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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Bärische Reaktion auf neutralen USDA-Bericht

von , am
11.03.2014

© kk artworks/fotolia
Der gesamte Rohstoffkomplex startete die neue Woche im Minus. Die agrarischen Märkte bildeten hier erst einmal keine Ausnahme, wenngleich der Tag sicherlich unter dem Eindruck des USDA-Berichts gestanden hat. Um es vorwegzunehmen, der USDA-Bericht war neutral, es kam aber dennoch zu einem Ausverkauf in der Bohne und in den Getreidemärkten am CBoT. Rohöl hielt sich mit Mühe über den 100,-US$/Fass-Marke; Aktien waren abschlägig.
 
Bohne mit kräftigen Abschlägen
 
Die Maibohne verlor gestern 39 cts/bu und settelte nach den Preiseinbußen bei 14,18 ¾ US$/bu. Die Fonds sollen im Zuge des gestrigen Handelstages etwa 15 - 20 tsd Kontrakte abgestoßen haben, was in dieser Größenordnung sicherlich das entscheidende Moment des Preisverfalls gewesen ist. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei ansehnlichen 1,08 mio Tonnen (zuvor berichtete das USDA 1,5 mio to), was aber die Enttäuschung über einen neutralen WASDE-Bericht nicht hat auffangen können. Das USDA nahm die globalen Endbestände der Bohne von 73,01 auf 70,64 mio to herab. In den USA sollen die Endbestände von zuvor 4,09 auf 3,95 mio Tonnen fallen. Diese Anpassung ist unbedeutend und bestätigt nur das, was wir ohnehin bereits wissen: mehr als der eiserne Endbestand bleibt in den USA nicht übrig. Allerdings hat der Preisabstand zwischen der US-Bohne und derjenigen südamerikanischer Herkunft mit knapp 37 US$/to mittlerweile eine Niveau erreicht, wo man ernstlich in Erwägung ziehen muss, Bohnen in Richtung USA zu verfrachten. Ob wir diese Entwicklung sehen werden, ist aber nicht allein durch die Preiskonfiguration zwischen den beiden Orten festzumachen, sondern auch von der Enge der logistischen Flaschenhälse an brasilianischen Häfen abhängig. Die brasilianische Sojabohnenernte nahm man von 90 auf 88,50 mio to zurück. Die argentinische beließ man bei 54 mio Tonnen. In Südamerika gab es also keinen Aufreger in der Statistik. Den konnte man allerdings in Paris zu Handelsschluss beobachten, denn während sich der alterntige Maitermin mit 409,- € noch tapfer dem Verkaufdruck entgegenstemmte, wurden die neuerntigen Termin förmlich massakriert. Der August verlor 10,25 €/mto und landete nach dem Durchbruch durch seine 200-Tagelinie bei mageren 366,-€. Damit ist der Aufwärtstrend neuerntig gebrochen!
 
Weizen verliert am CBoT
 
Der Maiweizen am CBoT verlor gestern 13 ¼ cts/bu und settelte bei 6,40 ¾ US$/bu. Die Fonds verkauften im Weizen etwa 4000 Kontrakte, was keine besondere Sprengladung beinhaltete, sondern vielmehr ein handelstagübliches Fondsvolumen darstellt. Selbstverständlich spielte auch in den Getreidemärkten der WASDE-Report die bestimmende Rolle. Im Weizenbereich traute sich das USDA offenbar nicht ans Eingemachte heran. Auf globaler Ebene unterzog man den Endbestand der laufenden Kampagne 2013/14 einer kaum nennenswerten Korrektur auf nun 183,81 mio Tonnen. Die US-Zahlen wurden überhaupt nicht angefasst, sondern in Gänze aus dem Vormonat übernommen. Den Unsicherheitsfaktor Ukraine tastete man ebenfalls nicht an und beließ sämtliche Zahlen beim alten. Lediglich aus Russland soll es eine halbe mio Tonnen mehr Weizenexporte geben, die aber in einer Gesamtschau der Dinge nicht ins Gewicht fallen. Die australische Ernte hob man um 500 tsd Tonnen auf jetzt 27 mio Tonnen an. Für die EU gab es eine nennenswerte Heraufstufung der Exporte von 27,5 auf jetzt 29,0 mio Tonnen. In gleichem Maße wurde allerdings der Futterverbrauch reduziert, sodass es in Bezug auf die Endbestandsentwicklung keine Veränderung gab. Wir sollen weiterhin mit einem Bestand von 10,7 mio to in die neue Kampagne gehen. In Paris kam man an der negativen Performance nicht vorbei und gab seinerseits nach. Der Mai büßte 3,-€ ein und settelte bei 207,- €/mto.
 
Mais bekommt auf die Socken
 
Die Maisnotierungen konnten bereits letzten Freitag nicht überzeugen und schlossen relativ schwach. Gestern kam man ein weiteres Mal unter die Räder und verlor 10 ¾ cts/bu. Der Schlusskurs lag mit 4,78 ¼ US$/bu unterhalb der 200-Tagelinie. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei erwartungsgemäßen 934 tsd Tonnen und konnten die Dominanz über die Preisbildung nicht an sich reißen. Das blieb dem WASDE-Report vorbehalten. Der globale Maisendbestand wurde vom USDA von 157,3 auf 158,47 mio Tonnen nach oben korrigiert. In dieser Größenordnung spielte die Anpassung keine Rolle und verhallte ungehört im Getriebe des Marktes. Für die USA hob man die Maisexporte leicht auf nun 41,28 mio to an, was hinsichtlich des Endbestandes kaum Auswirkungen hatte. Hier passte man von 37,63 auf 36,99 mio to an. Die südamerikanischen Maisernten wurden nicht angetastet. Die Ministerialstatistiker sehen die brasilianische Ernte nach wie vor bei 70 und die argentinische bei 24 mio to. Das Exportpotential der Ukraine beließ man bei 18,5 mio Tonnen. Die politische Unsicherheit wurde entweder überhaupt nicht gewürdigt, oder aber man sah seitens des USDA´s keinen Anpassungsbedarf. Die Importe der EU korrigierte man von 10,5 auf 11,0 mio to nach oben. In Paris kamen die Maisnotierungen mit Verlusten von etwa 2,- € davon. Der alterntige Junitermin büßte 1,50 € ein und settelte bei 182,50 €/mto.
 
Kartoffel lahmt mindestens auf einem Bein
 
Bei recht geringem Tagesumsatz von 79 Kontrakten gaben die Veredelungskartoffeln tendenziell nach. Der Aprilkontrakt 2014 gab 0,10 €/dt nach und settelte bei 14,10 €/dt glatt. Der Kassamarkt war weitestgehend ruhig, man konzentrierte sich auf die Abwicklung von bestehenden Kontrakten. Die leicht anziehenden Rotterdamer Notierungen blieben so gut wie ohne Auswirkung auf das Marktgeschehen. Das vordere Märzschwein wurde bei 1,490 €/kg genau einmal umgesetzt. Das Ferkel stand diesmal in nicht nach und packte noch drei lots drauf, wovon zwei im vorderen März bei 53,0 und einer im April bei 52,0 € gelaufen sind. Im weißen Sortiment schaute man dem Treiben lieber zu und verhielt sich still.
 
DAX büßt ein
 
Der Dax eröffnete gestern im Minus und testete die 9300 Punktemarke. Kurzzeitig wurde diese an Bären abgegeben, aber wieder rasch von den Bullen zurückerobert. Kommentatoren berichteten von andauernder Nervosität der Investoren. Die anhaltenden Unruhen um die Ukraine in Verbindung mit schwachen chinesischen Exportzahlen brachten Sorgefalten auf die Stirn der Anleger. Ein gestiegener Auftragseingang in der deutschen Wirtschaft konnte diesen negativen Einfluss aber teilweise neutralisieren. Nichtsdestotrotz musste der DAX gestern einen Abschlag von 85,25 Punkten hinnehmen. Der Index schloss bei 9265,50 Zählern und damit deutlich unterhalb der 9300er-Marke.
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