Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte bleiben fest

von , am
29.10.2014

Die Weizenpreise fallen weiter. Momentan liegen sie 12 Prozent unter dem Vorjahr. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
Die globalen Agrarmärkte waren am zweiten Handelstag der Woche nicht schwach, aber die Zugewinne fielen deutlich schwächer aus als am Vortag. Am CBoT war es der Weizen, der diesmal die üppigsten Preiszuwächse auf sich vereinen konnte. Mais geriet in die Einflusssphäre dieser Entwicklung und markierte im Handelsverlauf ein Neunwochenhoch. Obwohl die Sojaschrotnotierungen ihren Höhenflug abbrachen und umkehrten, konnte die Bohne ein Plus retten.
 
Sojabohne bleibt in ihrer Festigkeit stur
 
Die Novemberbohne legte gestern 3 ¼ cts/bu zu und settelte bei 10,07 ½ US$/bu. Der eigentlich zu erwartende Erntedruck bei der Bohne wurde durch die Lage im Sojaschrot konterkariert. Die rasanten Zugewinne im Schrot schufen eine an Panik grenzende Atmosphäre, in der die Shorts ihren Verstand verloren und nur noch aus den Positionen raus wollten. Sie kauften zurück, kostete es, was es wollte. Diese Situation nennt man in der Börsensprache einen Shortsqueeze. Dieser löste sich im Tagesverlauf aber auf, und die Schrotnotierungen drehten ins Minus.
 
Angesichts dessen konnte die Bohne gestern mit ihren Zugewinnen überzeugen. Wahrscheinlich hing dies damit zusammen, dass die Marke von 10,- US$/bu erobert werden konnte und die Bullen die Kampfeslust besaßen, diese zu verteidigen. Am Wetter kann es nämlich nicht gelegen haben. Die Witterungsbedingungen in den USA sind derzeit nicht bedenklich. Die Ernte der US-Sommerungen kann weiter vonstatten gehen, Verzögerungen sollten aufgeholt werden können.
 
Auf dem amerikanischen Kassamarkt lösten die festen Bohnenpreise eine Abgabewelle unter den Landwirten aus. Offenbar hat der Preis mit der Marke von 10,- $ eine Grenze überschritten, die sich die Farmer als Teilvermarktungsziel gesetzt hatten. Wir müssen nun sehen, ob sich die Börse hiervon beeindrucken lässt, oder ob die starke Nachfrage das Ruder noch fester in die Hand nehmen kann. Die Rapsnotierungen an der Pariser Börse gerieten gestern völlig außer Rand und Band. Angesichts der eskalierenden Sojaschrotpreise eröffnete man sehr fest und raste zweistellig gen Norden. Erst die 200-Tagelinie (im Februar liegt diese bei etwa 348,- €) setzte dem Markt ein unüberwindbares Hindernis. Nach dem Eskalationssprung beruhigte sich der Markt wieder und pendelte sich bei etwa +6,- € ein. Der Februar rettete ein Plus von 6,50 € in den Schluss hinein und ging mit 337,75 € aus dem Handel. Die Prämien blieben trotz der anziehenden Preise auf hohen Niveaus. Die Margenkalkulation muss also gestimmt haben. Das Kassamarktgeschäft belebte sich augenblicklich.
 
Weizen fest
 
Der Dezemberweizen legte gestern am CBoT 8 ¼ cts/bu zu und schloss bei 5,31 ½ US$/bu. Zuvorderst müssen wir festhalten, dass der Markt mit gestrigem Zugewinn in der Lage gewesen ist, den Durchstoß durch den 50-Tage-Durchschnitt zu zementieren. Der Markt vermittelt derzeit den Eindruck, als hätte er die innere Stärke, oberhalb dieser wichtigen charttechnischen Marke sesshaft werden zu können. Neue Nachrichten gab es in den USA nicht, sodass wir unseren Blick über die gesamte Erdkugel schweifen lassen müssen.
 
Die Analysten der Rabobank reduzierten ihren Produktionsausblick für die australische Weizenernte von 23,5 auf nun 23,0 mio Tonnen. Zudem scheinen sich die Sorgen um potentielle Auswinterungen in Russland zu verdichten. Konkretes lässt sich hierzu aber noch nicht sagen, Im internationalen Geschäft machte Taiwan von sich reden. Der Inselstaat kaufte 41,25 tsd Tonnen Weizen us-amerikanischer Herkunft. Ein Routinegeschäft ohne tiefgehende Bedeutung.
 
Daneben hob Algerien den Kopf und buchte 300 tsd Tonnen Durumweizen. Diese Ware soll im Zeitraum von Februar bis März des nächsten Jahres verschifft werden. Die Herkunft wurde nicht näher eingegrenzt, sondern mit optionalem Ursprung angegeben. Die Jordanier stampften ihren Tender über 100 tsd Tonnen Weizen wieder ein. Wahrscheinlich waren die Offerten wieder einmal zu teuer.
 
An der Matif stiegen die Kurse aus der gleichen charttechnischen Ausgangslage ebenfalls an. Der Januartermin schaffte ein Plus von 4,50 und settelte bei 171,75 €. Auch hier vermittelt der Markt den Eindruck, als hätte er den 50-Tage-Durchschnitt nachhaltig unter die Herrschaft der Bullen gestellt.
 
Mais segelt im Windschatten von Weizen
 
Der Dezemberkontrakt am CBoT legte gestern 1 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,64 ¾ US$/bu. Waren es am Montag noch die Zugewinne im Mais, die dem Weizen den Weg bereiteten, so kehrten sich gestern die Verhältnisse um. Diesmal waren es die Weizenpreise, die dem Mais zu oben erwähntem Zugewinn verhalfen. Grundsätzlich wird aber die relative Festigkeit beim Mais von der verzögerten Ernte unterstützt, wenngleich die Witterungsbedingungen dieser Woche für ein gutes Erntetempo sprechen.
 
Die weltweite Nachrichtenlage blieb in Sachen Mais äußerst ruhig. Da waren die südafrikanische Anbaufläche von 2,6 mio Hektar, die leicht unter dem Vorjahr (2,7 mio ha) lag, und der Hinweis auf potentielle Auswinterungen im Wintergetreide der Schwarzmeerregion. Damit hatte es sich aber auch. An der Matif jagten auch die Maispreise gen Norden, mussten aber ihre Zugewinne vollständig abgeben, sodass man grob unverändert schloss.
 
Eurex: Kartoffel findet zurück ins Leben
 
Die Umsätze der Veredelungskartoffel haben sich am Dienstag deutlich verbessert. Man bekam unterm Strich wenigstens 69 Kontrakte zusammen und versechsfachte damit das Volumen am Montag. Die Preise stiegen dabei an, und der Apriltermin 2015 legte 0,30 €/dt zu. Der Schlusskurs lag bei 5,80 €/dt. Da wir immer noch sehr nahe an den absoluten Tiefs der Abwärtsbewegung notieren, lieget der Verdacht nahe, dass die Festigkeit von außen in die Kartoffel getragen wurde. Die anziehenden Preise im Agrarbereich wirkten auch für die „ungleich runde Knolle“ als bullischer Ansteckungsherd. In der Kartoffel selbst gab es fundamental nichts Neues zu beobachten, was die gestrigen Zugewinne gerechtfertigt hätte. Der Kassamarkt blieb unverändert enttäuschend. Schwein und Ferkel gaben in gewohnter Weise keinen Grunzer von sich. Im weißen Sortiment rette das Magermilchpulver die Ehre des Rindviehproduktes.
 
Zucker seitwärts
 
Die Mexikaner gehen davon aus, dass man im laufenden Zuckerwirtschaftsjahr etwa 1,5 mio Tonnen Zucker in die USA exportieren kann. Diese Menge stellt einen scharfen Rückgang zur letzten Kampagne dar, in deren Verlauf man noch 1,9 mio Tonnen in die USA exportierte. Die Mexikaner ließen ihren Plan, fester Exportquoten fallen und sprachen vielmehr von einer bedarfsgerechten Exportpolitik. Mexiko befand sich seit vier Wochen im Streit mit den USA. Die USA drohten mit Zöllen. Manch Beobachter sprach davon, dass sich ein Handelskrieg anbahne, wenn man nicht zu einer Einigung käme. Beide Streithähne fanden einen Kompromiss, der auf der mexikanischen Seite eine geringere Exportmenge bedeutet. Die Märznotierungen an der New Yorker Börse hielten sich knapp oberhalb der 16 cts/Pfund-Marke.
 
DAX mit guten Zugewinnen
 
Das deutsche Aktienbarometer DAX machte am zweiten Handelstag der Woche die Verluste des Vortages vergessen. Man stieg sofort mit Handelsbeginn an und pendelte um die Marke von 9000 Punkten. Damit waren die Verluste, die tags zuvor auf ´s Konto der schwachen Ifo-Zahlen gingen, wieder ausgeglichen. „Die Anleger schöpften wieder Vertrauen“, kommentierte ein Analyst dem Fernsehsender n-tv gegenüber.
 
Derartige Kommentierungen darf man getrost beiseite schieben, da sie im Kern fast immer nichts sagend sind. Die sogenannten Analysten flüchten im entscheidenden Augenblick in den Konjunktiv und halten sich dadurch stets die Möglichkeit eines Berufungsurteils über den selbst gesagten Unsinn offen. Die Situation hat sich nicht verändert. Die ganze Welt verlässt sich auf die Notenpressen der Zentralbanken. Diese fluten die Märkte mit Geld, sobald ein Problem auftritt. Berechtigte Warnungen vor diesem unverantwortlichen Vorgehen werden als Panikmache abgetan.
 
Bislang konnten die Notenbanken mit dieser Vorgehensweise einen Crash verhindern. Die realwirtschaftlichen Entwicklungen entlarven die Nutzlosigkeit dieser Politik. Seitens des Marktes werden die Nachrichten nur dann zur Kenntnis genommen, wenn sie besonders schlecht ausfallen. Denn dann jubelt man über weiteres Gelddrucken, das an die Finanzmärkte abfließen kann, um die Aktienkurse zu treiben. Das ist nichts anderes als eine sofortig spürbare geldseitige Preisinflation, die sich auf die Aktienkurse richtet. Der Dax hatte am Ende des Tages 168 Punkte zugelegt und bei 90068 Zählern geschlossen.
Auch interessant