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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Bären fletschen die Zähne!

von , am
30.01.2014

© landpixel
Am CBoT rissen gestern die Bären die Regentschaft an sich. Weizen führte die Verluste an, dicht gefolgt von der Bohne. Diese Negativperformance beeindruckte den Mais, der ebenfalls Federn lassen musste. Zucker und Orangensaft gebärdeten sich ähnlich schwach.
 
Im agrarischen Bereich konnten Kaffee, Baumwolle und die Fleischprodukte leichte Zugewinne verzeichnen. Rohöl trat mehr oder weniger auf der Stelle; Finanzmärkte neigten klar zur Schwäche und strahlten mit ihren Verlusten auf so manchen Rohstoffmarkt ab!

Bohne schwach

Die Märzbohne verlor gestern 16 ¼ cts/bu und schloss bei 12,69 ¼ US$/bu. Einerseits lasteten die Verluste im Weizen auch auf Bohne und Mais, andererseits drückte das sehr freundliche Wetter in Argentinien direkt auf die Bohne. Der Attache des us-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) in Brasilien hat die Sojabohnenernte des südamerikanischen Agrargiganten von 89 auf 89,5 mio Tonnen herauf gesetzt. Die Exporte des Landes werden seitens des Ministerialbeamten bei 46 mio to gesehen, was 2 mio to über seiner letzten Einlassung liegt. Es stellt sich in Bezug auf Brasilien natürlich die Frage, ob der brasilianische Farmer nicht auch den Weg seines südlichen Nachbarn einschlagen wird und infolge einer immer schwächer werdenden heimischen Währung (bras. Real) lieber im Warenbesitz bleibt. Sollte diese Fall eintreten, dürften sich die prallen Exportaussichten auch graduell für Brasilien eintrüben. Diese mögliche Entwicklung sollte man im weiteren Verlauf der Kampagne im Hinterkopf haben.
 
Der Hamburger Branchendienst Oil World berichtet über logistische Probleme in Kanada. Die Güterwaggons seien mittlerweile Mangelware, sodass der zur Verfügung stehende Frachtraum auf der Schiene nicht mehr ausreiche, um die benötigten Mengen Canola (kanadische Rapssaat) an die Häfen zu bugsieren. Die Folge seien ansteigende Inlandsbestände auf nun 3,0 mio to. Zum Vergleich, im letzten Jahr blieben in Kanada nur 610 tsd to Canola übrig. Die europäischen Rapsnotierungen an der Pariser Börse beendeten den gestrigen Tag ohne wesentliche Kursverschiebungen. Der Maitermin gab 0,25 € nach und schloss bei 357,75 €/mto.

Weizen: Chicago bricht Unterstützung

Der Märzweizen am CBoT verlor gestern üppige 14 ½ cts/bu und settelte bei 5,51 ½ US$/bu. Nachdem man in Chicago die Marke von 5,60 US$/Scheffel durchbrochen hatte, stieg das Abwärtsmomentum rapide an, und der Markt fiel wie ein Stein. Es gab weit und breit keine bullischen Nachrichten, die das Blatt hätte wenden können.
 
Mittlerweile erscheinen immer wieder Zahlen, die unsere oft kommunizierte Behauptung bestätigen, dass China zum strukturellen Importeur von Getreide werden wird. Das von China angestrebte Ziel der Selbstversorgung im Getreidesektor ist nicht zu erreichen, sodass wir in Zukunft Jahr für Jahr steigende Importe sehen werden. Der jüngste Schlag in diese Kerbe kommt nun von den Vereinten Nationen.
 
Der agrarische Arm (FAO) der UN bezifferte die Getreideimporte Chinas im laufenden Zyklus 2013/14 mit 19,7 mio to, was ca. 80% über den letztjährigen Importen liegt. Die Weizeneinfuhren des Landes sollen 7,5 mio to betragen; 3 mio to mehr als im letzten Zyklus. Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Chinesen in 2013/14 mit über 120 mio to wieder eine neue Rekordernte eingefahren haben wollen. Aber wir bezweifeln seit mittlerweile 6 Jahren die Richtigkeit der statistischen Blendgranaten aus dem Reich der Mitte und ziehen es vor, bei der Bewertung Chinas auf deren Aktionen im internationalen Markt zu schauen, um Rückschlüsse auf die heimische Lage vor Ort wagen zu dürfen.
 
Nachdem durch die veränderten Qualitätsbedingungen im jüngsten Ägyptentender der französische Weizen an wettbewerbsfähiger Attraktivität verlor, machte er sich automatisch anfällig für Abwärtssignale aus dritter Richtung. Der Durchbruch durch die 5,60er US$-Unterstützung in Chicago stieß mit Macht in die tags zuvor geschlagene Bresche und nagelte den Pariser Notierungen gestern den Deckel auf den Sarg.
 
Die Kurse gaben auf allen Terminen kräftig nach. Der Märztermin 2,75 € ein und schloss bei 190,- €/mto glatt.

Mais von Weizen belastet

Der Märzmais am CBoT büßte gestern 4 ½ cts/bu ein und schloss bei 4,27 ½ US$/bu. Insbesondere die fallenden Weizennotierungen im Nachbarpit verhagelte dem Mais gestern die Petersilie. Zwar hält der us-amerikanische Farmer derzeit an seiner Ware fest und wartet lieber auf eine Rallye, die er dann zum Verkaufen nutzen kann, aber der bärische Einfluss der Weizenflanke war zu groß. Die Logistik in den USA ist durch die extreme Kälte weiterhin gehemmt. In Paris verlor der Märzmais 1,50 und settelte bei 171,75 €/mto.

Kartoffel lebhaft gehandelt

An der Frankfurter Eurex wurde die Veredelungskartoffel auch am gestrigen Mittwoch durchaus rege gehandelt. Auf den Apriltermin 2014 entfielen 223 Kontrakte. Der Preis verlor allerdings weitere 0,20 €/dt und schloss bei 14,50 €/dt. Der Kassamarkt blieb inhaltlich leer und konnte mit keinen Neuigkeiten glänzen. Mit 16 Kontrakten Gesamtumsatz war auch im Schweinemarkt ein durchaus aktiver Handelstag zu beobachten. Besonders der vordere Februar konnte dank seines baldigen Laufzeitendes einen üppigen Umsatz von 12 Kontrakten verzeichnen. Der Preis geriet allerdings stärker unter Druck und gab 0,080 €/kg nach. Die hinteren Termine waren ebenfalls abschlägig.
 
Das Februarferkel gab ebenfalls ein Lebenszeichen von sich und wurde genau einmal bei 56,- €/Stk. gehandelt. Das entsprach einem Plus von 0,50 €/Stk. Das weiße Sortiment konnte dieser Entwicklung nicht folgen und blieb leider unangetastet.

Dax von Währungsturbulenzen beeindruckt

Die Kauflaune der Deutschen ist auf einem Sechsjahreshoch angelangt, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg. Im Verbund mit den steigenden Zinsen in der Türkei (die türkische Notenbank hatte einen drastischen Zinsschritt unternommen) lagen damit ausreichend Gründe an der Börse vor, um die Kurse erst einmal nach oben zu treiben. Der türkische Zinsschritt ist von fast allen Seiten positiv bewertet und kommentiert worden. Es ist aber noch nicht lange her, als die gleichen Analysten jede Zinssenkung auf der Welt mit Hurrarufen bejubelten. Nun, da die Währungen kollabieren und die Zinsen wenigstens in der Türkei angefangen haben zu steigen, stellen sich die gleichen Analysten vor die Kamera und feiern mit gleicher Euphorie die Wende in der Zinspolitik in einigen Schwellenländern (zuvorderst Türkei).
 
Mit einem dümmlichen Grinsen im Gesicht, das so falsch ist, wie die Bilanz der Bank für die sie arbeiten, wird im Zustand vollkommener Unkenntnis wieder einmal alles, was es auch immer sein mag, in schillernden Farben dargestellt. Dass man hierbei mit sich selbst in Widerspruch gerät, spielt keine Rolle; auf eine Widersprüchlichkeit mehr oder weniger kommt es ohnehin nicht mehr an. Das hat wirklich langsam die propagandistische Form einer Zeit angenommen, an die sich die Deutschen nur ungern erinnern.
 
Der Dax in Frankfurt ließ sich nicht lange blenden und gab die Zugewinne wieder ab, um im Anschluss beschleunigte Talfahrt aufzunehmen. Den wichtigeren Faktor erwartete man ohnehin erst am Abend nach Handelsschluss, denn die US-Notenbank stand mit ihrem Sitzungsprotokoll auf der Agenda. Vorher schloss man in Frankfurt aber erst einmal mit einem Verlust von 70,18 Punkten und wies am Feierabend einen Indexstand von 9336,73 aus. Schließlich war es dann soweit, der scheidende US-Notenbankchef setzte zu seiner letzten Rede an und verkündete einen weiteren Tapering-Schritt. Die Schrottpapieraufkaufprogramme werden um weitere 10 Mrd. US$/Monat zurückgefahren. Anstatt für 75 sollen zukünftig „nur noch“ für 65 Mrd. US$ Papiere fragwürdiger Bonität in die Bücher genommen werden.
 
Offensichtlich verfolgt Ben Bernanke die Absicht, sich zum Ende seiner Amtszeit mit einem Quantum „Seriosität“ zu verabschieden, um als derjenige in die Geschichtsbücher einzugehen, der die Wende der ultralockeren Geldpolitik einzuleiten versucht hat. Man muss aber kein Genie sein, um vorherzusagen, dass seine Nachfolgerin Janet Yellen beim Auftauchen des ersten Problems den Geldhahn sofort wieder aufdrehen wird, um die ausufernden Staatsausgaben der USA zu finanzieren. Das ist nur eine Frage der Zeit. Als Obama noch Senator war… Als der jetzige US-Präsident Barack Obama noch Senator von Illinois war, war er mit einem bemerkenswerten Statement in der Opposition gegen die ausufernde Staatsverschuldung seines präsidialen Amtsvorgängers.
 
Die Worte von damals hallen uns noch im Ohr: "The fact that we are here today to debate raising America's debt limit is a sign of leadership failure. It is a sign that the US Government cannot pay its own bills. It is a sign that we now depend on ongoing financial assistance from foreign countries to finance our Government's reckless fiscal policies. Increasing America's debt weakens us domestically and internationally. Leadership means that, 'the buck stops here.' Instead, Washington is shifting the burden of bad choices today onto the backs of our children and grandchildren. America has a debt problem and a failure of leadership. Americans deserve better." Senator Barack H. Obama, March 2006

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