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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Amerikaner melden sich zurück!

von , am
22.01.2014

Das USDA schätzt die Sojabestände um sieben Prozent größer ein als Analysten erwartet hatten. © landpixel
Die Amerikaner meldeten sich gestern nach ihrem langen Feiertagswochenende wieder zurück. In Chicago herrschte tendenziell eine gedrückte Stimmung vor, wobei die Bohne heftig nachgeben musste. Insbesondere die südamerikanische Witterung wurde als Grund hierfür herangezogen.

Bohne schmiert ab

Die Sojabohnennotierungen am CBoT starteten ihre Handelswoche nach dem Feiertag in den USA gestern mit heftigen Verlusten. Die Märzbohne verlor gestern am CBoT satte 36 cts/bu und schloss bei 12,80 ½ US$/bu. Im wesentlichen waren es zwei Faktoren, die die Bohne gestern zu Fall brachten: Übers Wochenende hatte es in weiten Teilen Argentiniens auskömmliche Regenfälle gegeben. In den Wetterberichten sprach man von landesweiter Niederschlagsabdeckung von 60%.
 
Im Süden Brasiliens sah es schlechter aus, denn es wurde nur örtlich von Schaueraktivität berichtet; von flächendeckendem Regen war nicht die Rede. Die Wettervorhersagen sehen hier aber eine Verbesserung in dieser Woche eintreten. Aus landwirtschaftlichem Blickwinkel sei hierzu angemerkt, dass die Bodenfeuchtereserven derzeit nicht bedrohlich knapp sind, sodass man durchaus eine kleine Weile ohne Niederschläge auskommen kann. Es gibt derzeit keinen Grund, an den großen prognostizierten Sojabohnenmengen in Brasilien und Argentinien zu zweifeln, denn es ist weit und breit kein Wettermarkt am Horizont auszumachen! Celeres sieht übrigens die brasilianische Ernte 2013/14 derzeit zu 41,7% vorvermarktet. Etwa 1% der Gesamtmenge habe man mittlerweile geerntet.
 
Der andere Faktor, der gestern wie ein Blitz in den Sojabohnenmarkt einschlug, waren Gerüchte um Stornierungen seitens Chinas. Die Chinesen hätten mindestens drei Schiffe Sojabohnen us-amerikanischer Herkunft storniert und in Südamerika eingekauft. Das war Gift für den Chicagoer Handel. Obwohl es für derartige "Umbuchungen" noch etwas früh ist, dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass die Chinesen eine sich bietende Gelegenheit genutzt haben, Ware billiger einzukaufen.
 
Die Meldungen über weitere Vogelgrippefälle in China, die übers Wochenende gemeldet wurden, spielten vielleicht auch eine kleine Rolle in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Viel berichtet wurde hierüber allerdings nicht.
 
In Paris konnten sich die Rapsnotierungen vergleichsweise gut behaupten, allerdings wurde diese auch seit dem Sommer letzten Jahres brutal ausverkauft. Manch einer sieht zarte Anzeichen einer preislichen Bodenbildung bei kanadischer Rapssaat in Winnipeg und hofft, dass die Pariser Saat hiervon profitieren könnte. Es ist schwer zu sagen, ob das gelingt; die Bodenbildungsanzeichen sind jedoch nicht zu leugnen. Der Maitermin in Paris verlor gestern 0,50 € und settelte bei 355,75 €/mto. Es ist derzeit viel über die Wichtigkeit der Preismarke von 360,- € im Februartermin zu lesen, die gestern verloren ging (Schluss: 359,- €). Die charttechnische Bedeutsamkeit lässt sich nicht leugnen, aber es ist nun einmal so, dass der Februartermin keine maßgebliche Größe mehr für den Rest der Kampagne sein kann, weil er schlicht und ergreifend bald an sein Laufzeitende stößt. Der Maitermin notiert nicht nur rein zahlenmäßig schwächer, sondern er präsentiert sich auch seit Wochen charttechnisch deutlich fragiler.

Weizen auf der Stelle

Die internationalen Weizenmärkte konnten im gestrigen Tagesverlauf etwas Stärke generieren, da die Chinesen ankündigten, 200 tsd Tonnen kaufen zu wollen. Das Kaufinteresse kann sich durchaus auch an die USA richten, obschon die Australier Haus- und Hoflieferant der Chinesen sind. Am Ende der Chicagoer Sitzung hatte der Märztermin dennoch 1 ¼ cts/bu verloren und schloss bei 5,62 ¼ US$/bu. Die amerikanischen Exportinspektionen lagen bei 15,6 miobus und stellten damit kein wirkliches Glanzlicht dar. Die Japaner zogen es vor, ihre benötigten 50 tsd Tonnen Qualitätsweizen aus Kanada zu beziehen.
 
In Paris konnten sich die Notierungen etwas aufbäumen. Der vordere Märzkontrakt legte 1,50 €/to zu und settelte bei 192,25 €/mto.

Mais rettet Plus

Der Märztermin am CBoT legte gestern trotz heftiger Bohnenverluste 1 cts/bu zu und settelte bei 4,25 US$/bu. Der Markt begann seine Sitzung ebenfalls im negativen Bereich, da die argentinischen Regenfälle nicht nur die Bohnen-, sondern auch die Maisproduktion positiv beeinflussen. Gegen Sitzungsende hin konnte sich der Markt aber berappeln und drehte ins Plus. Die US-Nachrichtenlage lässt sich auf die Exportinspektionen in Höhe von 29,8 miobus begrenzen, was keinen Hammerschlag darstellte.
 
Die chinesische Zollbehörde hat in der Nacht auf Dienstag Zahlen herausgegeben, die Erwähnung finden sollten. Im letzten Dezember betrugen die Maiseinfuhren des Reichs der Mitte 637 tsd Tonnen und lagen damit knapp 20% unter den Novemberimporten. Im Vorjahresvergleich (Dezember 2012) stellt die Zahl aber immernoch einen Mengenzuwachs um 167% dar. Die Thematik um die nicht zugelassenen Genstämme in us-amerikanischen Maislieferungen hat wohl zu dem Rückgang geführt. Der bedeutendere Punkt liegt aber im Jahreszuwachs von fast 170%, der verdeutlicht, dass die Chinesen trotz ihrer ausgewiesenen angeblichen Rekordernte von ca. 215 mio to nicht an Importen vorbei kommen.
 
Die Israelis starteten einen Einkaufstender für 90 tsd Tonnen Mais, wobei erst einmal keine näheren Angaben gemacht wurden. Die Menge ist für Israel sicherlich ganz ansehnlich, spielt aber inmitten der Importmengen von Südkorea, Japan und China nur eine tagesbedeutsame Rolle. Safras hat in seiner jüngsten Schätzung die brasilianische Maisernte 2013/14 mit 75,6 mio Tonnen ausgewiesen. Im letzten Jahr konnten die Brasilianer noch über 82 mio Tonnen ernten.
 
An der Matif in Paris stiegen die Maisnotierungen etwas an. Der März legte 1,25 € drauf und schloss bei 173,50 €. 

Kartoffel gibt Vortagesgewinne ab

Bei einem Gesamtmarktumsatz von genau 200 Kontrakten hat der April 2014-Termin gestern die Gewinne vom Montag wieder an die Bären abgegeben. Man büßte 0,60 €/dt ein und schloss bei 15,70 €/dt. Vom Kassamarkt gab es nichts zu berichten, außer von ruhigem Geschäft. Vereinzelt wurde von Angebotszunahme berichtet, die örtlich für Preisdruck sorge. Im weißen Sortiment schaffte die Butte sowohl im April- als auch im Maitermin einen Umsatz von je 5 Kontrakten. Die gehandelten Preise waren 3650 €/mto und lagen damit 75,- €/to unter Vortagesniveau. Im Schweinebereich gab es kein Handelsinteresse zu beobachten. 

DAX nach Allzeithoch nur kleines Schlussplus

Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit Sitz in Mannheim trieb gestern seine Sau durchs Dorf und veröffentlichte seinen ZEW-Index. Der Index wird basierend auf Befragungen von Analysten und institutionellen Anlegern erstellt und soll die Erwartungshaltung des Marktes in Bezug auf Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung wiedergeben. Was man derartigen Indexspielchen halten soll und welche Bedeutung man ihnen beimessen will, muss jeder selbst für sich entscheiden. Es wäre nicht der erste nutzlose Index, der gedankenlos in die Welt hinausposaunt wird, mit dem Ziel, seine Urheber wichtig zu machen.
 
Jedenfalls konnte der DAX gestern die Vortagesverluste vergessen machen und stieg an. Die Sorgen um die schwachen Zahlen der Deutschen Bank waren Schnee von gestern, und man klammerte sich in seinem blinden Optimismus an den ZEW-Index, dessen Entwicklung zwar hinter den Hoffnungen zurück blieb, aber auf hohen Niveaus verharrte. In China hat die Notenbank erneut dem maroden Bankensektor mit Liquiditätsspritzen unter die Arme greifen müssen, um einen Stillstand im Interbankengeldmarkt zu verhindern! Die Zinssätze eskalierten zwar nicht wie Ende letzten Jahres, aber sie befinden sich auf nicht systemverträglichen Niveaus.
 
Summa summarum war man in Frankfurt eher der Kaufseite zugetan, was unserem DAX schließlich ein Plus von 14,22 Punkten bescherte. Schluss: 9730,12 Zählern.

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