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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Alles dabei

von , am
16.12.2014

Die weltweiten Agrarmärkte hatten zu Wochenauftakt keine einheitliche Linie.

© oekolandbau.de
 
Die weltweiten Agrarmärkte hatten zu Wochenauftakt keine einheitliche Linie. Von signifikanten Zugewinnen bis hin zu signifikanten Verlusten war alles dabei. An der Chicagoer Börse legten die Getreidenotierungen deutlich zu. Sowohl Weizen als auch Mais konnten wichtige Widerstände durchstoßen. Die Bohne wurde von schwachen Verarbeitungszahlen belastet und gab preislich nach.
 
Sojabohne im Minus
Die Januarbohne verlor gestern 10 ¼ cts/bu und settelte bei 10,37 US$/bu. Der us-amerikanische Ölmühlenverband NOPA legte gestern die Verarbeitungszahlen seiner Mitglieder für den Monat November vor. Die verbandlich organisierten Mühlen schlugen insgesamt 160,145 mio Scheffel Sojabohnen. Obwohl die Zahl ganz ordentlich daher kam, lag sie unter den Erwartungen von 165,4 mio Scheffel. Im Oktober hatte man 157,96 mio Scheffel verarbeitet. Die Sojaölbestände veranschlagte man mit 1,0 Mrd. Pfund, was ebenfalls unter den Erwartungen von 1,156 Mrd. Pfund gelegen hat. Die Schrotexporte beliefen sich auf knapp 835 tsd Tonnen, was sehr deutlich über dem Vormonatswert von 708 tsd to lag. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen mit 1,82 mio Tonnen auf ansprechenden Niveaus, konnten aber den Negativtrend des Tages nicht umkehren. AgRural sieht die Bohnenaussaat in Brasilien nun zu 96% abgeschlossen. In der letzten Woche hatte man 92% im Boden, sodass der Fortschritt 4% betrug.
 
Die Bedingungen in Südamerika sind derzeit bestens, sodass nicht der geringste Anlass zur Sorge besteht. Mit derartigen Startbedingungen konnte man in den vergangenen Jahren nicht aufwarten. An der Matif legten die Kurse sehr ordentlich zu. Der Februartermin packte 5,25 €/to drauf und schloss bei satten 348,- €. Aus charttechnischem Blickwinkel sind die Zugewinne doppelt bedeutsam, weil bei 346,- € die 200-Tagelinie liegt, und diese nun nach oben hin durchstoßen wurde. Das Anschlussmomentum in Richtung Norden kann uns nach einem derart wichtigen Ereignis nicht überraschen. Wenn man den Markt streng charttechnisch beurteilen möchte, kommt man nicht umhin festzustellen, dass der Weg bis 360,- € nunmehr frei ist. Allerdings muss sich die 200-Tagelinie als feste Unterstützung erweisen.
 
Weizen: Russen sind das große Fragezeichen
Der Märzweizen konnte am CBoT gestern pralle 12 ½ cts/bu zulegen und bei 6,19 US$/bu schließen. Nach wie vor hält die Unsicherheit über das russische Exportpotential den Weizenmarkt in Atem. Die Russen scheinen sich ernsthaft mit einer Limitierung der Weizenexporte zu befassen und suchen nach WTO-konformen Wegen. Der internationale Markt ist in seiner Erkenntnistiefe mittlerweile soweit vorgedrungen, dass er begriffen hat, dass eine Reduktion der Schwarzmeerexporte eine sofortige Nachfragesteigerung an anderer Stelle bedeutet. Hier kommen zuvorderst die Europäer ins Spiel, und die haben trotz allen Gefasels über eine Spitzenernte immer noch eine der knappsten Versorgungsbilanzen aller Exporteure.
 
Infolgedessen muss eine ausgeprägte intrinsische Reaktionsbereitschaft auf positive Preissignale von außen bestehen. In Übersee löst die Diskussion über Russland weiteres Shortcovering aus, das die Preise stützte. Besonders auffällig war der Schlusskurs oberhalb der 200-Tagelinie. Das kasachische Agrarministerium bezifferte die bisherigen Getreideausfuhren der laufenden Kampagne mit 3,05 mio Tonnen. Im letzten Jahr hatte man zu diesem Zeitpunkt 3,97 mio to außer Landes geschafft. An der Matif legte der Januartermin 2,- € zu und settelte bei 191,75 €. (Leider können wir aus Zeitgründen das Thema Russland, Rubel und Weizen nicht in angemessener Weise würdigen. Die Ausführungen wären einfach zu lang)
 
Mais über 4,- US$
Der Märzmais konnte am CBoT den Durchstoß durch die Marke von 4,- US$/bu, den wir bereits am Freitag gesehen haben, weiter zementieren. Man packte ½ ct/bu drauf und settelte bei 4,08 US$/bu. Der Grund für die Festigkeit ist eine Anhebung der „Prevented Plantings“, also eine Ausdehnung derjenigen Fläche, die man im Frühjahr nicht mehr hat mit Mais bestellen können. Was nicht bestellt werden konnte, kann auch nicht geerntet worden sein. Man fürchtet nun, dass das USDA in seiner zukünftigen Statistik auch die geerntete Fläche zurücknehmen wird. Das würde zu einer geringeren als bislang angenommenen Erntemenge 2014 führen. Warten wir´s ab, was das USDA tun wird. Die Ukraine meldete den Abschluss der Getreideernte zu 99%. Damit ist die Ernte praktisch zu Ende gebracht. Die Gesamterntemenge wurde mit 64,2 mio Tonnen angegeben.
 
Vereinzelt mögen noch die letzten Reste nicht gedroschener Maisbestände im Feld stehen, aber statistische Bedeutung haben diese nicht mehr. Die bisherigen Maisexporte des Landes bezifferte das Ministerium mit 5,0 mio Tonnen. Mit dieser Menge liegt man ganz ordentlich im Zeitplan, aber es sind auch Probleme am Horizont auszumachen. Es hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, dass die Ukraine ihren gegenüber China eingegangenen Lieferpflichtungen nicht nachkommen könne. Das Reich der Mitte hatte der Ukraine Kredite gewährt und erwartet jährliche Rückzahlungen in Naturalien. 1 mio Tonnen Mais stehen bis Ende Februar auf der Rechnung, und China wird wohl auf Zahlung bestehen. An der Matif zog man deutlich an und ließ die Marke von 165,- € im Junitermin weit hinter sich. Der Schlusskurs betrug 167,75 €/mto.
 
Lockern die Chinesen GMO-Regelungen beim US-Mais?
Noch in der Nacht zum Montag tauchten im Markt Gerüchte auf, dass die Chinesen ihre Maisimportregelungen lockern könnten bzw. dies bereits getan hätten. Konkret geht es um den Genstamm MIR 162 beim Mais, eine Sorte von Syngenta. Die Chinesen hatten diesen Genstamm explizit von der Liste genommen, aber in den vergangenen Jahren immer wieder Verunreinigungen in Maispartien aus den USA gefunden. Zuletzt hatte man sogar die Zulassungsbeschränkungen auf Trockenschlempe aus der Ethanolherstellung (DDG´s) ausgedehnt. Obwohl noch keine offiziellen Stellungnahmen vorliegen, verdichten sich hinsichtlich dieser Thematik nun die Entspannungssignale. Die Chinesen befinden sich in dieser Woche in den USA. Eine chinesische Delegation trifft Vertreter von Regierung, Börsen und Agrarindustrie. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Chinesen als Geste des Guten Willens neben großen Kontraktabschlüssen auch MIR 162 genehmigen.
 
Zucker bricht Erholung ab
Die globalen Zuckerpreise hatten in der letzten Woche zur preislichen Erholung angesetzt. Diese war aber nur von kurzer Dauer, denn bereits vergangenen Freitag markierten die Preise tatsächlich neue Kontrakttiefs. Der Märztermin an der New Yorker Börse fiel erstmalig in seiner Handelszeit unter die Marke von 15 cts/Pfund. Damit wurde die Erholung abgebrochen und der Abwärtstrend wieder aufgenommen. Das spekulative Interesse auf der Longseite wurde im Zuge dessen wieder graduell abgebaut. Die Indonesier sind derzeit dabei, eine Bestandsaufnahme ihrer Zuckervorräte durchzuführen. Abhängig von den Ergebnissen wird die Regierung eine zollfreie Importquote festlegen. Verschiedene Stellungnahmen deuten auf etwas unter 3 mio to hin. Die Getränkeindustrie fordert zwar mehr, dürfte sich aber wohl mit ihren Begehrlichkeiten nicht durchsetzen. Die innewohnende Preisschwäche wurde gestern mit einem Schlusskurs von 14,96 cts/Pfund ein weiteres Mal offenbar.
 
Eurex-Kartoffel ohne Dampf
Die Preise für die Veredelungskartoffel bewegten sich zu Wochenbeginn nach oben. Der Handel lässt sich mit 76 Kontrakten nicht als belebt bezeichnen, dennoch gab man ein Lebenszeichen von sich. Am Ende der Sitzung entschieden sich die Preise für das positive Terrain und legten 0,20 €/dt zu. Der Schlusskurs lag bei 4,70 €/dt. Das Hin und Her in der Kartoffel hat nichts zu sagen, und fällt in die Kategorie marktüblicher Tagesschwankungen. Vom Kassamarkt kommt ohnehin kein neuer Einfluss. Hier stehen die Zeichen weiterhin klar auf Baisse. Im Schweinebereich war alles tot. Ferkel und Mastschwein blieben ohne leider Umsatz. Das weiße Sortiment schloss sich der trüben Stimmung an und handelte ebenfalls nicht.
 
Robert Theis
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