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Ausgabe September_2015

Nicht überall ist Bullerbü

von , am
26.08.2015

Was haben Astrid Lindgrens Kinderbücher mit schwedischen Milchkühen zu tun? Und wer sind die größten Musterschüler, wenn es um die Tierhaltung geht? Folgen Sie uns nach Südschweden.

© Sabine Leopold
Astrid Lindgren, deren Phantasie neben der bezopften Piratentochter Pippi unter anderem auch die Kinder aus Bullerbü und den Lausebengel Michel erschuf, zeichnete in ihren Büchern ein Bild der schwedischen Landwirtschaft, wie sie es aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte. Mit der zunehmenden Modernisierung im Agrarbereich gingen diese idealisierten Sommerferien-Erinnerungen allerdings immer weniger einher.
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">So engagierte sich Lindgren gegen ganzjährige Stallhaltung und Hochleistungszucht. Am Ende kam auch die Politik nicht an ihren Forderungen vorbei.
 
Das Tierschutzgesetzt von 1987 verpflichtete Milchviehhalter unter anderem dazu, jedem Tier jenseits der ersten sechs Lebensmonate täglichen Auslauf unter freiem Himmel zu gewähren. Den Landwirten machte das damals strengste Tierschutzgesetz der Welt allemal zu schaffen - vor allem nach Schwedens EU-Beitritt im Jahr 1995. Mit ihren strengen gesetzlichen Richtlinien war schwedische Milch nur schwer konkurrenzfähig.
Verpflichtend schreibt die Tierschutzverordnung allerdings nur für die Sommerzeit mindestens acht Stunden Aufenthalt unter freiem Himmel vor - in Südschweden vier Monate lang, im Norden des Landes mindestens zwei Monate. Futter muss nicht auf den Auslaufflächen wachsen.
 
 
"Ist ganz schön anstrengend, dass wir Schweden immer bei allem die Musterschüler sein wollen", sagt Roger Larsson, Våxtorp, ungefähr 80 km nördlich von Malmö, gut 100 Kühe melkt. Eine Selbsteinschätzung, die die Skandinavier wohl mit den Deutschen teilen. Doch tatsächlich schlägt uns unser Ostsee-Gegenüber bei den Vorgaben auf landwirtschaftlichem Gebiet in mancherlei Hinsicht um Längen.
Verschärfend wirkt zudem die Milchpreis-situation. So sind die Milchpreise in Schweden seit über einem Jahr - also schon vor dem europäischen Quotenende - im freien Fall. Befeuert hat den Preisrutsch vor allem der russische Importstopp.
Zahlreiche schwedische Milcherzeuger haben in den vergangenen Jahren ihr Heil in der Ökoproduktion gesucht. Angesichts der generell hohen Anforderungen für alle Betriebe war das bei vielen nur noch ein kleiner Schritt. Zum Glück, denn inzwischen sind auch die Erzeugerpreise für Ökomilch spürbar zusammengeschmolzen, auch wenn es die konventionellen Produzenten heftiger erwischt hat.
 
Das liegt vor allem an den florierenden Importen der beiden im Land agierenden Molkereiriesen. Besonders jetzt nach Quotenende mangelt es europaweit nicht gerade an Milch. Das bekommen die Schweden, die jahrelang ihre nationale Quote unterliefert und auch mit Blick auf das Auslaufen der Garantiemengenregelung die Produktion nicht erweitert haben, jetzt bitter zu spüren. "Die Vorgaben hinsichtlich Fütterung und Haltung sind zum Beispiel in Dänemark deutlich moderater als hier", klagt Roger Larsson, "und dem Verbraucher ist das auch hier in Schweden zunehmend egal, wenn die Milch schön billig ist."
 
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Sabine Leopold, Redaktion agrarmanager
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Sie wollen erfahren wie die schwedischen Milchproduzenten die hohen Haltungsanforderungen unter schwierigen Marktbedingungen managen? Dann kommen Sie mit auf unsere Reise zu Produzenten durch Südschweden in der September-Ausgabe 2015 des agrarmanager.
 
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