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Ausgabe September_2014

So beeinflusst die Politik die Fruchtfolgen von morgen

von , am
28.08.2014

Fruchtfolgeplanung im Zeichen der Agrarpolitik: Greening, EEG-Novelle und der Wegfall der Zuckermarktordnung werden in vielen Betrieben die künftige Fruchtfolgeplanung verändern. Von den Landwirten verlangt das, noch mehr als bisher schon mit dem spitzen Bleistift zu planen, um kein Geld zu verschenken.

Wie beeinflusst die Agrarpolitik die Fruchtfolgen von morgen? © Tina Buthut
Sind starre Fruchtfolgen noch zeitgemäß? Oder muss man als Ackerbauer heute nicht flexibel auf die sich ändernden Rahmenbedingungen reagieren? Witterung und Markt bestimmen Mengen, Qualitäten und Preise. Und neuerdings gewinnt die Politik wieder an Einfluss auf den Ackerbau - über Eingriffe wie Greening, EEG-Novelle oder die Forderung nach Nachhaltigkeit beim Rapsanbau. Die Fruchtfolgewirkung veränderter Rahmenbedingungen muss "in Geld" bewertet und mit dem Deckungsbeitragserwartungen der einzelnen Kulturen kombiniert werden.
 
Wie lassen sich die erfolgreichen Kulturen identifizieren? Eine wichtige ökonomische Bewertungsgröße ist der Gesamtdeckungsbeitrag des Betriebes. An Bedeutung gewinnen daneben die Festkosten, die bei wesentlichen Änderungen in der Ausrichtung des Betriebes angepasst werden müssen.

Weizen - Er liefert sich in Sachen Rentabilität seit Jahren mit dem Raps ein "Wimpernschlagfinale". Die Erfolgsparameter beim Weizen sind der Ertrag, der  Verkaufspreis und die Kosteneinsparung. Für die Höhe des Erzeugerpreises spielt
es eine Rolle, ob die Ware ex Ernte frei Erfasser, ab Hof oder direkt zum Verarbeiter
vermarktet wird.

Raps - Die Ölfrucht ist - dort, wo sie hinpasst - ein wertvolles Fruchtfolgeglied. Es ist wichtig, dass sich der Raps richtig in die Fruchtfolge fügt und dass der Anbau auf Dauer
nicht zu eng wird. Um das Leistungspotenzial beim Raps voll auszuschöpfen, ist ein
vierjähriger dem dreijährigen Anbau vorzuziehen.
 
Mais - Er passt in der Silo- oder Körnerform je nach Standort in die Fruchtfolge, wenn die individuellen Faktoren passen. Die Rentabilitätserwartungen liegen dabei auf einem ähnlichen Niveau wie bei den zuvor genannten Kulturen, wobei dabei aber verstärkt sogenannte "weiche Faktoren" in die Bewertung einfließen. In Betrieben mit Biogas und hoher Veredlungsdichte ist der Mais nicht wegzudenken und erzielt über den direkten Kulturnutzen einen weiteren betrieblichen Nutzen.

So banal es klingt: Grundsätzlich sollte sich die Anbauentscheidung nach der  Absatzplanung richten. Oft ist es immer noch umgekehrt: Man baut die üblichen  Kulturen an und versucht diese - oftmals auch erst nach der Ernte - gut zu vermarkten.

Entscheidend ist, dass Sie sich mit der betriebswirtschaftlichen Auswertung beschäftigen
und Ihre Daten mit anderen erfolgreichen Betrieben vergleichen. Die anschließenden Entscheidungen in der Unternehmensführung werden dadurch nicht schlechter. Letztlich ist es das Ziel, auf das Siegertreppchen und ins erste Viertel der erfolgreichen Betriebe zu gelangen bzw. sich dort zu etablieren.


Eine Modellkalkulation zu den finanziellen Auswirkungen des Greenings und weitere Informationen zum Thema Fruchtfolgen, zum Beispiel, wie es sich mit Wintergerste und Zuckerrübe verhält, lesen Sie im aktuellen Heft des agrarmanager.
 
 

Einsatz für die Umwelt, der sich lohnt

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Lila blühen die letzten Wicken. Hier und da drängen sich gelbe und rote Farbtupfer ins Bild. Doch die meisten Pflanzen in dem 6m breiten Blühstreifen sind jetzt, Ende Juli,  längst verblüht. Die Autofahrer, die auf der kerzengeraden Straße vorüberbrausen, nehmen das nicht wahr. Sie schauen nur kurz zur Seite, wundern sich, was der Mann im grünen Pullover dort wohl macht. Dieser Mann ist Georg Freiherr von Loë, Landwirt aus Wachtberg-Adendorf. Er freut sich über den Blühstreifen, auch wenn dieser ein bisschen wüst, strubbelig und sehr nach Unkraut aussieht. Das ist nicht der Anblick, den ein Ackerbauer im Allgemeinen schätzt. Doch Georg von Loë weiß, diese Agrarumweltmaßnahme nutzt nicht nur der Natur, sondern auch seinem Betrieb, der ARiWa GbR.

Vor der Entscheidung für eine Agrarumweltmaßnahme steht für von Loë jedoch in jedem
Fall eine betriebswirtschaftliche Prüfung. Nur wenn die angebotene Förderung die  Summe aus Erlöseinbußen und vermiedenen Kosten übertrifft, kommt eine Teilnahme in Frage. Für einen Blühstreifen könnte die Kalkulation so aussehen: Von einem  durchschnittlichen Weizenertrag von rund 90 dt/ha, den der Betrieb im fünfjährigen  Mittel knapp erreicht, werden 20 % abgezogen, weil der Streifen auf ertragsschwachen Teilflächen zum Beispiel im Waldschatten, auf Steinkuppen oder in Wasserlöchern angelegt wird. Es verbleiben also 72 dt/ha. Multipliziert mit dem erwarteten Weizenpreis
von 20 Euro/dt ergibt sich ein Erlös in Höhe von 1.440 Euro/ha. Davon werden die variablen
Kosten in Höhe von 650 Euro/ha abgezogen. Als Deckungsbeitrag aus dem Weizenanbau
auf der potenziellen Blühfläche ergeben sich somit 790 Euro/ha. Dem stand in der  vergangenen Förderperiode ein Zuschuss in Höhe von 850 Euro/ha entgegen.

Ein zentraler Kritikpunkt an den Agrarumweltmaßnahmen ist für von Loë der hohe
Verwaltungsaufwand. Die Förderbedingungen müssen genau geprüft, das Angebot durchgerechnet, die potenziellen Flächen vermessen und schließlich exakt angelegt und nach Vorschrift gepflegt werden. "Für einen Betrieb mit 50 ha Fläche, der 0,5 ha Blühstreifen anlegen will, lohnt sich der Aufwand gar nicht", sagt von Loë.

Ob die ARiWa GbR aber auch künftig in ähnlichem Umfang AUM umsetzen wird, hängt
wesentlich davon ab, wie das Verbot der Doppelförderung durch Greening und  AUM umgesetzt wird. Dies ist ein großer Unsicherheitsfaktor für die Fortführung der bislang
wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich sinnvollen Programme. Ein Verzicht
auf die Greeningprämie kommt für den Betrieb jedenfalls nicht in Frage. Auch das hat
von Loë längst durchgerechnet, ebenso wie eine Umstellung des Betriebes auf ökologischen Landbau. Beide Optionen schneiden betriebswirtschaftlich jedoch schlechter ab als die Beibehaltung der am Gewinnoptimum ausgerichteten konventionellen Wirtschaftsweise unter gezielter Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen.
 

Mehr zu unserer Betriebsreportage, sowie den Betriebsspiegel lesen Sie in Heft 09/2014
 
 
 
 
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Der Nebel lichtet sich

 
 
 
 
 
 
Die genaue Umsetzung der gemeinsamen Agrarpolitik innerhalb des EU-Rahmens obliegt jedem einzelnen Mitgliedstaat. So auch beim Greening: Deutschland hat sich dafür entschieden, das Greening in der "ursprünglichen Fassung" umzusetzen. Neben der Basisprämie, die je nach Bundesland ca. 174 bis 187 Euro/ha ausmacht (erst ab 2018 wird diese deutschlandweit einheitlich sein), gibt es ca. 85 Euro/ha zusätzlich als "Greeningprämie". Die Greeningprämie macht etwa ein Drittel der gesamten  EU-Förderung aus.
 
Fakt ist: Die Teilnahme am Greening ist für nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe rentabel!

Leider liegen noch nicht alle nationalen Gesetze und Durchführungsverordnugen zum
Greening vor. Einige sind vom Bundesrat zustimmungspflichtig, es wird noch viel  diskutiert und kurzfristig geändert. Die letzten Regelungen werden vermutlich erst im November 2014 beschlossen.

Mit der neuen Förderperiode ab 2015 wird auch das Angebot an Agrarumweltprogrammen (AUP) erneuert. Die genaue Ausgestaltung in Deutschland regelt jedes Bundesland selbst, daher wird es verschiedene Programme und  Förderprämien geben. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an AUP - in Niedersachsen sind es über 30 verschiedene. Leider haben sich bisher nicht alle Bundesländer hinsichtlich
ihres Angebots positioniert, denn sie benötigen eine Genehmigung der EU und stehen
daher noch unter Vorbehalt.

Bis heute sind nicht alle Einzelheiten des Greenings beschlossen, daher ist eine pauschale Empfehlung schwierig. Einige grundsätzliche Ratschläge zumUmgang mit AUP sind aber möglich.

Ich empfehle Ihnen: Warten Sie ab, bis Ihr Bundesland die AUP veröffentlicht. Lesen Sie
kritisch das "Kleingedruckte" und suchen Sie sich dann ein passendes Programm aus.
 
 Eine Rechenbeispiel zur Erfüllung des Greenings sowie weitere Informationen zu den Einzelheiten wie Stilllegung, Leguminosen oder Schlagstruktur lesen Sie in Heft 09/2014 des agrarmanagers.
 
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