Login
Ausgabe August_2014

Unter Strom - Der Netzausbau sorgt auf dem Land für Hochspannung

von , am
04.08.2014

Neue Hochspannungstrassen erfreuen wohl keinen Land­wirt. Leider lassen sie sich selten verhindern. Umso wichtiger ist es, rechtzei­tig und mit Nachdruck die Forderungen der Landwirte einzubringen - sowohl zum Baugeschehen selbst, als auch zu Entschädigungen und Ausgleichsleistungen.

Bis zum Jahr 2035 sollen erneuerbare Energien 60% des Stromverbrauchs decken, statt bisher knapp 25%. Das erfordert zwangsläufig einen Ausbau des Stromnetztes. Denn anstelle von wenigen großen Kohle- und Kernkraftwerken müssen tausende Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen angeschlossen werden. 
 
Abgeschaltet wurden bisher acht Atom­kraftwerke. Bis 2022 sollen die übrigen neun Atommeiler vom Netz gehen. Eine zusätzliche Herausforderung ist die wetterabhängige Schwankung der Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Das Netz muss an diese veränderte Belastungs­lage angepasst werden.

Die Bedarfsschätzungen für den Netzausbau mussten angesichts des Siegeszuges der Erneuerbaren schon mehrfach nach oben korrigiert werden. In einem fünfstufigen Verfahren werden aus Bedarfsschätzungen die verbindlichen Ausbaupläne entwickelt.

Anhand älterer Ausbauprojekte und den Planungen für den kommenden Bedarf zeigt sich, dass der Netzausbau für landwirtschaftliche Betriebe sowohl in der Planungsphase als auch in der praktischen Umsetzung zahlreiche Schwierigkeiten aufwerfen kann. Die Belange der Landwirtschaft werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

In der Gesellschaft wird die unterirdische Verlegung der Kabel bevorzugt, weil sie das Landschaftsbild weniger stört. Das bedeutet jedoch einen erheblichen Eingriff in die Bodenstruktur. Das Ertragspotenzial der Fläche wird geschädigt.

Besonders ärgerlich ist, dass für den Ver­lust an landwirtschaftlichen Flächen und den Eingriff in das Landschaftsbild nach dem Na­turschutzrecht Ausgleichsflächen auszuweisen sind, die in der Regel wiederum zulasten der Landwirtschaft gehen.

 
Welche Punkte der Deutsche Bauernverband kritisiert, wie genau das fünfstufige Verfahren für die verbindlichen Anbaupläne aussieht sowie Antworten auf die Frage "Wie wird entschädigt?", lesen Sie im aktuellen Heft des agrarmanager.
 
 

Drunter oder Drüber?

">
Deutschland verfügt über ein robustes und gut verzweigtes - Fachleute sagen vermaschtes - Stromnetz. Es ist jedoch nicht gleichmäßig gestrickt.  
 
Vor dem Hintergrund der Energiewende und den neuen Anforderungen, die sich daraus für das Stromnetz ergeben, verabschiedete die Bundesregierung ein Bundesbedarfsplangesetz mit 36 Vorhaben, die energiewirtschaftlich besonders vordringlich sind. Demnach sollen bis 2020 mindestens 3.600 km Höchstspannungstrassen neu gebaut oder verstärkt werden.
 
Einschränkungen für die Flächennutzung und den Naturschutz durch Überlandleitungen entstehen - abgesehen von der Bauphase - bei der üblichen Breite der Traversen von 30 bis 40 m plus Sicherheitsabstand auf einem etwa 70 m breiten Streifen.
 
Legt man die genannten Zahlen zugrunde, befindet sich bundesweit immerhin eine Fläche von rund 100.000 ha unter Hochspannungsleitungen.
 
Angesichts vielfacher Bürgerproteste entlang der geplanten Freileitungstrassen erscheint eine Verlegung unter der Erde, wie von den Initiativen meist gefordert, als ideale Lösung.
 

Mehr zum Ausbau des Stromnetzes in Deutschland, sowie die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt lesen Sie in Heft 08/2014
 
">
">
">

Bald umzingelt

 
 
 
 
 
 
Als 2006 das Gerücht aufkam, dass in der Region eine neue Höchst­spannungsleitung gebaut wer­den soll, war Heinrich Beutnagel nicht gerade erfreut. Kein Wunder. Schließlich führen bereits zwei große Trassen in das Umspannwerk Wahle hinein und auch wie­der heraus - direkt über die Felder, die der Landwirt bewirtschaftet.
 
"Der Trassenkorridor ist bereits festgelegt, doch bis heute gibt es keine exakten Informationen, wie der niederländische Netzbe­treiber TenneT die Verluste, die uns durch die Leitung entstehen, entschädigen will", er­zählt Heinrich Beutnagel bei einem Cappuccino im gemütlichen Hofcafé, das seine Frau betreibt.
 
Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens werden die Belange jedes einzelnen Feldhamsters, Vogels oder Baumes analysiert, die Betroffenheit der Landwirte interessiert aber kaum jemand, das ärgert die beiden am meisten. "Wir Landwirte sind die letz­ten die etwas gegen Naturschutz haben, im Gegenteil, wir tun sogar eine Menge dafür",  stellt Beutnagel klar und nennt als ein Bei­spiel die rund 13 ha Blühstreifen, die er um seine Felder herum angelegt hat. Aber die Trasse störe eben nicht nur Feldhamster, sie beeinträchtige auch seinen Betrieb. Doch das scheine weder Netzbetreiber noch Politik zu interessieren.
 
Insgesamt rund 230 ha Ackerland be­wirtschaftet Heinrich Beutnagel in der Ge­markung Wahle. Etwa ein Viertel der Flä­chen sind Eigentum, der Rest Pachtland. "Ich bin nun schon der 15. Heinrich auf unserem Hof", erklärt der Landwirt nicht ohne Stolz. Bisher hießen alle Hofnachfol­ger Heinrich. Sein Sohn Heinrich­-Karsten ist der 16. Er hat gerade zwei Semester Land­wirtschaft an der Uni Göttingen absolviert und will den Hof später übernehmen.
 
Die Schäden für den Boden werden über Jahrzehnte die Erträge negativ beeinflussen, weiß Beutnagel aus Erfahrung. Hinzu kommt, dass die Bewirtschaftung auf Dauer erschwert ist. Auch die einmalige Entschädigung für Eigentümer wiege den Verlust nicht auf.
 
 Weitere Informationen zum Betrieb Beutnagel in Wahle lesen Sie in Heft 08/2014 des agrarmanagers.
 
">



Auch interessant