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Ausgabe März_2015

Von Streichelmöhren und Fernsehferkeln

von , am
23.02.2015

Landwirte haben ein Akzeptanzproblem. Das gilt nicht nur hierzulande. Deshalb haben sich auch unsere österreichischen Nachbarn auf der Wintertagung des Ökosozialen Forums Wien mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit befasst. Doch es gibt dabei durchaus Unterschiede zu Deutschland.

© Sabine Leopold
"Wir haben aus einem dünnen, farblosen Würzelchen alle natürlichen "Pestizide" herausgezüchtet. Übriggeblieben ist eine süße, saftige, leuchtend orange und schutzlose Möhre. Und die sollen wir jetzt mit Pflanzenschutzmitteln schützen, die nur ein Bruchteil der Wirksamkeit der ursprünglichen Urpflanzeninhaltstoffe haben - das ist Schwachsinn, aber das will ja keiner wissen."
 
Wien, Wintertagung des Ökosozialen Forums, 30. Januar 2015. Ernährungsexperte und Vollblutprovokateur Udo Pollmer referiert vor seinen erstaunten Zuhörern zum Thema "Wollen wir wirklich wissen, was wir essen?". Er spricht über "Streichelmöhren" und erklärt, warum auf Lebensmittelverpackungen als Konservierungsstoff Ascorbinsäure statt (korrekt) Ascorbylstearat steht: "Weil für den Verbraucher die Zahl der Ypsilons im Namen einer Substanz über ihre Giftigkeit Aufschluss gibt." Pollmer polarisiert - und hat damit all die Aufmerksamkeit, um die andere so verbissen kämpfen.
 
Und genau darum geht es in Wien: um Aufmerksamkeit. Und um Deutungshoheit. "Braucht die Landwirtschaft einen neuen Narrativ?" hat das Ökosoziale Forum Wien seine Veranstaltung betitelt. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Fragen, welches Bild die Öffentlichkeit in unserem Nachbarland von ihrer Nahrungsgüterproduktion hat und wie die Agrarwirtschaft selber diese öffentliche Wahrnehmung beeinflussen kann.
 
Eine der wichtigsten Antworten darauf steuert gleich Eröffnungsreferent Udo Pollmer bei: Über Landwirtschaft müssen Landwirte selber berichten, wenn sie ein reales Bild vermittelt sehen möchten. "Verarbeiter und Handel", poltert Pollmer, "sind heutzutage hochgradig erfolgreiche Märchenonkel."  
 
Einer der "erfolgreichen Märchenonkel", die Einzelhandelskette REWE, schickt seine Geschäftsführerin des Bereichs Eigenmarken, Martina Hörmer, ins Rennen, die dem Saalpublikum Rede und Antwort steht. Als Vertreterin von Spezialsendungen in Funk und Fernsehen tritt Sabine Daxberger-Edenhofer, die Leiterin der TV Großproduktionen beim ORF auf. 
 
Die abschließende Podiumsdiskussion schließlich dreht sich um Darstellungsformen in der Öffentlichkeitsarbeit. Fachlich heißt nicht immer staubtrocken und informativ nicht
langweilig. Spätestens nach Udo Pollmer am Morgen war das für die Teilnehmer an der Wintertagung des Ökosozialen Forums wohl ohnehin keine Frage mehr. Für den agrarmanager war Redakteurin Sabine Leopold in Wien dabei und durfte
auf dem Podium die Sicht der deutschen Landwirtschaft zum Thema Öffentlichkeitsarbeit vertreten. 
 

Den ausführlichen Bericht mit den Darstellungen der unterschiedlichen Podiumsredner und die Unterschiede in der Öffentlichkeitsarbeit zwischen Österreich und Deutschland lesen Sie im März-Heft des agrarmanager. Und falls Sie noch kein Abonnent sind: Hier geht?s zum Probeabo.
 

 
 
 
 
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