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Editorial

Die Zwangsstilllegung ist wohl endgültig vom Tisch

von , am
02.03.2013

Es würde ohne Frage Druck vom angespannten Bodenmarkt nehmen, wenn die Zwangsstilllegung tatsächlich wegfällt. Doch das wird sicher nicht reichen, den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Bodenpreise zu stoppen. Die Frage "Kauf oder Pacht" bleibt damit ein Dauerbrenner.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
normalerweise gehört es zu den eher lästigen Pflichten für uns Agrarjournalisten, ellenlange und staubtrockene Protokolle von EU-Ratssitzungen durchzuackern.
Normalerweise. Nach der Marathonsitzung der Staats- und Regierungschefs Anfang Februar in Brüssel hat sich der Blick ins Kleingedruckte wirklich gelohnt, stehen dort doch durchaus gute Nachrichten.
 
Geht es nach dem Willen von Merkel, Hollande und Co., soll die Frage der Kappung nämlich national entschieden werden. Sie wäre in Deutschland also gestorben - zumindest unter der aktuellen Bundesregierung. Und auch in die Diskussion, wie stark die Direktzahlungen künftig "gegrünt" werden, hat der Gipfel Bewegung gebracht. Zwar wurde der Anteil der ökologischen Vorrangflächen an der Ackerfläche nicht auf 3,5% festgesetzt, wie im Vorfeld spekuliert worden war. Der Rat fordert aber, dass durch Greening kein Hektar Ackerfläche aus der Produktion genommen wird und es nicht zu "ungerechtfertigten Einkommensverlusten" kommt. Im Klartext: Geht es nach dem Rat, darf es in der EU keine Zwangsstilllegung von Flächen geben.
 
Auch wenn Ilse Aigner nach dem Gipfel von einem "guten Tag für die Landwirte" spricht, eine dicke Kröte ist doch zu schlucken: Der EU-Rat hat den ursprünglichen Kommissionsvorschlag zum Finanzrahmen um über 105 Mrd. Euro gestutzt. Und dieser Sparzwang geht auch zu Lasten der Landwirte, wie Staatssekretär Dr. Robert Kloos im Interview auf Seite 94 einräumt. Es würde aber ohne Frage Druck vom angespannten Bodenmarkt nehmen, wenn die angedrohten 7% Zwangsstilllegung tatsächlich wegfallen. Doch das wird sicher nicht reichen, den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Bodenpreise zu stoppen. Die Frage "Kauf oder Pacht" bleibt damit ein Dauerbrenner, auch für den agrarmanager.
 
Lesen Sie in unserem Schwerpunkt Bodenmarkt ab Seite 14, wie Leiter großer Betriebe aus Brandenburg und Thüringen mit dem Thema Flächensicherung umgehen. Und unsere Titel-Reportage ab Seite 20 zeigt, wie die nächste Generation rechtzeitig an die Betriebsleitung herangeführt wird.
 

Viel Spaß beim Lesen wünscht
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