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Börsentelegramm

Absturz der Getreidepreise nach USDA-Report

von , am
13.08.2015

Die meisten Analysten und Händler mussten ihre Markteinschätzungen jedenfalls deutlich korrigieren und die Preise für Getreide und Ölsaaten stürzen sowohl an den Terminmärkten in den USA als auch in Europa regelrecht ab.

© tom - Fotolia.com
 
Mit diesen Daten hatte im Vorfeld des neuen USDA-Reports offenbar kaum jemand gerechnet. Die meisten Analysten und Händler mussten ihre Markteinschätzungen jedenfalls deutlich korrigieren und die Preise für Getreide und Ölsaaten stürzten sowohl an den Terminmärkten in den USA als auch in Europa regelrecht ab. Grund waren die vom Markt als ausgesprochen bärisch interpretieren Korrekturen an den globalen Bilanzen durch das USDA, was die Preise auf neuen Tiefstände schickte und die Märkte heftig durcheinanderwirbelte.
 
Am heftigsten war der Preiseinbruch in den USA bei Sojabohnen und bei Mais. Aber die Weizenpreise stürzten dramatisch ab. Beim Weizen sorgten insbesondere die kräftige Aufwärtskorrekturen der Ernte- und Exporterwartungen für Russland und für die Ukraine für heftigen Preisdruck. Für die Europäische Union blieb die Ernte- und Exporterwartung unverändert und für die USA setzte die USDA die Exportprognose ebenso nach unten wie für Kanada. Die globale Weizenproduktion setzte das USDA auf einen neuen Rekordwert nach oben und auch die Endbestände wurden weiter nach oben gesetzt.
 
Beim Mais wurde die neue US-Ernte vom USDA deutlich nach oben und nicht wie erwartet nach unten korrigiert. Auch die Produktion in Russland und der Ukraine setzte man weiter nach oben. Dafür ging es mit der neuen Maisernte in der EU kräftig nach unten und mit den Importen nach oben. Deutliche Aufwärtskorrekturen gab zudem für die gerade abgeschlossenen Ernten in Brasilien und Argentinien. Die Endbestände in den USA und weltweit werden im neuen Wirtschaftsjahr deutlich größer sein als noch vor vier Wochen erwartet wurde.
 
Die neue US-Sojaernte und die US-Endbestände hat das USDA überraschenderweise nach oben korrigiert und nicht wie zuvor vom Markt erwartet nach unten. Ebenso ging es für die globale Produktion auf neue Rekordwerte nach oben, denn auch in Südamerika werden (wie schon 2015) auch 2016 neue Rekordernten erwartet. Die erwarteten Soja-Exporte Brasiliens hat das USDA für das neue Wirtschaftsjahr deutlich nach oben koorigiert und für die USA nach unten,  was den Druck auf die Terminmarkpreise in Chicago deutlich erhöhte.
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USA: Weizenpreise verlieren rund 3 %
Am Mittwoch (12.08) sind die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago nach der Veröffentlichung der neuen USDA-Daten drastisch eingebrochen. Der Septemberkontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) verlor 3,0 % und fiel auf 492,2 Cent je Buschel (161,9 Euro/t). Der Dezember-Termin notierte 2,9 % niedriger bei 497,2 Cent je Buschel (163,6 Euro/t). Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Chicago-Weizen von Anfang Juli (616 Cent je Buschel) sind die derzeitigen Preise rund 20 % niedriger. Im Vergleich zu den letzten Tiefpreisen von Anfang August (493 Cent) haben die Weizenpreise in Chicago jetzt ein ähnliches Niveau. Das Preisniveau vom Vorjahr (601 Cent) wird am US-Terminmarkt derzeit um 18 % verfehlt. Am Donnerstag beginnen die Weizenpreise (Septemberkontrakt) in Chicago den Handel mit einem Plus von 0,8 % bei 496 Cent je Buschel (163,2 Euro/t).
 
USA: Kurverlust bei Mais über 5 %
Am Mittwoch (11.08) sind die Maispreise unter dem Eindruck der neuen USDA-Daten für den Septembertermin sehr kräftig um 5,1 % auf 357,2 Cent je Buschel (125,9 Euro/t) abgestürzt. Die neue Ernte (Dezember) notierte 5,0 % niedriger bei 368 Cent je Buschel (129,6 Euro/t). Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Chicago-Mais von Anfang Juli (441 Cent je Buschel) sind die derzeitigen Preise damit etwa 19 % niedriger. Im Vergleich zu den letzten Tiefpreisen von Anfang August (366 Cent) sind die Maispreise ebenfalls 2,5 % niedriger. Das Preisniveau vom Vorjahr (403 Cent je Buschel) wird am US-Terminmarkt um 11 % verfehlt. Am Donnerstag (MEZ) beginnen die Maispreise in Chicago den Handel 0,7 % im Plus bei 359,6 Cent je Buschel (126,6 Euro).
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USA: Sojabohne fällt im mehr als 6 %
Am Mittwoch (12.08) sind die Preise für Sojabohnen (Septemberkontrakt) am Terminmarkt in Chicago um 6,4 % (!!!) auf 918,4 Cent je Buschel (302 Euro/t) abgestürzt. Die neue Ernte (November) notierte 6,3 % niedriger bei 910 Cent je Buschel (299 Euro/t). Im Vergleich zur letzten Preisspitze bei Sojabohnen von Anfang Juli (1033 Cent je Buschel) sind die derzeitigen Sojapreise damit 11,0 % niedriger. Den letzten Tiefstand von Anfang August (949 Cent) verfehlen die Sojapreise um 3,3 %. Das Preisniveau vom Vorjahr (1070 Cent) wird am US-Terminmarkt um 14 % verfehlt. Am Donnerstag (MEZ) liegen die vorderen Sojapreise (September) 0,8 % im Plus bei 925,6Cent je Buschel (305 Euro).
 
Weizenpreise deutlich unter 180 Euro
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Mittwoch (12.08) unter dem Druck der kräftig fallenden US-Preise ebenfalls deutlich zurückgegangen. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel bei 176,25 Euro/t und damit 2,25 Euro bzw. 1,3 % niedriger als am Vortag (178,50 Euro). Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging mit 182,25 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (185,25 Euro) sind die Preise damit um 1,6 % oder 3,0 Euro gefallen. Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Weizen von Anfang Juli (205 Euro) sind die Preise mittlerweile rund 28,75 Euro oder 14 % niedriger. Gleichzeitig sind die Preise unter den letzten Tiefstand von Anfang August (178 Euro) zurückgefallen. Das Preisniveau vom Vorjahr (184,75 Euro) wird am europäischen Terminmarkt um 8,50 Euro verfehlt.
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Absturz der Maispreise
Am Mittwoch (12.08) sind die Maispreise am europäischen Terminmarkt ebenfalls kräftig zurückgegangen. Der Novemberkontrakt (neuen Ernte) beendete den Handel bei 180,25 Euro/t und damit 4,75 Euro bzw. 2,6 % niedriger als am Vortag (185,0 Euro). Der Januarkontrakt notierte bei 182,50 Euro und damit 4,50 Euro bzw. 2,4 % niedriger als am Vortag (187,0 Euro). Im Vergleich zur letzten Preisspitze von Anfang Juli (196 Euro) sind die derzeitigen Maispreise rund 15,75 Euro bzw. 8,0 % niedriger. Die letzten Tiefpreise von Anfang August (173 Euro) werden noch um 7,25 Euro bzw. 4,2 % übertroffen. Das Preisniveau vom Vorjahr (167,50 Euro) wird am europäischen Terminmarkt derzeit um 12,75 Euro bzw. 7,6 % übertroffen.
 
Rapspreise brechen ebenfalls kräftig ein
Auch die Rapspreise sind am Mittwoch am europäischen Terminmarkt deutlich zurückgegangen. Der Novemberkontrakt wurde mit 373,75 Euro gehandelt und damit zu 8,75 Euro (!!) niedrigeren Preisen als am Vortag (382,50 Euro). Der Februarkontrakt wurde mit 374,25 Euro gehandelt und damit 8,25 Euro niedriger als am Vortag (382,50). Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Raps von Anfang Juli (402,5 Euro) sind die derzeitigen Rapspreise damit 28,75 Euro bzw. 7,2 % niedriger. Der letzte Tiefstand der Preise von Anfang August (376,50 Euro) wird jetzt um 2,75 Euro verfehlt. Gleichzeig wird das Preisniveau vom Vorjahr (331 Euro) am europäischen Terminmarkt derzeit um 42,75 Euro bzw. 12,9 % übertroffen.
 
Dr. Olaf Zinke
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