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Börsentelegramm

Agrarmärkte behalten Schwächemodus bei

von , am
19.11.2014

Die Sojabohne erholte sich heute morgen wieder etwas von den starken Abschlägen am Montag. © hek
Auch der zweite Handelstag der laufenden Woche war von preislichen Abschlägen geprägt. An der Chicagoer Börse mussten Bohne, Mais und Weizen Einbußen verkraften. Der Weizen rang heftig mit seiner Unterstützungslinie, klammerte sich aber mit letzten Kräften an ihr fest. Bei den Sommerungen spekulierte man, wie man angesichts der kalten Temperaturen in den USA die letzten Restbestände vom Acker bekommt.
 
Sojabohne im Minus
 
Die Januarbohne verlor gestern 12 ¼ Cents je Bushel (cts/bu) und settelte bei 10,24 US Dollar/bu. Die Schrotnotierungen waren ebenfalls abschlägig, der Dezembertermin büßte 9,10 US$/shtton ein und schloss bei 378,10$. Die hohen Verarbeitungszahlen der Ölmühlenindustrie in den USA wurden am Montag noch bullisch interpretiert. Gestern nahm man eine Korrektur seiner Haltung vor, denn die hohe Verarbeitung zeigt auch, dass Ware in großem Umfang bewegt werden kann. Das ist mittelfristig klar bärisch zu sehen. Für weitere Entlastung sorgen die Partien aus Südamerika, die zu billigeren Preisen auf den Markt treffen. Ob hiervon Ware direkt in die USA fließen wird, ist aus den Nachrichten nicht eindeutig heraus lesbar.
 
Da wir im Süden der USA Hochburgen der Geflügelproduktion sitzen haben, ist es nicht abwegig anzunehmen, dass Partien am Golf von Mexiko angelandet werden, um sie rasch nach Georgia zu fahren. US-Exporteure meldeten den Verkauf von weiteren 100,6 Tausend (tsd) Tonnen neuerntiger Sojabohnen an eine unbekannte Destination. Wir gehen wieder davon aus, dass destinationslose Ware ihren Weg ins Reich der Mitte finden wird. Die Chinesen haben diesen Bedarf und werden weiter kaufen. Die Rapsnotierungen an der Matif waren guter Laune und zogen an. Der Februartermin packte 2,50 Euro drauf und schloss bei 339,- Euro/mto.
 
Weizen ringt mit Unterstützung
 
Der Dezembertermin am CBoT gab 2 ¾ cts/bu nach und settelte bei 5,49 US Dollar/bu. Das Tagestief lag im Weizen mit 5,44 ¼ US Dollar/bu noch deutlich tiefer und befeuerte die Angst, man könne das Level von 5,50 US Dollar an die Bären zurückgeben. Dieses hatte man zuvor mit viel Mühe und Not im Zuge der "Kälteschlacht" abgetrotzt. Auf Schlusskursbasis betrachtet kam man gestern mit einem blauen Auge davon, aber das Niveau bleibt akut gefährdet. Sollte es zu Bruch gehen, können wir rasch bis zu 25 cts/bu verlieren. Die nächste Hauptunterstützung liegt bei 5,27 ½ US Dollar/bu. Aus fundamentalem Blickwinkel gab die gestrige Sitzung nichts Neues her. Die kalten Temperaturen haben das Auflaufen der Bestände unterbrochen und örtlich sicherlich Schaden angerichtet. Das wussten wir aber auch schon vorher.
 
Höchstwahrscheinlich ist es erst im Frühjahr ersichtlich, inwieweit die Winterweizenbestände in den USA gelitten haben. Dass die politischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine/EU nicht beigelegt sind und wir infolgedessen mit weiterem Ungemach rechnen müssen, das jederzeit Auswirkungen auf die Agrarmärkte hat, ist auch nichts Neues gewesen. Bislang fließt die Ware aus der Schwarzmeerregion problemlos in den internationalen Markt ab, aber wenn die gesamte Ostukraine im Bürgerkrieg versinken sollte, ist die Lage neu zu bewerten. Auf der internationalen Marktbühne tummelten sich eine Reihe Teilnehmer. Die Japaner betraten das internationale Geschäft und legten einen weiteren Tender für 123,2 tsd Tonnen Weizen auf.
 
Die Jordanier bekundeten Interesse an 100 tsd Tonnen Mahlweizen und starteten einen entsprechenden Tender. Die Herkunft wurde seitens der Jordanier nicht eingeschränkt. Tunesien war der dritte im Bunde, der sich zu Wort meldete. Hier standen 92 tsd Tonnen Weizen mit Mahlqualität zu Disposition, die entsprechend ausgeschrieben wurden. Als nächstes hob Katar die Hand und suchte 40 tsd Tonnen Mahlweizen für den Zeitraum Januar bis März des nächsten Jahres. Die Matif konnte gegen Ende hin versöhnen und schloss mit nur geringen Verlusten. Sicherlich hat hier die Exportaussicht in Richtung USA eine Rolle gespielt.
 
Die französische Ware in Futterqualität soll nun auch ihren Weg in die USA finden. Der Abschluss derartiger Geschäfte ist wohl so gut wie in trockenen Tüchern. Jüngst hatte es auch Futterweizen britischer Herkunft an die Küste der USA geschafft. Der Märztermin verlor 0,50 Euro und schloss bei 176,25 Euro/mto.
 
Mais: Große Ernte drückt!
 
Der Dezembertermin am CBoT büßte gestern 5 ¼ US Dollar/bu ein und schloss bei 3,72 ¼ US Dollar/bu. Man höre und staune: Der Hauptgrund für den Preisdruck war die große Ernte! Dass man sich inmitten des derzeitigen Wirrwarrs wieder an die eigene große Maisernte erinnert, nimmt fast schon wunder. Aber wahrscheinlich wurde ein Verlegenheitsargument gesucht, um die preislichen Abschläge zu erklären. Die sinken Weizennotierungen in unmittelbarer Nähe ihrer Hauptunterstützungslinie sorgten auch im Maispit für Nervosität, sodass der Verkaufknopf näher lag als der Kaufknopf. Zudem echoten die sehr mager ausgefallenen Exportdaten noch durch die Handelssäle.
 
Am Montag hatte das USDA schwache Exportinspektionen gemeldet, die weit hinter den Markterwartungen zurück geblieben sind. Das schlug auch gestern noch auf den Magen. Die Ethanolindustrie ist zwar ein eifriger Nachfrager, aber man braucht auch gute Exporte, sonst könnten die Endbestände noch üppiger ausfallen als man derzeit noch denkt. An der Matif wird´s wieder gefährlich! Der Januartermin hat gestern 2,- Euro verloren und bei 150,- Euro glatt geschlossen. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Preis bei einem Durchbruch weiter 5,- Euro verliert.
 
Eurex: Kartoffel weiter abschlägig
 
Es wahrscheinlich besser, die Kommentare über die Veredelungskartoffel an der Eurex einzustellen. Es geschieht einfach nichts mehr in diesem Markt, das eines Berichtes würdig wäre. Gestern gab es gerade noch 82 Kontrakte Umsatz. Das ist zwar kein neuer Negativrekord, aber berühmt wird man damit sicherlich auch nicht.
 
Der Apriltermin 2015 schloss bei 5,40 Euro/dt und machte sämtlich Hoffnungen auf eine Rückeroberung der 6,- Euro-Marke zunichte. Der Kassamarkt blieb wie gewohnt still. Zucker ohne Kraft Die internationalen Zuckernotierungen bleiben unter Druck und steuern alte Tiefs an. In New York verlor der Märztermin an Boden und schloss bei 15,71 cts/Pfund. Das alte Tief liegt bei knapp 15,50.
 
DAX zieht an
 
Der ZEW-Index ist gestern zum ersten Mal wieder angestiegen, nachdem er zuvor neunmal in Folge gesunken ist. Die Konjunkturerwartungen von Analysten und Investoren habe sich im Monat November verbessert und machten den Einbruch aus dem Vormonat wett, meldete das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Inmitten immer stärker werdender weltkonjunktureller Sorgen, springt plötzlich der Sentimentindex des ZEW nach oben. Riecht doch sehr stark nach politischer Meinungsmache! DAX +150 Zähler.
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