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Börsentelegramm

Agrarmärkte beenden die Woche schwach

von , am
02.06.2014

Der Agrarsektor beendete die Handelswoche so, wie er sie beginnen hatte – schwach.

© agrar-press
 
Der Agrarsektor beendete die Handelswoche so, wie er sie beginnen hatte – schwach. Am CBoT mussten die Bohne, der Mais und der Weizen zum wiederholten Male rote Zahlen schreiben. In der Sojabohne trennten sich Fonds von Teilen ihrer Longpositionen, was Preisdruck auslöste. Im Mais wirkte sich das Wetter im Mittleren Westen preispessimistisch aus, und bei Weizen führten die Bären zum wiederholten Male das Argument der guten globalen Versorgung ins Feld.
 
Sojabohne im Minus
Die Julibohne verlor am Freitag 7 ½ cts/bu und settelte bei 14,91 ¼ US$/bu. Zum Wochenausklang richteten die Marktteilnehmer ihren Blick hauptsächlich auf die Witterungsbedingungen im Mittleren Westen. Diese waren übers Wochenende von leichten Regenfällen und überdurchschnittlichen Temperaturen geprägt, die unterm Strich als günstig beschrieben werden müssen. In den nächsten zehn Tagen soll es etwas abkühlen und mehr regnen. Die Bodenfeuchtebedingungen sollten daher einem perfektem Auflauf der Sommerungen nicht im Wege stehen. Örtlich befürchtet man aber, dass es zu Aussaatunterbrechungen kommen wird, weil infolge des Regens die Felder nicht mehr befahrbar sein dürften. Unterm Strich müssen wir aber festhalten, dass die Maisaussaat so gut wie abgeschlossen ist und die Bohnenaussaat soweit voran getrieben sein dürfte, dass örtliche Aussaatverzögerungen verschmerzbar sind.
 
Die USA veröffentlichten ihre wöchentlichen Exportzahlen der vergangenen Woche mit einem Tag Verzögerung, weil man die Woche aufgrund eines Feiertags am Montag später begonnen hatte. Die Sojabohnenexporte betrugen 881,4 tsd Tonnen und lagen damit über den optimistischsten Erwartungen von 800 tsd Tonnen. Bei den Produkten sah es etwas weniger freundlich aus, denn die Sojaölexporte beliefen sich auf 15 tsd Tonnen, was innerhalb der Erwartungen lag, und die Exporte im Sojaschrot befanden sich mit ihren mageren 83,9 tsd Tonnen unterhalb der Erwartungen. Die europäische Rapssaat an der Matif neigte den Freitag über zur Schwäche, schaffte es aber am Ende des Tages mit 350,50 €/mto aus dem Handel zu gehen. Das stellte eine schwarze null zum Vortag dar. Heute Morgen befinden sich allerdings die Bohnennotierungen im Minus, sodass wir mit Preisdruck an der Matif rechnen müssen.
 
Weizen abschlägig
Der Juliweizen am CBoT verlor am Freitag weitere 4 ½ cts/bu und settelte bei 6,28 US$/bu. In den USA marschieren wir mit Riesenschritten der Ernte entgegen, was an den us-amerikanischen Börsenplätzen saisonalen Preisdruck auslöst. Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen im Weizen bei 479,1 tsd Tonnen und damit im Rahmen der Erwartungen von 200 – 600 tsd Tonnen. Es gab dennoch eine Besonderheit zu beobachten, denn unterm Strich wurde mehr alterntige Ware storniert als neu gebucht, sodass ein negativer Export von 52,4 tsd to in der alterntigen Bilanz zu Buche schlug. Der Internationale Getreiderat ihn London legte letzte Woche seine jüngste Schätzung vor und veranschlagte die globale Getreideernte 2014/15 mit 694 mio Tonnen. Infolge der schlechteren Bedingungen in den USA sei eine Abwärtskorrektur um 3 mio to notwendig gewesen.
 
Im letzten Produktionszyklus 2013/14 fiel die globale Weizenernte mit 709 mio to noch deutlich üppiger aus. Trotz der reduzierten Ertragserwartungen sieht der Markt derzeit keinen Grund, höhere Preise aufzurufen. Die globale Bestandssituation wird als komfortabel und damit als tendenziell preisbelastend eingeschätzt. Die Ägypter haben bislang 3,5 mio to Weizen im eigenen Markt beschafft. Man bekräftigte am Nil die Absicht, in diesem Jahr mit 4,4 mio Tonnen etwa die Hälfte der heimischen Weizenernte aufzukaufen zu wollen. Mehr dürfte auch kaum möglich sein, ohne die Versorgung auf dem Land zu gefährden. Schließlich müssen die Landwirte sich und ihre Familien versorgen. Saatgut fürs nächste Jahr sollte man daneben auch noch etwas zurück halten.
 
An der Matif konnte man sich mit viel Weh und Ach dazu entscheiden, sich preislich unverändert ins Wochenende zu begeben. Der Novembertermin schloss erneut bei 191,50 €/mto. Heute Morgen befinden sich aber die Chicagoer Notierungen im Sinkflug und haben in ihrer Nachtsitzung bereits die Unterstützung bei 6,20 US$/bu gebrochen. Wir müssen damit rechnen, dass in Paris zu Handelsbeginn die 190,- €/mto-Marke ins Wanken gerät.
 
Londoner Futterweizen unter 150,- £/to
An der Londoner Börse sind die Futterweizenquotierungen mittlerweile unter die Marke von 150,- £/to gefallen. Seit dem Jahre 2011 ist dies erst der dritte Durchbruch durch diese Marke und deswegen umso mehr ernst zu nehmen. Der Preisverfall in London gründete in den nachlassenden Spannungen um die politische Zukunft der Ukraine und im weltweiten Abwärtstrend des Weizens.
 
Mais setzt Sinkflug fort
Der Julimais am CBoT verlor am Freitag 5 cts/bu und settelte bei 4,65 ¼ US$/bu. Nachdem die Maisnotierungen in der letzten Woche nicht fähig waren, ihre 200-Tagelinie zurück zu erobern, bestätigten die Verluste am Freitag die schwache Marktverfassung. Die wöchentlichen US-Maisimporte wurden am Freitag vom USDA mit 712,3 tsd Tonnen ausgewiesen. Dieser Wert lag innerhalb der Markterwartungsspanne und war somit in seiner preislichen Wirkung erst einmal neutral zu bewerten. Da Ende der vorletzten Woche die Maisaussaat bereits zu 95% in den USA abgeschlossen war, müssen wir davon ausgehen, dass die US-Farmer in der abgelaufenen Woche auch die letzten 5% in den Boden bekommen haben und die US-Maisaussaat damit vollends beendet ist. Die offizielle Bestätigung hierüber steht zwar im heutigen USD-Bericht noch aus, aber diese Kuh ist mit allen vier Beinen vom Eis.
 
Nun gilt die volle Aufmerksamkeit des Marktes den Witterungsbedingungen im Mittleren Westen. Diese sind vorerst sehr freundlich. Der Internationale Getreiderat in London bezifferte letzte Woche die globale Maisproduktion in 2014/15 mit 955 mio Tonnen. Das stellte eine Aufwärtskorrektur um 5 mio to dar. Im letzten Zyklus 2013/14 hatte man weltweit noch 970 mio to Mais ernten können. An der Matif schaffte der neuerntige Novembertermin ein kleines Plus von 0,25 € und settelte bei 176,75 €/mto. Aber Achtung: Auch die nachtbörslichen Maisnotierungen am CBoT befinden sich derzeit stark im Minus und verheißen für unseren Börsenauftakt in Paris nichts Gutes.
 
Eurex: Kartoffel scheint konsolidieren zu wollen
Nach den heftigen Kursverlusten ist die Veredelungskartoffel an der Eurex offenbar imstande, soviel Stärke zu generieren, um in eine Seitwärtskonsolidierung einzutreten. Bei durchaus reger Umsatztätigkeit von 354 Kontrakten konnte der Apriltermin 2015 vergangenen Freitag bei 10,70 €/dt schließen. Das war ein kleines Plus von 0,10 €/dt. Im vierbeinigen Bereich gab es weder Umsätze für das Mastschwein noch für das Ferkel. Aber im weißen Sortiment schaffte das Magermilchpulver in den beiden Frontterminen ein Plus von 50 – 60€/to. Das gehandelte Preisniveau lag bei 2775,- €/to.
 
Robert Theis // H.J. Kiefer GmbH
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