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Ausgabe September_2014

Rollender Tierschutz

von , am
27.08.2014

Der verantwortungsvolle Umgang mit Nutztieren ist nicht nur Sache der Landwirte. Auch für Viehtransporteure gelten klare Regeln, wie ein Schwein oder Rind von A nach B zu befördern ist. Die AgriV Raiffeisengenossenschaft hat das in ihrem Logistikkonzept vorbildlich umgesetzt.

© F. Krick
Der "Tatort": Raesfeld, eine Gemeinde im nordwestlichen Zipfel von Westfalen, und dort die AgriV Raiffeisengenossenschaft, Abteilung Viehvermarktung. Holland ist nicht weit, und am schnellsten erreicht man Raesfeld über den Ostfriesenspieß, so nennen die Anrainer die A31, die das Ruhrgebiet mit der Nordsee verbindet.

Die Landwirtschaft der Region ist maßgeblich von der Veredlung geprägt. Nutz- und Schlachtvieh sind deshalb wesentliche Umsatzträger des noch jungen  genossenschaftlichen Unternehmens, das aus dem Zusammenschluss der  RWG-Niederrhein mit der Raiffeisen-Raesfeld-Kirchhellen hervorgegangen ist. Rund 500.000 Stück Nutz- und Schlachtvieh "laufen" durch die Bücher der AgriV-Viehabteilung, mehr als die Hälfte davon sind Schlachtschweine.

Der Viehtransporter in Raiffeisen-Grün steht schon abfahrbereit auf dem Hof. Insgesamt sind fünf solcher Gliederzüge für die Genossenschaft unterwegs. Ein Gliederzug
besteht aus einem Motorwagen und einem Anhänger, ein sehr flexibles System, das sich gut an die Zahl der zu transportierenden Tiere anpassen lässt.
 
Paul Stenkamp, gelernter Landwirt, fährt den leeren Transporterauf die betriebseigene  Waage und dann weiter Richtung Stall, der Landwirt folgt auf dem Fahrrad. "Viele Landwirte bestellen uns schon vor einem Stallbau mit unserem Fahrzeug auf den Hof, um eine problemlose Anfahrt in die Planung zu integrieren", erzählt Stenkamp. Eine optimale Verladesituation bedeutet weniger Stress für Tiere, Landwirt und Transporteur.

Ein "Hopping" von Betrieb zu Betrieb, um den Viehtransporter voll zu bekommen, ist
nicht erlaubt. Es herrschen klare Verhaltens- und Hygieneregeln, denn in Raesfeld  erinnert man sich noch mit Schrecken an den Ausbruch der Schweinepest im Jahr 2006.
 
Langsam und neugierig schnüffeln sich die ersten Tiere dem Stallausgang entgegen. Stenkamp markiert die Tiere, bevor sie die Laderampe betreten. Zusammen mit der Ohrmarke ist damit die Herkunftsrückverfolgung gewährleistet. Die Kennzeichnung und Dokumentation gehört zu den Aufgaben des Viehtransporteurs, offensichtlich kranke oder angeschlagene Tieredarf Stenkamp auch zurückweisen.

Immer zehn Stück, dann teilt Stenkamp eine Bucht ab. Jedem Tier stehen rund 0,5 Quadratmeter zur Verfügung. Das ist optimal, denn so stehen die Tiere während der Fahrt sicher, aber auch nicht zu dicht gedrängt.

Mit dem beladenen Fahrzeug fährt Stenkamp erneut zur Waage, 33,8 Tonnen zeigt das Display im Wiegehäuschen an, Felix KleinThebings druckt die Wiegescheine aus, die mit
zum Schlachthof gehen. Zunächst nimmt der Transporter aber noch einmal Kurs  Richtung Raesfeld. Dort warten auf dem Gelände der Genossenschaft noch rund 60  Tiere, die Stenkamp bereits heute Morgen in aller Frühe abgeholt hat. "Unsere Ställe sind so ausgelegt, dass wir eine Partie Tiere nicht nur ein paar Stunden, sondern sogar über Nacht hier behalten und mit Futter versorgen und tränken können", erklärt er.

Mit einem voll belegten Fahrzeug startet Stenkamp Richtung Coesfeld. Die Fahrt wird
etwa 40 Minuten dauern. "Maximal zwei Stunden müssen die Tiere im Transporter verbringen, das ist für die Schweine überhaupt kein Problem." Am späten Mittag erreichen wir den Westfleisch-Schlachthof in Coesfeld. Dort gehen 55.000 Schweine pro Woche über die Rampe, es wird an sechs Tagen in zwei Schichten gearbeitet.

Beim Entladen nimmt die Tierärztin jedes einzelne Schwein in Augenschein. Sollte es an dieser Stelle zu Auffälligkeiten kommen, sortiert sie betroffene Tiere sofort aus und untersucht sie genauer. Inzwischen hat Stenkamp alle Tiere entladen. Er steuert die Waschanlage an, denn nur, wenn das Fahrzeug gründlich gereinigt und desinfiziert ist, darf es das Schlachthofgelände verlassen.

Danach und nach sogfältiger Kontrolle durch einen Mitarbeiter des Schlachthofs hebt sich die Schranke für Paul Stenkamp. Der Rückweg nach Raesfeld ist nun schnell geschafft und endlich, gegen 15:00 Uhr, ist für den Schweinetransporteur Feierabend.  Morgen um halb vier geht es dann wieder los und übermorgen auch, an fünf Tagen in der Woche.
 
Den ausführlichen Bericht der Reportage sowie Informationen zum Deutschen Raiffeisenverband und Tierschutz finden Sie im aktuellen Heft des agrarmanager.


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