktuellen Heft des agrarmanager.


Sabine Leopold, Redakteurin agrarmanager
Auch interessant