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Börsentelegramm

Agrarmärkte beenden die Woche entzweit

von , am
14.04.2014

Am Freitag konnten sich die Agrarmärkte auf keine einheitliche Linie einigen.

© Mühlhausen/landpixel
 
Am Freitag konnten sich die Agrarmärkte auf keine einheitliche Linie einigen und zerstoben in beide Richtungen. Am CBoT hatte die Bohne nach den strammen Zugewinnen ihre Korrektur weitergeführt. Mais und Weizen hatten vergleichsweise geringe Abschläge wegzustecken. Baumwolle, Orangensaft und fleischliche Veredelungsprodukte waren die Tagesgewinner. Zucker gab in New York und London leicht nach. Die Rohölnotierungen legten im Sitzungsverlauf zwar deutlich zu, mussten aber im Anschluss sämtliche Preiszuwächse wieder abgeben. Aktien waren schwach.
 
Ölsaatenkomplex schwach
Die Sojabohne am CBoT musste am Freitag den zweiten Tag in Folge Verluste einstecken und büßte im Maitermin 19 ¼ cts/bu ein, um bei 14,63 US$/bu zu schließen. In China hatten einige Ölmühlen in der Provinz Shangdong Nichterfüllung einiger Einkaufskontrakte über us-amerikanische und brasilianische Sojabohnen erklärt. Angesichts negativer Verarbeitungsmargen von 80,- – 100,- US$/Tonne waren die Ölmühlen nicht mehr imstande, die notwendigen Warenkredite zu eröffnen, um ihren Verpflichtungen gegenüber den Verkäufern nachzukommen. Im Verbund mit sinkenden Sojaschrotpreisen war das am Freitag genug, um den erwähnten Tribut von den Bullen zu fordern. Lediglich das Sojaöl konnte sich aufgrund technischer Artillerieunterstützung nach oben bewegen. Fondsgesellschaften lösten ihre Schrot- Ölspreads auf, was einerseits das Schrot besonders belastete, andererseits aber auch das Sojaöl besonders stützte. Im kanadischen Winnipeg blieb von der Sojabohnenentwicklung nicht unbeeindruckt und bewegte sich ebenfalls gen Süden. Im europäischen Rapsmarkt gab es eine Fundamentalmeldung, die es verdient hat, wiedergegeben zu werden. Eine französische Produzentenvereinigung (FOP) meldete sich am Freitag zu Wort und verkündete, dass man in Frankreich eine Rapsproduktion von 5,0 – 5,2 mio Tonnen zu erwarten habe. Aufgrund des günstigen Witterungsverlaufs sei diese Aufwärtskorrektor notwendig geworden. Darüber hinaus habe man eine 4% größere Fläche als im Vorjahr vorzuweisen, als man nur 4,4 mio to Raps ernten konnte. Die Pariser Rapsnotierungen mussten sich bis auf den vorderen Maitermin dem Verkaufdruck beugen. Der neuerntige Augusttermin verlor 2,75 € und settelte bei 367,50 €/mto.
 
Weizen: CBoT hauchzart im Minus
Am CBoT sitzt der Maiweizen auf einem extrem wichtigen charttechnischen Punkt auf, der den Preis bislang zu stützen vermochte. Am Freitag büßte dieser Termin 2 cts/bu ein und settelte bei 6,60 ¼ US$/bu. Die Hauptunterstützung bei 6,56 US$/bu konnte also von den Bullen erfolgreich verteidigt werden. Die Wettervorhersage über das Wochenende sah für die südlichen Teile des US-Plains Niederschläge voraus, was den Bären kurzzeitig Oberwasser lieferte. Die Algerier schlossen am Freitag ihren wöchentlichen Tender ab und kauften 450 tsd Tonnen Weizen verschiedener Herkünfte aus der alten Ernte. Die Menge war in dieser Höhe nicht vom Markt antizipiert worden, sodass durchaus ein preispositives Überraschungsmoment freigesetzt wurde. Der Großteil der Menge soll im Juni verschifft werden, aber genauere Angaben waren vorerst nicht zu bekommen. Inwieweit sich Franzosen oder Deutsche über Exportgeschäft freuen dürfen, blieb offen, da die Algerier keine Details zu ihren Geschäften im internationalen Markt zu veröffentlichen pflegen. Das Land der Pyramiden schloss ebenfalls einen Weizentender ab und kaufte insgesamt 230 tsd Tonnen für Mailieferung. Im einzelnen buchte man am Nil 120 tsd to rumänischen, 55 tsd Tonnen russischen und 55 tsd to ukrainischen Weizen. Last not least sei erwähnt, dass die Ukraine im laufenden Wirtschaftsjahr bislang 28,3 mio to Getreide exportiert hat. Das Kampagnenziel liegt bei 33 mio to. Zum Vorjahreszeitpunkt hatte man mit 22,8 mio to deutlich weniger verkauft. In Paris drehten die Preise nach zwischenzeitlichen Abschlägen wieder ins Plus. Der Novembertermin 2014 schloss am Ende des Tages bei 200,50,- €
 
Mais ebenfalls abschlägig
Der Maitermin am CBoT verlor am Freitag 2 ¾ cts/bu und settelte bei 4,98 ½ US$/bu. Auch die Maisnotierungen gerieten am Freitag wegen einer Wettervorhersage unter Druck, allerdings hatte diese ein umgekehrtes Vorzeichen, denn im Mittleren Westen soll gegen Ende der laufenden Woche das Abtrocknen der Felder beginnen können, da eben keine Niederschläge mehr erwartet werden. Ob sich diese Wetterlage im Mittleren Westen der USA durchsetzten kann, muss abgewartet werden, denn die globale Großwetterlage steht bereits unter dem Einfluss des El Nino-Phänomens. Sollte sich dieses verschärfen, müsste man im Mittleren Westen mit weiterem Niederschlag rechnen. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge hat das Reich der Mitte mittlerweile fast 1,45 mio Tonnen Mais aus den USA wegen nicht zugelassener Genstränge gestoßen. In Paris gerieten die Notierungen unter nicht unerheblichen Druck und fielen im Novembertermin 2,25 €, um bei 189,- €/mto glatt zu schließen.
 
Kartoffel berappelt sich etwas
An der Frankfurter Eurex hat sich die Veredelungskartoffel am Freitag etwas berappeln können. Nach der Serie verlustreicher Handelstage war der Markt imstande, eine Art Rückschnapprallye hinzulegen. Bei einem schwach ausgeprägten Umsatz von nur 87 Kontrakten konnte der Apriltermin 2014 mit einem Plus von 0,10 €/dt die 10,- €/dt-Marke zurückerobern. Der Juni 2014 schloss bei 11,- €/dt und wies damit keine preisliche Differenz zum Vortagesschluss auf. Am Kassamarkt wurden die Bintje-Notierungen um 0,25 auf 8,75 €/dt ermäßigt. Im tierischen Bereich konnte sich das Augustschwein über einen Umsatz von 2 Kontrakten bei 1,730 €/kg freuen. Das Ferkele, wie der Schwabe zu sagen pflegt, blieb leider unangetastet. Im weißen Sortiment konnte sich das Magermilchpulver im August- und im Septembertermin über je einen Kontrakt Umsatz bei 3800,- €/Tonne freuen. In der Butter gab es üppigeren Umsatz von insgesamt 14 Kontrakten.
 
Robert Theis // H. J. Kiefer GmbH
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