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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Bärentatze schlägt zu

von , am
28.05.2014

An der Matif in Paris verliert der Weizen 2,50 Euro auf 200,25 Euro je Tonne. Der Raps legt 1,75 Euo zu. © Michael Grabscheit/pixelio.de
Die globalen Agrarmärkte waren gestern fast ausnahmslos im Minus. Die US-Märkte kamen im roten Gewand aus ihrem langen Wochenende. Bohne, Mais und Weizen am CBoT hielten sich nicht lange an tendenziell bullischen Nachrichten auf, sondern sanken sofort weiter ab. Angeführt wurden die Verluste von der Bohne, die wegen guten Wetters und schwacher Exportzahlen durchgereicht wurde.
 
Sojabohne büßt stark ein
 
Die neuerntige Novemberbohne am CBoT verlor gestern 19 ¼ cts/bu und settelte bei 12,05 ¾ US$/bu. Das freundliche Aussaatwetter und wöchentliche Exportinspektionen der USA, die bei der Bohne bei nur knapp 90 tsd Tonnen lagen, setzten den Markt in Chicago unter Druck. Der Markt war nach den zuletzt sehr starken Zugewinnen sicherlich auch für eine abwärts gerichtete Reaktion überfällig. Mit Spannung erwartete und diskutierte man die Zahlen vom USDA hinsichtlich der Frage, wie die US-Farmer das lange Wochenende haben nutzen können, um die Aussaat im Mittleren Westen voran zu treiben. Nachbörslich kamen diese Zahlen. Das Ministerium sieht die Bohnenaussaat in den USA nun zu 59% abgeschlossen. Das lag über den Erwartungen von 55% und stellt einen enormen Zuwachs zur vorangegangenen Woche dar, als man lediglich ein Drittel eingesät hatte. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt übrigens bei 56%. Mit den ausgewiesenen Werten befinden sich die US-Farmer auf einem exzellenten Weg in die neue Kampagne. Wenn in der Ertragsbildungsphase das Wetter mitspielt, darf man die vom USDA im Monat Mai angepeilten 97 mio Tonnen als möglich und wahrscheinlich annehmen.
 
In heimischen Gefilden gab es bezüglich unseres Rapses ebenfalls eine wichtige Produktionsschätzung. Das Handelshaus Töpfer sieht die deutsche Rapsernte 2014 bei 5,72 mio Tonnen, was eine leichte Aufwärtskorrektur zur letzten Prognose von 5,67 mio Tonnen darstellt. An der Matif gaben die Rapspreise infolge des weltweit schwachen Ölsaatenbildes nach. Der Novembertermin verlor 3,- € und settelte bei 356,50 €/mto.
 
Weizen setzte Abwärtstrend weiter fort
 
Der Julitermin am CBoT verlor gestern 10 ¾ cts/bu und schloss bei 6,40 ¾ US$/bu. Der Markt befindet sich derzeit in einer Stimmung, in der er sofort zu fallen bereit ist, wenn keine gegenteiligen Gründe bullischer Art vorliegen. Diese fehlten gestern. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen zwar bei über einer halben mio Tonnen, aber das bewegte sich im Rahmen der Markterwartung und insofern nicht dazu geeignet, die Kurse am CBoT in die Höhe zu treiben. In den USA hat die Ernte des Winterweizens begonnen. Aus dem Bundesstaat Oklahoma werden aus den Frühdruschgebieten enttäuschende Ertragsniveaus gemeldet. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass die ersten notreifen Druschregionen infolge der zu trockenen Umstände ertragsmäßig enttäuschen. Ein genaueres Bild bekommen wir erst, wenn die Mähdrescher in die Hauptanbaugebiete einfallen und dort ihr Werk beginnen. Anhand dieser zukünftigen Ertragsmeldungen sollte man auch ablesen können, ob das USDA in zukünftigen Reporten unter statistischem Anpassungsdruck steht oder nicht.
 
Nachbörslich veröffentlichte das USDA seine Bonituren in Bezug auf den US-Winterweizen. Das Ministerium bezifferte den Anteil des gut bis exzellent stehenden Winterweizens mit 30%. Das stellte ein Plus von 1% dar. 44% stehen in nur mangelhaftem Zustand auf dem Acker. Das war unverändert zur Vorwoche. Im letzten Jahr lag dieser Wert mit 42% allerdings auch auf sehr hohen Niveaus. Hinsichtlich des US-Sommerweizens bleibt festzuhalten, dass nunmehr 74% ausgesät sind. Damit haben die US-Farmer diese Aussaat binnen einer Woche um 25% vorantreiben können.
 
Die südrussischen Weizenanbaugebiete sind nach wie vor zu trocken, sodass man im Falle weiter ausbleibenden Regens mit Ertragsverlusten rechnen muss. Niedrigere russische Erträge würden auch das Exportpotential des Landes schmälern und dadurch die westeuropäischen Herkünfte begünstigen. Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine wurde seitens des Marktes mit Erleichterung aufgenommen, was auch die europäischen Weizennotierungen belastete. Der neuen ukrainischen Regierung wird seitens des Marktes zugetraut, die unterschiedlichen Interessen zwischen Europa und Russland versöhnen zu können. Dem physischen Warenfluss sollte unter diesen Umständen nichts mehr im Wege stehen, so spekulieren jedenfalls die Marktteilnehmer. Die nach der Präsidentenwahl aufgeflackerten Kämpfe und die neuerlichen Drohungen Russlands, den Gashahn zu zudrehen, zeigen derzeit im Preisgeschehen keine Wirkung.
 
In Paris wurde die Marke von 190,- € infolge weiterer Kursverluste einem ersten ernst zu nehmenden Test unterzogen. Der Preisverfall setzte sich im Sitzungsverlauf fort und konnte erst bei 190,25 €/mto im Monat November aufgehalten werden. Hier lauerten die Schnäppchenjäger und machten sich beide Taschen voll. Der aufkeimende Kaufdruck verselbstständigte sich, sodass die Kursverluste des gestrigen Tages vollständig aufgeholt werden konnten.
 
Dass sich die Chicagoer Notierungen zwischenzeitlich ebenfalls von ihren Tiefs erholen konnten, hat uns hierbei sehr geholfen. Am Ende des Tages legte der Novembertermin 0,25 €/to zu und schloss bei 193,- €/mto glatt. Das Handelshaus Töpfer bezifferte die deutsche Weizenernte mit 24,77 mio to (23,95 mio to in letzter Schätzung). Zum Schluss muss festgehalten werden, dass die Matif gestern bereits ihre Pforten geschlossen hatte, als die Kurse in Chicago wieder südwärts drifteten.
 
Mais durchbricht 200-Tagelinie
 
Der Julimais hat gestern am CBoT 7 ¼ cts/bu verloren und bei 4,69 ¾ US/bu geschlossen. Im Handelsverlauf gab es keine wesentlichen Neuigkeiten. Die US-Exportinspektionen betrugen 1,16 mio Tonnen und lagen damit über den Erwartungen. Eine eigentlich bullische Nachricht wurde mit einer bärischen Reaktion quittiert. Das ist grundsätzlich kein preisoptimistisches Ereignis.
 
Nachbörslich ließ das USDA noch wissen, dass 88% der US-Maisaussaat abgeschlossen sind. Das lag auf Höhe der Markterwartung. In der Vorwoche hatte man erst 73% des Saatgutes ins Bett gelegt. Das argentinische Agrarministerium schätzte die eigene Maisernte auf 31,1 mio Tonnen und liegt mit dieser Prognose sehr deutlich über den industriellen Einschätzungen, die sich zwischen 24 und 25 mio Tonnen bewegen. Das USDA wies in seiner letzten Prognose aus dem Monat Mai eine argentinische Maiserntemenge von 26 mio to aus.
 
Die Chinesen ließen wissen, dass sie sich kleinere Mengen aus Brasilien beschafft hätten und weiteren Einfuhren positiv gegenüber stünden. Dass sich das Reich der Mitte seit Jahren verstärkt im internationalen Markt nach Mais umschaut, ist nichts Neues. Diese Tendenz wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen und weiter verstärken. An der Matif ging´s weiter südwärts. Der November verlor 1,50 € und schloss bei 176,75 €/mto.
 
Eurex: Kartoffel sinkt weiter ab
 
Auch am zweiten Tag der laufenden Woche gab es für die Bullen nichts zu holen. Die Preise der neuerntigen Veredelungskartoffeln sanken in Frankfurt weiter ab. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 198 Kontrakten büßte der Apriltermin 2015 0,20 €/dt ein und settelte bei 10,50 €/dt. Alterntig gab es noch weniger zu holen, denn die Juninotierungen gaben 0,20 € nach, um bei 6,20 €/mto zu setteln. Der Kassamarkt bestätigte die schwache Entwicklung vollkommen. In Belgien nahm PCA die Bintje-Notierungen um 0,50 €/dt zurück. Die Preisvorstellung beträgt nur noch 4,50 - 5,0 €/dt. Das Schlachtschwein wurde im Monat Juli und im Monat August jeweils dreimal gehandelt. Die Umsätze fanden in der Spanne von 1,740 - 1,760 €/kg Schlachtgewicht statt. Bedauerlicherweise musste das Ferkel erneut zuschauen.
 
Im weißen Sortiment trumpften Magermilchpulver und Butter umsatzmäßig auf. Insbesondere die Sommer- und Herbstmonate des laufenden Jahres setzten die Marktteilnehmer an die Spitze ihrer Sehnsüchte. Es ergab sich allerdings eine gegensätzliche Preistendenz zwischen den beiden Waren. Während die Magermilchpulverpreise tendenziell eher fielen, neigten die Butterpreise eher zur Festigkeit. Im Magermilchpulver verlor man mit etwa 30,- – 40,- €/Tonne das, was man in der Butter hinzugewann. Auf unterschiedliche Preistendenzen zwischen den Monaten einer Ware sei ebenfalls hingewiesen.
 
DAX baut Vortageszugewinne weiter aus
 
Das deutsche Aktienbarometer DAX setzte gestern die am Montag angestoßene Rallye weiter fort. Allerdings war der Gipfel von 10.000 Punkten nicht im Sturm einzunehmen. Das Aufwärtsmomentum reichte für einen direkten Durchmarsch nicht aus. Nichtsdestotrotz sprengte der DAX den Deckel bei 9900 Punkten beiseite und schloss nach einem Plus von 48 Punkten bei 9940,82 Zählern.
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