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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Abwärtstrends intakt!

von , am
16.09.2014

Weizen Börse
Der Absturz der Weizenpreise geht  zum Beginn  dieser Woche weiter. © landpixel
Nichtsdestoweniger standen gerade die Getreidepreise weiter unter Druck. Einerseits ist da die Aussicht auf eine riesige US-Maisernte, andererseits lasten hohe globale Weizenbestände auf dem Preis. Gestern wurden die Abwärtstrends trotz vereinzelter Zugewinne weiter fortgesetzt. Die schwächsten Märkte waren die Baumwolle, hier verloren die Preise 3 Prozent (%), und Orangensaft, der etwa 1,5 % nachgab. Zucker stand auch auf der Seite der Verlierer.

Sojabohne etwas fester

Die Sojabohne legte gestern unbedeutende 4 ¼ Cents je Bushel (cts/bu) zu und settelte bei 9,89 ½ US Dollar/bu. Der Handel blieb insgesamt ruhig und zurückhaltend, denn man erwarte im Tagesverlauf einige Nachrichten, die es einzupreisen galt. Der us-amerikanische Ölmühlenverband NOPA veröffentlichte gestern seine monatlichen Zahlen und bezifferte die Bohnenverarbeitung im Monat August auf 110,633 Millionen (mio) Scheffel. Das lag unterhalb der Erwartung von 111,64 mio Scheffel und deutlich unterhalb der 119,62 mio Scheffel im Monat Juli. Die wöchentlichen Exportinspektionen betrugen bei der Bohne lediglich 255 Tausend (tsd) Tonnen. Derartig niedrige Werte sind aber am Ende einer Kampagne normal, denn das Gros der US-Bohnen ist längst verschifft worden.
 
Das Reich der Mitte buchte routinemäßige 118 tsd Tonnen US-Sojabohnen aus der Kampagne 2014/15. Diese Meldung ging sang- und klanglos im Markt unter. Nachbörslich veröffentlichte das USDA noch seine Crop Ratings und sah weiterhin 72% aller US-Bohnenbestände in gut bis exzellentem Zustand auf dem Acker stehen. Gut ein Viertel der Bestände hat damit begonnen, die Blätter abzuwerfen und signalisiert das Ende der generativen Phase. Gem. den Zahlen des letzten COT-Berichtes der Aufsichtsbehörde CFTC sitzen die Fonds derzeit auf einer Shortposition in der Sojabohne von 81.567 Kontrakten. In dieser Shortposition steckt möglicherweise preisliches Aufwärtspotential, wenn ein Umstand in die Preisbildung tritt, den man bislang nicht auf dem Zettel hatte. Die Deckungskäufe zum Schließen der Shortposition könnten den Preis am CBoT dann in die Höhe schnellen lassen.
 
Bislang begegnete der Markt den kalten Temperaturen im Mittleren Westen der USA mit Skepsis und befürchtete keine negativen Auswirkungen auf die Bohnenproduktion. Die jüngsten Mahnrufe einiger Pflanzenbauer angesichts einer bevorstehenden Kältewelle haben es derzeit wieder in die Nachrichtenagenturen geschafft und werden mit Emsigkeit verbreitet. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten und sehr genauen Blick darauf werfen, wie die Fonds mit ihren profitablen Shortpositionen umzugehen bereit sind. Die Rapspreise an der Matif verteidigten einmal mehr das Level von 320,- Euro und verzeichneten im November ein Plus von 2,- Euro. Der Schlusskurs lag bei 323,50 Euro/mto.

Sojaschrotentwicklung erfreulich schwach

Für die landwirtschaftlichen Leser haben wir angekündigt von Zeit zu Zeit einen Blick auf Sojaschrot werfen zu wollen. Die neuerntigen Sojaschrotpreise brachen ihren Aufwärtstrend Ende Juni und fielen in recht rascher Abfolge etwa 50,- US Dollar/shtton. Das Level von 340,- US Dollar stellte für den hier in Betrachtung stehenden Dezembertermin eine 10-wöchige Unterstützung dar. Erfreulicherweise ist diese bereits letzte Woche Dienstag zu Fall gebracht worden und der Markt verlor weitere 15,- US Dollar. Momentan ist der Trend klar abwärts gerichtet und wir wollen hoffen, dass veredelnde Landwirte im Zuge einer exzellenten Sojabohnenernte in den USA die Chance bekommen, auch das Schrot entsprechend günstig auf Termin einkaufen zu können.
 
Die Hoffnung auf weiter sinkende Preise ist derzeit vollumfänglich gerechtfertigt. Solange der Markt die Bohne tendenziell schwach sieht, sollte auch das Schrot entsprechend schwach gestimmt sein. Die US-Exporte im Monat August lagen beim Sojaschrot gem. den gestern veröffentlichten NOPA-Zahlen bei nur 263,44 tsd to. Das war ein Fünfjahrestief. Der einzige Schuss Wasser in den Wein ist der schwache Euro, der Sojaschrotimporte verteuert.

Weizen rettet gerade noch eben die 5,- US Dollar je Bushel-Marke

Der Dezembertermin schloss gestern am CBoT nach einem Minus von 1 ¾ cts/bu bei 5,00 ¾ US$/bu. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen 545,6 tsd Tonnen. In den USA blieb auch der Weizenhandel weitestgehend leblos. Auffallend waren natürlich die Verluste, die den Preis unter die Marke von 5,- US Dollar/bu haben fallen lassen. Dass der Weizenpreis in den USA unter die Marke von 5,- US Dollar/bu fiel, war insofern besonders schwach zu interpretieren, als dass die Saudis zu Wochenbeginn den Abschluss eines großen Geschäftes gemeldet hatten. Man buchte bevor Börseneröffnung 610 tsd Tonnen physischen Weizen. Die Herkünfte wurden mit Europäischer Union, Südamerika, Australien und Nordamerika angegeben. Möglicherweise war Nordamerika nicht die USA sondern Kanada. In diesem Falle wäre die preisliche Enttäuschung in den USA nachvollziehbar.
 
Nachbörslich meldete das USDA den Abschluss der US-Sommerweizenernte zu 74 %. In der letzten Woche hatte man 58 % gedroschen. Nunmehr geht es also auf die Zielgrade der US-Weizenernte. Die neue Winterweizenaussaat hat man in den USA zu 12 % ausgesät und liegt damit etwas oberhalb des Vorjahrestempos. SovEcon legte zu Wochenbeginn seine jüngsten Einschätzungen hinsichtlich der russischen Ernte vor. Die gesamte Getreideernte Russlands verbesserte man von 98 auf nun 104 - 106 mio Tonnen. 60 mio Tonnen davon entfallen auf Weizen. Zuvor ging man hier von 58 mio Tonnen aus. Beim westlichen Nachbarn Ukraine legte SSS eine Schätzung vor, die die Getreidebestände zum 1. September bei 23,4 mio to (16,4 Weizen, 4,3 Gerste und 1,3 mio to Mais). Im internationalen Geschäft konnten bzw. wollten die Südkoreaner ihren Tender über 26,9 tsd Tonnen Weizen für April-Mailieferung nicht abschließen. Offenbar waren ihnen die offerierten Partien zu teuer, sodass man von seinen Kaufambitionen Abstand nahm. Die Israelis legten zur fortgeschrittenen Stunde noch einen Tender für 35 tsd Tonnen Futterweizen auf, der im Zeitraum November-Januar zur Andienung kommen soll. Ergebnisse sind noch keine bekannt geworden.
 
Abseits politischer Erwägungen dürfte wohl die Schwarzmeerregion hier zum Zuge kommen. ABARES unterwarf seinen Weizenexportausblick für Australien einer Neubewertung und schraubte die Exporte von 18,66 auf 18,1 mio Tonnen herunter. Als Grund wurden die etwas zu trockenen Bedingungen genannt, die an der Ostküste Down Unders auf die Weizenproduktion drücken. Die EU bezifferte den durchschnittlichen Proteingehalt der deutschen Weizenernte mit 12,0 %. Im letzten Jahr konnten wir noch im Durchschnitt 12,7 % vorweisen. Die sehr guten Mengen haben zu Ausdünnungseffekten geführt, und vielerorts waren Spätdüngungen nicht mehr möglich. Das schwache Umfeld ließ auch die Matif nicht kalt. Es ging zu Wochenauftakt 1,25 Euro/mto bergab, und der November settelte bei 161,50 Euro/mto. Bedrohlich waren die Verluste der neuen Ernte 2015, denn die Handelsmonate September und Dezember 2015 verloren gegen Handelsende massiv an Boden. Der September büßte 3,- Euro/mto ein und settelte bei 172,75 Euro/mto.

Mais mit kleinem Zugewinn

Der Dezembertermin am CBoT schaffte gestern ein Plus von 4 ½ cts/bu und schloss bei 3,43 US$/bu. Die wöchentlichen US-Exportinspektionen lagen bei 741,2 tsd Tonnen. Die Mexikaner machten mit einem Geschäft aus sich aufmerksam, das weniger durch die Menge als vielmehr durch den Termin glänzte. Mexiko kaufte sich nämlich 120 tsd Tonnen US-Mais aus der Ernte 2015/16. Die Geflügelindustrie Mexikos ist bekannt dafür, dass sie sich frühzeitig um Maiseinkäufe bemüht. Aber mit diesem Tempo war man selbst in Mexiko selten unterwegs. Die neuerntigen Maispreise (Kampagne 2015/16) liegen am CBoT übrigens einen knappen halben US$/bu über denjenigen der jetzigen Saison. Nachbörslich bonitierte das USDA 74 % aller US-Maisbestände mit gut bis exzellent. Das war unverändert zum Vorwochenniveau und verhieß einmal mehr eine exzellente US-Maisernte. Die Maispreise an der Matif sind rettungslos verloren, gestern ging es 1,75 Euro im November hinab. Der Schlusskurs lag nur noch bei 138,50 Euro und damit unterhalb der 140,- Euro/to Marke.

Eurex umsatzarm

Die Veredelungskartoffel tanzte in der letzten Woche auf dem Level von 6,- Euro/dt und drohte mit Durchbruch. Am Freitag konnte sie dieses Szenario vorerst abwenden und durchatmen. Man stieg auf 6,50 Euro/dt an, obwohl es keine wirklich bedeutenden Nachrichten vom Kassamarkt gab. Der Wochenauftakt war gestern sehr umsatzschwach. Man brachte gerade einmal 30 Kontrakte Umsatz zuwege, und der Preis blieb bei 6,50 Euro/dt stehen. Das ist insgesamt eine nichtswürdige Handelstätigkeit, die wir weiter unkommentiert lassen müssen. Im Schweinesegment schaffte das schlachtreife Tier einen Kontrakt Umsatz im Septembertermin bei 1,570 Euro/kg. Das weiße Sortiment konnte durch die Butter gerettet werden. Hier wurden auf verschiedenen Terminen bei steigenden Preisen Umsätze erzielt.

Zuckerpreise drehen ins Minus

Die Einschätzung von letzter Woche Donnerstag, dass sich die globalen Zuckerpreise im freien Fall befänden war richtig, denn am Freitag gab es den nächsten dramatischen Einbruch zu beobachten. Die Preise fielen ungebremst ein Stockwerk tiefer. Zum Auftakt dieser Woche zeigte der Markt zwar Erholungstendenzen, aber diese waren nicht mehr als eine bedeutungslose Rückschnapprallye. Die Lebensdauer war entsprechend kurz, sodass der Markt drehte und weiter in den roten Bereich driftete. Der Oktobertermin in New York verlor schließlich 1 % und settelte bei 13,64 cts/Pfund.

Chinesische Daten schwach

Die chinesische Industrieproduktion ist im Monat August schwächer gewachsen als erwartet. Man wies das industrielle Produktionswachstum mit einem Plus von 6,9 % im Vergleich zum August 2013 aus. Das mag auf den ersten Blick beeindruckend erscheinen, aber diese Wachstumsrate ist die geringste seit Februar 2009 und liegt nebenbei bemerkt deutlich unter den Erwartungen der „Experten“, die für den abgelaufenen August ein Wachstum von 8,8% prognostiziert hatten. Investmenttätigkeit und Einzelhandelsumsätze lagen ebenfalls unter den Erwartungen und machten den Ausblick pessimistischer. Für das dritte Quartal des laufenden Jahres nahm man analystenseitig seinen BIP-Wachstumsausblick 7,5 auf 7,2 % zurück.

DAX und Co. seitwärts

Wir haben wieder einmal Orakelwoche und erwarten infolgedessen das nächste Statement der us-amerikanischen Notenbank FED. Hinter vor gehaltener Hand flüstert man sich zu, dass zu Beginn des nächsten Jahres die Zinsen in den USA wieder steigen könnten und zwar in einem ungewöhnlich hohen Maße. Man verweist in seinen Betrachtungen auf die Vergangenheit und meint in dem Umstand, dass vergangene Zinswenden mit entsprechend überraschend großem Umfang eingeläutet wurden, den Beweis in den Händen zu halten, dass dies dieses Mal ebenfalls geschähe. Für die Blinden und die Tauben noch ein allerletztes Mal: Ökonomie ist keine empirische Wissenschaft!!! Es geht nicht an, willkürlich irgendwelche Datenreihen zusammenzuschreiben und in einen äußeren Zusammenhang zu bringen und zu meinen, man hätte nun einen naturgesetzlichen Zusammenhang entdeckt.
 
Die zu erklärenden ökonomischen Phänomene sind allesamt das Resultat menschlichen Handels und dieses Handeln ist frei und unterliegt keinen Regelmäßigkeiten. Es gibt keine Mathematik menschlichen Handelns!!! Was wir aber ganz sicher wissen, ist der dramatisch hohe Verschuldungsgrad der USA, der sich auf allen Ebenen manifestiert. Im Falle einer substanziellen Leitzinserhöhung würde es umgehend Refinanzierungsengpässe geben, die sofortige Pleitewellen nach sich zögen. Der DAX trat gestern auf der Stelle und legte unbedeutende 8,50 Punkte und settelte bei 9659,63 Zählern. Der Dow Jones hatte am Abend 43,6 Punkte zugelegt und bei 17031,14 Zählern den Tag beendet. 
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