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Ausgabe September_2015

Die Stimmung ist explosiv!

von , am
26.08.2015

Die Milchpreise fallen immer weiter. Kein Wunder, dass die Nerven der Milchproduzenten blank liegen. Nun soll es die Politik richten. Patentrezepte gibt es keine.

© James Steidl
Fast täglich erreichen uns derzeit aus ganz Europa neue Bilder von Mahnwachen und Blockadeaktionen. Sternmärsche und Großkundgebungen werden organisiert. Die Wut der Milchbauern ist verständlich. Das Milchgeld ist von 40 Ct/l im Januar 2014 auf unter 28 Ct/l im Juli 2015 abgestürzt. Die Problemanalyse ist unstrittig: Das Chinageschäft schwächelt, das Russlandembargo jährt sich mittlerweile. Dadurch ist zu viel Milch am Markt, was den Lebensmitteleinzelhandel in die Lage versetzt, seine Marktmacht auszuspielen. Die Milcherzeuger rutschen mit jedem Melken weiter in die roten Zahlen. Die Sorge, dass aus Liquiditätsengpässen Unternehmenspleiten werden, hat nun die Politik auf den Plan gerufen.
 
Für den 7. September wurde ein EU-Sonderagrarrat einberufen, auf dem konkrete Beschlüsse zur Abmilderung der desolaten Lage gefasst werden sollen. Die Gemengelage vor dem Krisengipfel ist kompliziert. Politiker und Lobbyisten bringen sich in Stellung. Heftig umstritten ist vor allem die Frage, ob eine Mengensteuerung Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen kann.
Ein besonders heißes Eisen ist das untere Milchpreis-Limit, das derzeit abgeleitet aus den Interventionspreisen für Pulver und Butter bei 21 Ct/l liegt. Während EU-Agrarkommissisar Phil Hogan eine Anhebung bisher kategorisch ausschließt, gibt es für höhere Interventionspreise auch in Deutschland durchaus Fürsprecher. Beim DBV will man sich auf eine Diskussion über die richtige Höhe des Interventionspreises gar nicht erst einlassen - zu unterschiedlich sind die Positionen innerhalb des Verbandes.
 
 
Dagegen hat sich der Europäische Bauernverband Cogeca klar für eine Anhebung des Interventionspreises ausgesprochen, ohne allerdings eine konkrete Höhe zu nennen.
Weitgehend Konsens besteht bezüglich der Forderung des DBV, die Superabgabe in den Milchsektor zurückfließen zu lassen. Die EU habe Rekordzahlungen aus der Superabgabe erhalten, die für den Milchsektor verwendet werden müssten, argumentiert Udo Folgart. Geht es nach dem DBV-Milchpräsidenten, sollten die 900 Mio. Euro für eine groß angelegte europäische Exportoffensive eingesetzt werden. Das wäre durchaus nach dem Geschmack von Agrarminister Schmidt. Der Export sei für die deutsche Milchindustrie wichtig, erklärte der CSU-Mann im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt". Eine Unterstützung könne aber nicht darin bestehen, dass wieder Exporterstattungen gewährt würden. Verbilligte europäische Exportprodukte gefährdeten lokale Märkte, zum Beispiel in Entwicklungsländern.
 
 
 
Der EU-Sonderagrarrat sorgt für Wirbel bevor sich die Minister überhaupt getroffen haben. Patentrezepte hat jedoch niemand.
 
 
Mehr über den Sonder-Agrarrat der EU-Landwirtschaftsminister am 7. September 2015 in Brüssel erfahren Sie in der September-Ausgabe 2015 des agrarmanager.
 
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