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Börsentelegramm

Agrarmärkte bieten alles und nichts

von , am
28.01.2014

Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 3 cts/bu und schloss bei 3,53 US$/bu glatt. © Mühlhausen/landpixel
Die Chicagoer Märkte begannen die neue Woche ohne großes Tamtam. Man wartet auf die Ergebnisse des agrarischen Outlook-Forums und war nicht willens, sich ohne diese Daten aus der Reserve locken zu lassen. Mais, Weizen und Bohne verzeichneten nur kleine Kursveränderungen.
 
Die großen Verlierer waren Baumwolle und Zucker. Kakao ging mit einem Plus von fast 4% als erster über die Ziellinie. Rohöl gab deutlich nach, und die Finanzmärkte neigten zur Schwäche.

Bohne schließlich stabil

Die Märzbohne legte gestern 3 cts/bu zu und schloss bei 12,87 ¾ US$/bu. Nach volatilem Handel, der sowohl in die eine als auch in die andere Richtung ausschlug, konnte die Bohne schließlich die eben erwähnten Gewinne verbuchen.
 
Neben einigen untergeordneten Nachrichten war das Thema des Tages sicherlich der weitere Verlauf der chinesischen Nachfrage sowie der Währungsabsturz in Argentinien mitsamt seinen möglichen Auswirkungen auf die dortigen agrarischen Marktverhältnisse. Da man in den Kommentierungen der einzelnen Nachrichtenagenturen eine Unzahl grober Verstöße gegen den gesunden Menschenverstand angeboten bekommt, fühlen wir uns dazu bemüßigt, das Thema ebenfalls in aller Kürze aufzugreifen.
 
Die anhaltende chinesische Nachfrage nach Sojabohnen dürfte auf Gesamtmarktebene weiterhin Bestand haben. Daran Zweifel zu hegen, wäre sicherlich realitätsfremd, weil die Bohne für die Chinesen einfach zu wichtig ist. Dennoch mehren sich die Befürchtungen, dass die Chinesen sich hinsichtlich ihrer Bezugsquellen von nun an regelmäßig nach Südamerika wenden und in den USA entsprechende Stornierungen vornehmen könnten. Das lastet auf den Chicagoer Notierungen zumal die Fonds in der Bohne noch große Longpositionen fahren.
 
Die kollabierende Währung in Argentinien (Peso) sorgte in der Vergangenheit dafür, dass die Gauchos nur das nötigste verkauften und tendenziell lieber die Ware horteten als sich mit kaputt inflationierten Pesos einzudecken. Diese Tendenz hält derzeit an, aber es mehren sich Stimmen, dass infolge der zusammenbrechenden Währung eine gegenläufige Tendenz um sich greifen wird. Dieser Einschätzung ist erst einmal scharf zu widersprechen, denn der Grund (schwacher Peso), warum man in der Vergangenheit seitens der Farmer nicht oder nur ungern verkauft hat, ist nach wie vor in Wirkung und hat an Intensität nicht ab-, sondern klar zugenommen! Die argentinische Regierung hat sich aber jüngst insofern von ihrem Zwangswährungsmonopol verabschiedet, als dass die Argentinier nun auch gegen 20% ins Staatssäckel ihre Pesos gegen US$ tauschen und diesen als Zahlungsmittel verwenden dürfen (max. 2000 US$/Monat). Möglicherweise zeigt sich der Argentinier gegen den US$ abgabewilliger als gegen die eigene Schrottwährung. Wir werden sehen! Erst einmal dürfte der Peso für größere Geschäfte keine Alternative haben, sodass der Farmer gut daran tut, seine Produkte zu behalten.
 
Wenn es durch Hinzutreten des US$'s im Tauschverkehr dennoch gelingen sollte, jene Abgabebereitschaft zu stimulieren, die vielen Analysten derzeit im Kopf herumzugehen scheint, dann besteht sicherlich in den großen Longpositionen am CBoT eine nicht zu unterschätzende bärische Gefahr. Denn man könnte sich seitens der Fonds rasch dazu entschließen, sich von diesen zu trennen. In diesem Falle wäre die Folge starker Preisdruck am CBoT. Noch zieht der argentinische Farmer aber den Waren- dem Geldbesitz vor. Ob der Staat hier eingreifen wird und die Eigentumsrechte insoweit zerstört, als er den Farmer zum Verkaufen seiner Ware zwingt, muss abgewartet werden. Staaten sind um nichts verlegen, wenn es darum geht, die Pfründe der Eliten am sprudeln zu halten. Die Abschaffung der Eigentumsrechte ist ein immer wieder eingesetztes Mittel!
 
In einigen asiatischen Ländern ist seit einigen Wochen die Vogelgrippe auf dem Vormarsch. Die Südkoreaner sehen sich offenbar nun dazu gezwungen, Massentötungen vorzunehmen, um dem Ausbreiten der Seuche Einhalt zu gebieten. Bislang hat das im Markt noch keine tiefen Spuren hinterlassen. Der Matifraps konnte gestern ein kleines Plus retten. Der Maitermin legte 1,25 € zu; Schluss: 357,50 €.

Weizen leicht abschlägig

Der Märzweizen gab gestern am CBoT 1 ¾ cts/bu nach und schloss bei 5,63 ½ US$/bu. In den USA ist man nicht willens, das Thema potentieller Auswinterungen beim Weizen von der Agenda zu nehmen. In den nächsten beiden Wochen sollen sich die Temperaturen tendenziell in einem Bereich bewegen, der Gefahr für nicht schneebedeckte Bestände bedeuten kann. In den Hauptanbauzonen der USA liegt aber ausreichend Schnee, um die Gefahr gebannt zu halten. Die Saudis kauften Ende letzter Woche 715 tsd Tonnen Weizen verschiedener Herkunft für den Zeitraum April - Juni 2014. Unter den Abgebern sollen sich die EU und Nord- und Südamerika ebenso befinden wie Australien. Jedenfalls sind diese Herkünfte tendergemäß lieferbar.
 
Die Matif in Paris konnte gestern hieraus Honig saugen und etwas ansteigen. Pakistan erwartet, dass man im nächsten Produktionszyklus sein angepeiltes Produktionsziel von 25 mio Tonnen Weizen nicht erreichen wird. Die pakistanischen Bauern sahen sich infolge zu später Bekanntgabe des heimischen Weizenpreisinterventionsniveaus außerstande, ausreichende Planungssicherheit herzustellen und optierten deshalb zugunsten anderer Früchte. Die pakistanische Weizenfläche wurde nachrichtlich mit 8,5 mio ha angegeben. Im Vorjahr waren es noch 8,65 und im Vorvorjahr 8,9 mio Hektar. Das russische Weizenpreisniveau wird derzeit als zu hoch und deshalb als international nicht konkurrenzfähig angesehen. Einige Marktbeobachter erwarten deswegen noch in dieser Woche fallende Kurse, um bei den anstehenden Ägyptentendern mit von der Partie sein zu können. Wir werden sehen, wie aggressiv das russische Exportverlangen sein wird.
 
An der Matif neigten die Notierungen zur Stärke und packten zeitweise ordentlich drauf. Am Ende konnten die Höchstkurse aber nicht gehalten werden. Der Märztermin legte schließlich 1,50 €/mto zu und fand seinen Schlusskurs bei 194,25 €/mto.

Mais leicht erstarkt

Der Märztermin am CBoT legte gestern 2 ¼ cts/bu zu und settelte bei 4,31 ¾ US$/bu. US-Exporteure meldeten ein Geschäft in Höhe von 119,8 tsd Tonnen Mais an eine nicht näher spezifizierte Destination aus der laufenden Kampagne. Was die aktuelle Situation auf dem us-amerikanischen Kassamarkt anbelangt, so muss festgehalten werden, dass sich das winterliche Hochdruckgebiet im Mittleren Westen der USA festgesetzt hat und das Leben bestimmt. Die Schifffahrt auf dem Ol' Man River ist örtlich zum Stillstand und somit die Warenbewegungen zum Erliegen gekommen. Insbesondere die Ethanolanlagen in den USA sollten hierunter leiden und weniger verarbeiten. Andererseits machen es die tiefen Temperaturen notwendig, die Futtertröge üppiger zu beschicken, um die angepeilten Gewichtszuwächse im tierischen Bereich erzielen zu können.
 
Die USA bekundeten gestern ihre Sorge, dass die Chinesen weitere Maispartien aus den USA wegen nicht zugelassener Genstämme stoßen werden. Erst Ende März würden sich die verantwortlichen Gremien in China zusammensetzen, um über die Nahrungsmittelsicherheit zu sinnieren. Bis dahin gelten die alten Regeln und us-amerikanische Exporteure schwebten weiter in Gefahr, Ware nicht abgenommen zu bekommen.
 
An der Matif war man bereit beim Mais etwas nach oben zu schauen und legte im Junitermin 0,75 €/mto zu, um bei 175,25 €/mto zu schließen.

Kartoffel verliert

Die Industriekartoffel hat gestern an der Eurex in Frankfurt bei einem Gesamtmarktumsatz von 114 lots 0,20 €/dt im Apriltermin 2014 eingebüßt und bei 15,- €/dt glatt gesettelt. Damit bestätigte die Börse einmal mehr die schwächere Tendenz des Marktes. Neue fundamentale Inputs waren nicht zu verdauen. Unglücklicherweise war die Kartoffel gestern der einzige Markt, der sich einer Umsatztätigkeit erfreuen hat können.

Zucker weiterhin hoffnungslos bärisch

Die Zuckernotierungen erreichten in der letzten Woche ein frisches Dreieinhalbjahrestief, was den vorherrschenden großen Abwärtstrend weiterhin voll intakt hält. Der Grund für den Preisdruck war ein altbekannter, denn Brasilien als größter Zuckerproduzent der Welt wird weiterhin zur Angebotsschwemme auf dem Weltmarkt beitragen. Die Schwerpunktregion der brasilianischen Zuckerproduktion (südliches Zentrum) soll in diesem Jahr noch einmal 2,9% auf die bereits letzte üppige Menge draufpacken können. Die internationale Zuckerorganisation (ISO) bestätigte derartige Entwicklungen, indem sie in 2014 die vierte Zuckerkampagne in Folge erwartet, wo das Angebot die Nachfrage übersteigt. Anhaltender Preisdruck auf dem Weltmarkt sei die unausweichliche Folge.
 
In New York gab man etwa 30 cts/Pfund nach und schloss mit 14,80 unter der Marke von 15 cts/Pfund.

Finanzmärkte letzte Woche sehr schwach, Hoffnungsschimmer zum Wochenauftakt

Es gibt an der Wall Street eine alte Börsenweisheit, die folgendermaßen lautet: The Dow does for the year what it does in January! (Der Dow Jones macht das Jahr über das, was er im Januar macht). Seit dem zweiten Januar 2014 kennt das us-amerikanische Börsenbarometer (Dow Jones) nur noch eine Richtung, nämlich die nach unten. Letzten Freitag gab man in New York erneut über 300 Punkte ab und durchbrach die Linie von 16.000-Indexpunkten. Insbesondere geriet der wirtschaftliche Ausblick für China in den Fokus der Aufmerksamkeit.
 
Hinter die robusten Wachstumszahlen steht seit Jahren nichts anderes als aggressive Geldmengenvermehrung und Fehlinvestition in nicht tragfähige Projekte (Solarindustrie, Ölmühlenüberkapazitäten etc.). In letzter Zeit hat es im Interbankenmarkt immer wieder gekracht und die Zinsen für kurzfristiges Geld explodierten, was die Zentralbank auf den Plan rief, welche sofort die Geldspritze in die Hand nahm, um Liquiditätsinfusionen vorzunehmen. Mittlerweile scheint das Mittel aber immer mehr an Wirksamkeit zu verlieren, denn die Zinsen bleiben ungewöhnlich fest und landesweit kommen viele Kleinsparer nicht mehr an ihr Geld, weil Bankfilialen schlicht und ergreifend infolge Zahlungsunfähigkeit geschlossen bleiben.
 
International wird seit Monaten eine Unmenge an Kapital aus den Schwellenländern abgezogen. In Brasilien, Argentinien, Türkei, Südafrika und Russland etc. brechen infolgedessen die Währungen zusammen, was „dem US$ eine künstliche Stärke aufs Gesicht schminkt“… war unsere kürzliche Formulierung an dieser Stelle. Nichtsdestotrotz liegt der wichtigste Umstand erst einmal in den Schwellenländern selbst, denn mit der Währung fallen auch die Staatsanleihen und in Korrespondenz dazu steigen die Zinsen! Da die Fremdwährungsreserven im Verhältnis zu den Schulden nur sehr gering sind, besteht eine vollkommene Abhängigkeit von niedrigen Zinsen, um sich refinanzieren zu können. Das äußerst fragile Konstrukt ist auf Sand gebaut und droht nun einzustürzen.
 
Auf dem Frankfurter Parkett blieb der DAX nicht unbeeindruckt und gab etwas nach. Um fast 43 Punkte erleichtert fand man seinen Schlussstand bei 9349,22 Zählern. Der Dow Jones verlor am Montag in den USA weitere 41,23 Punkte und settelte bei 15837,88 Punkten.
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