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Börsentelegramm

Agrarmärkte alles andere als weltmeisterlich

von , am
15.07.2014

© Kurt/pixelio
Die Franzosen hatten gestern ihren Nationalfeiertag und waren infolgedessen nicht am Markt. Das machte sich in Form geringerer Umsätze an der Börse in Paris bemerkbar.
 
In Übersee konnte man nach der Verlustserie der vergangenen zwei Wochen einmal durchatmen. Bohne, Mais und Weizen wurden von Schnäppchenjägern gekauft, die den Abwärtstrend wenigstens gestern einmal zum Stillstand brachten.

Sojabohne mit Rückschnapprallye

Die neuerntige Novemberbohne legte gestern 10 ½ cts/bu zu und settelte bei 10,86 ¼ US$/bu. Nach der schweren Verlustserie der vergangenen zwei Wochen wurde die neue Woche mit einer Rückschnapprallye begonnen. Offenbar meinten einige Teilnehmer, dass es nunmehr an der Zeit sei, den Markt mal wieder von der Longseite zu testen. Einen konkreten Anlass gab es nicht. Zwar lagen die wöchentlichen Exportinspektionen mit 115,3 tsd Tonnen über den Erwartungen, aber daraus ließ sich kein wirklich bullisches Argument formen, denn auf der anderen Seite des Marktes wirken Dinge wie der beste Saatenstand seit 20 Jahren und ein weiterhin nahezu perfekter Witterungsausblick für die Anbauzonen der USA.
 
Die leichte El Nino-Tendenz, die seit Monaten unterschwellig in der Erdatmosphäre wirkt, sorgt in der Regel für überdurchschnittliche Regenfälle im Mittleren Westen der USA. Hiervon profitieren Bohne und Mais. Insbesondere die Bohne kann hieraus Honig saugen und pflanzenbaulich entsprechend vorlegen. Wegen der vorteilhaften Wirkung eines El Ninos auf die Sojabohne nennt man den El Nino auch scherzhaft „El Beano“. Diesem Spitznamen wird er derzeit mehr als gerecht.
 
An der Matif machte man gestern einen unbedeutenden Verlust von 0,50 € und settelte bei 332,-€/to.

Weizen zeigt Gegenreaktion

Der Septembertermin am CBoT legte gestern 12 ¾ cts/bu zu und schloss bei 5,38 ½ US$/bu. Auch die Weizenbullen fühlten zum Wochenauftakt neue Kraft durch Nerv und Ader rinnen. Man wagte sich aus der Defensive etwas hervor und attackierte den Markt von der Longseite her. Offenbar war man der Ansicht, dass es mit den fallenden Preisen nun auch einmal gut sei und man wieder einmal kaufen müsse.
 
Ein jeder charttechnische Preisboden fängt mit diesem Stimmungsumschwung an, und wir wollen an dieser Stelle eine etwaige Bodenbildungstendenz nicht kaputt reden, aber in den letzten beiden Wochen ist derart viel Porzellan zerschlagen worden, dass es mehr braucht als einen Augenblick des Stimmungswechsels. Es wird kein einfacher Boden werden, den der Markt da zu vollziehen hat. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei 377,5 tsd Tonnen und damit innerhalb der Markterwartung. Infolgedessen müssen wir sie in ihrer Wirkung als preisneutral einstufen.
 
Nachbörslich erschienen die Crop Ratings vom USDA. Der Sommerweizen in den USA steht nach wie vor zu 70% in gut bis exzellentem Zustand auf den Feldern. Die US-Winterweizenernte ist zu fast 70% beendet. Das USDA hatte vergangenen Freitag die Durchschnittserträge leicht angehoben.
 
Die Syrer hatten vor einigen Wochen dem Irak Weizen verkauft, der im Juni zur Abnahme stand. Die politischen Unruhen im Irak im Zuge der ISIS-Rebellion haben es aber bislang unmöglich gemacht, die 200 tsd to Weizen abzuholen. Syrien hat wegen der schwierigen Lage eine Fristverlängerung eingeräumt, die sich bis Ende Juli erstreckt. Ob das ausreicht, wird man sehen, denn die vorliegenden Probleme sind wohl nicht rasch aus der Welt zu schaffen.
 
Die FAO legte gestern eine Schätzung hinsichtlich der langfristigen Marktentwicklung beim Weizen vor. Die Experten der Vereinten Nationen beurteilten den Ausblick der russischen Produktion bis zum Jahre 2023 sehr positiv. Russland würde sich bis dahin hinter den USA und Kanada zum drittgrößten Weizenexporteur der Welt mausern. Die politische Situation zwischen der Ukraine und Russland ist alles andere als dauerhaft geklärt. Beide Seiten bezichtigen sich gegenseitig, unangebrachte militärische Operationen durchzuführen und warnen vor einer Eskalation des Konfliktes. Die USA scheinen nun schon seit Wochen das Interesse an der Ukraine verloren zu haben, oder finden in der EU (bzw. Deutschland) keinen adäquaten Bündnispartner, um die erwünschten Sanktionsverschärfungen fortführen zu können. Am Wochenende warfen die Russen den Ukrainern vor, auf ihrem Staatsgebiet ein Dorf bombardiert zu haben. Die Situation ist derart verfahren und undurchsichtig, dass man nur eines mit Sicherheit sagen kann. Der Konflikt ist alles andere als beigelegt und selbstverständlich können jederzeit Folgen eintreten, die das Potential haben, auch die Getreidemärkte massiv zu beeinflussen.
 
An der Matif war von einem Stillstand des Abwärtstrends nichts zu sehen. Die Notierungen krachten ein Stockwerk tiefer und gaben die äußerst wichtige 180,-er-Marke an die Bären ab. Bei einem Umsatz von über 30 tsd Kontrakten (trotz Abwesenheit der Franzosen) verzeichnete der Novembertermin ein Minus von 1,75 € und schloss bei 178,75 €/mto.

Mais mit etwas Stärke

Der Dezembermais am CBoT legte gestern 4 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,88 ¼ US$/bu. Auch bei Mais gaben die Bullen gestern ein Lebenszeichen von sich und trieben den Preis etwas in die Höhe. Nicht mehr und nicht weniger! Die Crop Ratings des USDA sahen eine weitere Verbesserung von 1%. Nunmehr stehen 76% aller US-Maisbestände gut bis exzellent auf dem Acker und verheißen Spitzenerträge. Summa summarum ist der Kern der Marktsituation ungeachtet kleinerer Preisbewegungen gleich geblieben. Diese Aussage sollte man nicht durch untergeordneten Firlefanz einiger wichtigtuerischer Analysten verwässern. Der Novembertermin an der Matif büßte 1,25 €/mto ein und settelte bei 162,50 €/mto.

Eurex klettert nordwärts

Zu Wochenbeginn konnte sich die Veredelungskartoffel von ihrer starken Seiten zeigen und preislich zulegen. Der Apriltermin 2015 verzeichnete einen Zugewinn von immerhin 0,40 €/mto und settelte bei 9,90 €/dt. Die Umsatztätigkeit war mit 111 Kontrakten aber eher zurückhaltend. Der Kassamarkt hatte noch vergangene Woche Freitag preisdämpfende Signale gegeben, die Börsennotierungen konnten sich dieser Entwicklung gestern entgegenstemmen. Der pflanzenbauliche Zustand der Kartoffel dürfte sich in den letzten Tagen kaum verändert haben, sodass wir hierin keinen Grund erblicken können, die Zugewinne an der Börse zu erklären.
 
Im Schweinebereich wurde der vordere Termin (Juli 2014) bei 1,685 €/kg genau einmal umgesetzt. Das Ferkel konnte sich leider nicht anschließen und blieb ungehandelt. Das weiße Sortiment blieb ungehandelt. Niemand konnte oder wollte Interesse bekunden.

Zucker leicht fester

Die internationalen Zuckernotierungen neigten gestern zur Festigkeit. In der letzten Woche hat man im Zuge marktübergreifend fallender Agrarpreise an Boden verloren und den unteren Rand seiner Seitwärtszone gebrochen. Im Zuge der sinkenden Preise haben die Fonds ihre Nettolongposition um 1942 auf nun 2589 lots reduziert, Stand: letzte Woche Dienstag. Die zum Ende der letzten Woche gefallenen Kurse deuten daraufhin, dass sich diese Entwicklung weiter fortgesetzt hat.
 
Die Rabobank hat sich in einem Statement der Meinung anderer Analysten angeschlossen und meint nun, dass sich der globale Zuckermarkt auf eine Versorgungsdefizit zu bewegt, das durch Bestandsabbau aufgefangen werden muss. Kingsman SA und Czarnikow Group Ltd. äußerten sich kürzlich mit ähnlich lautenden Statements.

DAX freundlich

Der deutsche Aktienmarkt in Frankfurt eröffnete die neue Woche freundlich. Gute Unternehmensdaten der Citigroup und die Aussicht auf andere positive Geschäftsberichte aus der Bankenbranche belebte vor allem die Wall Street. Hierzulande gelang es aber auch, Zugewinne zu verzeichnen. Der DAX legte 116,67 Punkte zu und settelte bei 9783,01 Zählern.

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