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Börsentelegramm

Agrarmärkte behaupten Festigkeit

von , am
30.10.2014

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Zur Wochenmitte machten die Agrarmärkte keine Kompromisse. Die preisliche Tendenz war klar aufwärts gerichtet. Am CBoT nahmen die Sojaschrotkurse das Zepter in die Hand und gaben die Richtung vor. Mit sprunghaften Kursgewinnen wurde die Bohne nach oben gezwungen. In dieser Atmosphäre folgten sie Getreidenotierungen.
 
Sojabohne: Schrot will die 400,-er-Marke
 
Der Novembertermin am CBoT legte gestern 36 ½ cts/bu zu und settelte bei 10,44 US$/bu. Die treibende Kraft waren die Sojaschrotkurse, die ein weiteres Mal explodierten und mit ihrem Verhalten deutlich machten, dass der relativ schwache Schlusskurs des Vortages eine Art Betriebsunfall gewesen ist. Der Markt will offenbar die 400,- US$/shtto-Marke wieder zurückerobern und signalisiert Bereitschaft, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen! Das vordere Versorgungsdefizit mit physischer Ware hat die Börse fest im Griff und befehligt die Preise nach Norden. Die letzten verbliebenen Bären haben das Handtuch geworfen und sich zurück gezogen.
 
Die us-amerikanische Ölmühlenindustrie ist derzeit nicht in der Lage, ihre Verarbeitung auf die vom Markt verlangten Mengen auszudehnen. Schnelle Abhilfe ist hier nicht in Sicht, zumal es noch logistische Probleme mit dem Schrotabfluss gibt (Mangel an Transportkapazitäten). Die Bohne selbst musste sich dem Diktat der Schrotkurse beugen. Es gab kein Entrinnen und nur eine Richtung. Derzeit gleicht die Bohne einer Marionette, die an den Drähten des Schrotes hängt. Die Ägypter meldeten sich ausnahmsweise einmal nicht mit Kaufinteresse für Weizen, sondern für Pflanzenöl zu Wort. Am Nil möchte man 120 tsd Tonnen Sojaöl und 120 tsd Tonnen Sonnenblumenöl einkaufen. Die Ware soll direkt nach dem Jahreswechsel angedient werden. Angesichts dieser Entwicklung fing die Pariser Börse erneut Feuer und zwang die Rapspreise nach oben. Der Februartermin 2015 packte satte 7,50 €/mto drauf und schloss bei 345,25 €/mto. Die 200-tagelinie liegt bei 348,25 €. Hier ist mit Widerstand zu rechnen, aber wenn dieser genommen werden kann, dann….!
 
Chinesen besuchen Amis
 
Eine Regierungsdelegation aus China wird im Dezember die USA besuchen, um die Handelsbeziehungen bei Agrargütern zu erörtern. Über den genauen Inhalt lässt sich nur spekulieren, aber wir dürfen davon ausgehen, dass die Chinesen das Ziel verfolgen, die Sicherheit ihrer Nahrungsmittelversorgung weiter voran zu treiben. Die Amerikaner dürften eine Lockerung der phytosanitären Ansprüche der Chinesen ins Auge fassen. Es hatte jüngst Probleme beim Mais und bei DDG´s gegeben, die den Export quasi unmöglich machten. All diese Dinge stehen sicherlich auf der Agenda. Nun mag man hierin keinen unmittelbaren Markteinfluss zu erblicken, aber die Chinesen sind dafür bekannt, dass sie vor derartigen Unterhandlungen Gesten des guten Willens zeigen, um die Gesprächsatmosphäre aufzulockern. Dieser gute Wille dürfte sich unter anderem auch in großen Sojabohneneinkäufen manifestieren.
 
Dicke wöchentliche Exportzahlen der USA sollten deshalb in den kommenden Wochen nicht verwundern. Und das im Umfeld knallefester Schrotpreise!
 
Weizen markiert Siebenwochenhoch
 
Der Dezembertermin am CBoT leget gestern 6 ¾ cts/bu zu und schloss bei 5,38 ¼ US$/bu. Dass der gesamte Handel am CBoT unter einer bullischen Haube stattfand, versteht sich nach dem oben Gesagten von selbst. Beim Weizen kreierte aber die allgemein freundliche Stimmung ein zusätzliches aufnahmebereites Bewusstsein für eigene bullische Dinge. Plötzlich war man wieder zugänglich für die Gerüchte über potentielle Auswinterungen in der Schwarzmeerregion. Plötzlich sorgte man sich mit gesteigerter Intensität um die etwas zu trockenen Bedingungen in Südaustralien. Plötzlich war man bereit, die Argumente einer starken weltweiten Nachfrage zur Kenntnis zu nehmen. Fast bekommt man den Eindruck, als hätte der Markt nunmehr einen grundlegenden Stimmungswechsel vollzogen und die geistige Tür für bullische Argumente geöffnet.
 
Das internationale Geschäft war von besonderer Langeweile geprägt. Man kam über ein paar Routinegeschäfte nicht hinaus.
 
Die Matif schloss sich an und marschierte nach oben. Der Januar legte 2,25 € zu und schloss bei 174,- €/mto glatt.
 
Mais fügt sich in Festigkeit nahtlos ein
 
Der Dezembertermin legte 10 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,75 ½ US$/bu. Was soll man sagen? Die allgemein bullische Stimmung, die Ernteverzögerungen und die höchste wöchentliche Ethanolproduktion seit August machten den Maispreisen Beine. Die Jordanier hatten am Dienstag noch eingeschnappt reagiert, als die vorgelegten Weizenofferten zu teuer waren. Das hielt sie aber gestern nicht davon ab, stelle des Weizens erst einmal100 tsd Tonnen Futtergerste optionaler Herkunft zu buchen. An der Matif sind die Maipreise längst nicht so dynamisch wie in Übersee, aber immerhin kann man auch in Paris seinen 50-Tage-Durchschnitt verteidigen. Der Januar notiert bei 151,75 €/mto.
 
Blauzungenvirus: Verhandlungen ausgesetzt!
 
Australien und China haben ihre Verhandlungen über die Lieferung von lebenden Rindern vorerst ausgesetzt. Die Australier liebäugeln mit großen Exporten in Richtung Reich der Mitte, aber das Thema wurde notgedrungen unterbrochen. In Down Under hat man unter den Rindviehbeständen mit der Blauzungenkrankheit zu kämpfen, und unter diesen Umständen ist China nicht bereit, lebende Tiere einzuführen. Das Blauzungenvirus wird durch Mücken der Gattung Culicoides aus der Familie der Gnitzen übertragen (Wikipedia). Die Krankheit ist beim Rindvieh nicht unbedingt dramatisch, aber sie stellt eine große Gefahr für Schafherden dar. Die Chinesen haben insgesamt etwa 140 mio Schafe im Land und befürchten völlig zu recht einen desaströsen Ausbruch der Krankheit. Deswegen liegen alle Vorhaben derzeit auf Eis. Dass man aber weiter an Lösungen basteln muss, steht außer Frage, denn die UN erwartet, dass die Rindfleischimporte Chinas bis zum Jahre 2025 ein monetäres Volumen von 9 Mrd. US$ annehmen werden. Das würde eine Verdreifachung der jetzigen Menge darstellen.
 
Eurex: Kartoffel kullert zurück
 
Die Veredelungskartoffelpreise legten gestern wieder den Rückwärtsgang ein. Im Grundsatz tendiert man aber weiterhin auf den gegenwärtigen Niveaus seitwärts. Bei einem Gesamtmarktumsatz von kaum erwähnenswerten 31 Kontrakten büßte der Apriltermin 2015 0,20 €/dt ein und settelte bei 5,60 €/dt. Neuigkeiten vom Kassamarkt? Fehlanzeige! Im Schweinesegment wurde tatsächlich Umsatz in der Mastsau erzielt. Der Februartermin 2015 wurde am Preis von 1,305 €/kg zweimal gehandelt. Das war ein Minus von knapp 1%. Das Ferkel konnte sich dieser Entwicklung leider nicht anschließen und blieb erneut ungehandelt. Im weißen Sortiment war es erneut da Magermilchpulver, das zur Ehrenrettung des gesamten Komplexes schreiten musste. Vereinzelt gab es kleinen Handel bei deutlich abschlägigen Preisen. Das Minus rangierte zwischen 50,- und 80,- €/mto.
 
Zucker: Indien erntet mehr
 
Eine nicht näher genannte Quelle der indischen Regierung bezifferte die indische Zuckerproduktion im laufenden Wirtschaftsjahr bei 25,5 mio Tonnen. Das stellt ein Zuwachs von 4% zum letzten Jahr dar. Offenbar überlegt man in Indien, Maßnahmen zu ergreifen, der Überversorgung Herr zu werden, indem man den Export subventioniert. Über eine gute Ernte freuen sich nicht nur die Inder, denn auch aus China kamen Nachrichten. Die südchinesische Provinz Yunnan meldete gestern Spitzenerträge. Ansonsten war es ruhig. Die Zuckernotierungen haben sich nach ihrem zwischenzeitlichen Höhenflug wieder auf tieferen Niveaus stabilisiert. Der Märztermin in New York schloss bei 16,30 cts/Pfund.
 
DAX legt 14,62 Punkte zu und schließt bei 9082,81 Zählern
 
Der gestrige Tag stand wieder einmal unter dem Zeichen des Sitzungsprotokolls der FED. Am Abend war es dann soweit. Die Zinsen sollen in den USA auf „beträchtliche Zeit“ niedrig bleiben, und ab November wird das Quantative Easing (Ankauf von Schrottpapiere) eingestellt. Man hatte dieses Programm bereits seit Jahresbeginn schrittweise zurückgefahren. Um die Löcher in der Refinanzierung des Staates zu stopfen, hatte man zuletzt Belgien dazu „überredet“, im großen Stil US-Anleihen aufzukaufen.
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