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Ausgabe Mai_2015

Schlagabtausch beim Klimaschutz

von , am
02.05.2015

Die EU-Kommission hat äußerst ambitionierte Minderungsziele für verschiedene Luftschadstoffe vorgeschlagen. Das sorgt für hitzige Diskussionen. Niedrigere Grenzwerte für Ammoniak und Methan gefährden den Nutztierstandort Deutschland.

© Paolo Bona
Bereits im Dezember 2013 hat die Europäische Kommission das "Clean Air Policy"-Paket vorgelegt. Darin wurde auch die Neufassung der sogenannten NEC-Richtlinie (National Emission Ceilings) vorgeschlagen. Die Richtlinie existiert zwar schon seit 2001. Brisanz entwickelt das Thema für die Agrarbranche jetzt, weil mit der anstehenden Neufassung erstmals die Landwirtschaft in die Pflicht genommen werden soll. Bisher starre Obergrenzen für den Ausstoß einzelner Luftschadstoffe werden in prozentuale Minderungsziele für jedes EU-Mitgliedsland umgewandelt. Besonders heikel für Nutztierhalter: Erstmals soll mit der Neufassung der NEC-Richtlinie auch für Methan ein Minderungsziel vorgegeben werden. In Deutschland soll der Ausstoß an Methan und Ammoniak gemäß dem Kommissionsvorschlag bis 2030 um jeweils 39 % gegenüber dem Basisjahr 2005 reduziert werden.

Für Deutschland würde ein Reduktionsziel von 39 % bedeuten, dass ab 2030 nur noch rund 350.000 t Ammoniak emittiert werden dürften - zumindest wenn für die Berechnung das Basisjahr 2005 mit 573.000 t zugrunde gelegt wird. Die Landwirtschaft ist mit 95 % der größte Verursacher von Ammoniakemissionen. Noch beträgt die Obergrenze für Deutschland jährlich bis zu 550.000 t Ammoniak.

Deutschland muss seine Emissionen durch die nachträgliche Korrektur stärker reduzieren, als bisher angenommen. Das macht klar: Die neue NEC-Richtlinie wird weitreichende Folgen für die Nutztierhaltung in Deutschland haben. Selbst eine UBA-Expertin bezeichnet die deutschen Minderungsziele gegenüber dem agrarmanager als einen "sehr ambitionierten Vorschlag".

Die gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission, das Joint Research Centre (JRC), hat untersucht, welche Auswirkungen schärfere Emissionsgrenzwerte auf die Landwirtschaft in Europa hätten. Analysiert wurden für die Methan- und Lachgasemissionen zwei Szenarien mit Reduktionszielen von 19 % beziehungsweise 28 %. Auftraggeber der Studie war die Generaldirektion Landwirtschaft, die direkt Kommissar Phil Hogan unterstellt ist. Die JRC-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Tierbestände in der EU je nach Szenario um 31 bis 54 % reduziert werden müssten, um die Minderungsziele einzuhalten.
 
Sollte die neue NEC-Richtlinie tatsächlich deutlich niedrigere Obergrenzen für den Ausstoß von Methan und Ammoniak festlegen, würde dies Fortschritte in Sachen Tierwohl torpedieren. Tiergerechte Haltungsverfahren wie Weidegang oder Offenställe müssten dann auf den Prüfstand. Zu diesem Zielkonflikt hat die EU-Kommission bisher nicht Stellung bezogen. 

Noch sind die neuen Minderungsziele nur ein Vorschlag der EU-Kommission. Mitte April wurde über den  Richtlinienentwurf im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments debattiert. Eine erste Lesung mit anschließender Abstimmung im Plenum ist für September geplant.
 
Damit sich die wirtschaftlichen Folgen für die Tierhaltung im Rahmen halten, müssen Vertreter aus Berufsstand und Politik in Brüssel nun deutlich Position beziehen.


Den ausführlichen Bericht mit weiteren Informationen zum Thema NEC-Richtlinie sowie die konkreten Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Zahlen, sollte die Richtlinie nicht nur ein Vorschlag bleiben, lesen Sie im Mai-Heft des agrarmanager. Und falls Sie noch kein Abonnent sind: Hier geht?s zum Probeabo.
 

 
 
 
 
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