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Börsentelegramm

Agrarmärkte bleiben sich treu

von , am
17.09.2014

© landpixel
Die globalen Agrarmärkte blieben sich auch gestern treu. Man war nicht bereit, aus seinen meistenteils langfristigen Abwärtstrends zu springen, um den Bullen ein Signal der Hoffung zu geben. Am CBoT brachten die Weizennotierungen in der siebten verlustreichen Handelssitzung in Folge nun endgültig die Marke von 5,- US$/bu zu Fall. Die Sojabohne drehte auch wieder ins Minus. Einzig die Maisnotierungen konnten ihr elendes Niveau verteidigen.

Sojabohne liquidiert Vortagesgewinne

Die Novemberbohne verlor gestern 6 cts/bu und settelte bei 9,81 ¾ US$/bu. Das USDA hob gestern die nicht mehr ausgesäte Bohnenfläche in den USA (prevented plantings) von 0,827 auf 0,841 mio Acres an. Für den Augenblick hielt man damit einen bullisch angehauchten Faktor in der Hand, der immerhin für ein paar Cents Zugewinn gut war.
 
Die Festigkeit war aber nicht von Dauer und traf am Nachmittag zur Haupthandelszeit auf Verkaufinteresse, das sämtliche Ambitionen der Bullen zunichte machte. Die Bullen, nur noch an die Sprache des Knüppels gewöhnt, hoben denn auch nur kurz die Ohren als wollten sie ungläubig zu verstehen geben, dass derartige Streicheleinheiten seitens des USDA´s wohl kaum ihnen gelten können. Danach senkten sie wieder demütig ihre Häupter und ließen das Trommelfeuer der Bärenprügel duldsam aus sich hinab sausen. Momentan gibt es weit und breit am Horizont des Bohnenmarktes kein Zeichen einer Shortcoveringrallye seitens der Fonds auszumachen. Die Fonds fühlen sich mit ihren Shorts pudelwohl und denken wahrscheinlich noch nicht einmal daran, sich von ihren Positionen zu trennen.
 
Gem. den Zahlen des Hamburger Branchendienstes Oil World beträgt die diesjährige Sojabohnenproduktion Chinas 11,7 mio to. Das sind 4% weniger als im Vorjahr und 10% weniger als im Vorvorjahr. Die Bohnenanbaufläche sei in China in 2014 um 7% gefallen. Man müsse deshalb mit entsprechendem Importwachstum rechnen. Dieser Meinung kann man sich nur vorbehaltlos anschließen. Der staatliche chinesische Informationsdienst für Getreide und Ölsaaten (CNGOIC) legte gestern eine etwas anders geartete Meinung auf den Tisch. Man habe gute Bestände und sei gleichzeitig durch schwache Verarbeitungsmargen gebeutelt, sodass ein Importrückgang erwartet wird. Die Einfuhren aus den USA würden um ca. ein Viertel fallen, hieß es aus dem Reich der Mitte. Möglicherweise werden die Bohnenimporte aus den USA tatsächlich fallen, aber von einem Rückgang im Gesamtimport sollte man nicht ausgehen. Das Reich der Mitte braucht die Sojabohnen. Sollte man aus Südamerika aus logistischen Gründen Lieferengpässe zu befürchten haben, wird man sein Kaufinteresse sofort auf die USA richten und sich selbst in der voran gegangenen Einschätzung ad absurdum führen. Noch einmal, China braucht Sojabohnen und wird diese kaufen!
 
Die Rapsnotierungen an der Matif fühlten sich auf der grünen Seite der Kurstafel wohl und waren nicht bereit, sich dem roten Diktat der Bohne zu unterwerfen. Man verteidigte im Novembertermin ein Plus von 0,50 €/mto und settelte bei 324,- €/mto.

Weizen durchschlägt 5,- US$/bu-Marke

Der Dezembertermin am CBoT hat in gestriger Sitzung 4 cts/bu verloren und bei 4,96 ½ US$/bu geschlossen. Die unmittelbare Nähe zu der in der Überschrift erwähnten Preismarke ließ den Markt vorsichtig und schreckhaft agieren. Als man die zwischenzeitlichen Zugewinne nicht mehr halten konnte, brach man sofort weg und charttechnisch motiviertes Verkaufinteresse setzte ein, das den Markt bis Handelsende dominierte. Die Verluste in Kansas und Minneapolis produzierten auch im Qualitätsweizen neue Kontrakttiefs. Das war alles in allem nicht mehr schön mit anzusehen. Im internationalen Geschäft zeigten sich die Algerier kaufinteressiert für 50 tsd Tonnen Durumweizen. Daneben kaufte man am Nil 180 tsd to aus Frankreich.
 
Das ukrainische Parlament hat gestern im Zuge einer Abstimmung der Ostukraine eine dreijährige Selbstverwartungszeit eingeräumt. Damit ist die Ukraine praktisch gespalten und Putin der Gewinner im Streit um die Ostukraine. Solche Deals werden hinter den Kulissen verschoben und dem Parlament vorgelegt, um eine scheinheilige demokratische Daseinsberechtigung zu verleihen. Aber wie man es auch immer betrachtet, Putin hat die EU wunderbar vorgeführt! Präsident Poroschenko unterzeichnete für die Westukraine das Assoziierungsabkommen mit der EU.
 
Die Auswirkungen auf den Getreidemarkt zu beschreiben ist schwierig, denn im Grunde genommen ist jedes Szenario denkbar. Vielleicht prügelt man sich um die Grenzziehung, mit entsprechenden Hindernissen, die man sich gegenseitig in den Weg legt; vielleicht verhält man sich auch vernünftig und lebt friedlich nebeneinander unter gemeinsamer Nutzung der Logistik. Wer weiß?
 
Das ukrainische Agrarministerium veröffentlichte die Exportzahlen des Landes, die einmal mehr deutlich machten, dass es bis hier und jetzt keinen Anlass gibt, an der Exportfähigkeit des Landes zu zweifeln. Die aufsummierten Getreideausfuhren der laufenden Kampagne betragen nunmehr 7,03 mio to (4,03 mio to Weizen, 2,5 mio to Gerste und 0,415 mio to Mais). Für die Matif war sicherlich interessant, dass sich die Ägypter im Markt zeigten und 180 tsd Tonnen Weizen französischer Herkunft buchten. Die Verschiffung der Ware soll laut Kontrakt im Oktober stattfinden. Nach Bekanntwerden der Nachricht zog die Matif etwas an und entkoppelte sich von den negativen Vorgaben aus Übersee. Der November verteidigte ein kleines Plus von 0,50 €/mto und settelte bei 162,-€/mto.

China: Abschreibevolumen explodiert

Die größten Banken Chinas haben ihre Abschreibungen für Non-performing Loans (NPL) ausweiten müssen. Gem. den veröffentlichten Daten der chinesischen Bankenkontrollbehörde (CBRC- China Banking Regulatory Commission) mussten in der ersten Hälfte 2014 insgesamt für 694,4 Mrd. Yuan faule Kredite abgeschrieben werden. Das entspricht etwa 113 Mrd. US$. Mit dieser Zahl liegt man bereits jetzt über dem gesamten Abschreibungsvolumen aus dem Jahre 2013. Ein Bankenvertreter sagte, dass man den Großteil der Abschreibungen in der Stahlindustrie, im produzierenden Gewerbe und im Kleingewerbebereich habe vornehmen müssen. Diese seien von der wirtschaftlichen Kontraktion am stärksten betroffen. Angesichts dieser Entwicklungen lassen sich die weltweiten Sorgen um die chinesische Wirtschaft sehr gut nachvollziehen.

Mais schafft ein Plus…,das man aber mit der Lupe suchen muss

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern ¾ ct/bu zu und settelte bei 3,43 ¾ US$/bu. Die Meldung über die verpasste Aussaatfläche (Prevented Plantings) konnte die Kurse gestern wenigstens streckenweise beflügeln. Der Anteil der nicht mehr bestellten Aussaatfläche beim Mais wurde mit Stichtag 1. September auf 1, mio Acres geschätzt. Das war etwas mehr als man vor vier Wochen ausgewiesen hatte (1,54 mio Acres). Die Reaktion des Marktes bestand aus einer kleinen Rallye, die zu späterer Stunde, nämlich in der Haupthandelzeit, vollständig liquidiert wurde.
 
Die us-amerikanischen Maispreise sind im internationalen Vergleich derzeit noch zu hoch, um wirklich exportkonkurrenzfähig zu sein. Auf FOB-Basis betrachtet sind sie ohne Weiteres konkurrenzfähig, aber es existieren nun einmal Frachtkosten. Unter Berücksichtigung dieses Faktors können sie gegen andere Herkünfte wie die Schwarzmeerregion derzeit nicht anstinken.
 
Die Meldungen über kalte Temperaturen im Mittleren Westen der USA haben wieder ihren Weg in die Nachrichtenticker gefunden. Wir sollten abseits des Tagesgeschehens einmal einen grundsätzlichen Blick auf diesen Faktor werfen, weil es falsch ist, ein unangebrachtes Maß an Hoffnungen hierauf zu legen. Kalte Temperaturen sind für Mais nach der Ertragsbildungsphase kein Problem und können von der Pflanze problemlos weggesteckt werden. Es ist ohne weiteres möglich, Mais nach Frosteinbrüchen bequem zu dreschen, sofern das Feld befahrbar ist!
 
Abseits von Ernteverzögerungen stellen die momentanen Temperaturen kein Problem für den US-Mais dar. Deswegen wäre es schlechterdings der Situation unangemessen bzw. grundfalsch, auf frostbedingte Ertragseinbrüche zu setzen, um die Preise „hoch zu beten“. Das Preisniveau der Matif bleibt gedrückt. November 139,-€.

Eurex: Kartoffel zeigt Stärke

Die 6,- €/dt-Marke hat gehalten, und die Preise waren in der Lage, sich von diesem Niveau wieder abzusetzen. Bei deutlich belebten Umsätzen, man konnte insgesamt 212 Kontrakte handeln, legte der Apriltermin 2015 0,30 €/dt zu und settelte bei 6,80 €/dt. Ob die etwas freundlichere Entwicklung von Nachhaltigkeit getragen sein wird, wir wissen es nicht. Fakt ist, dass sich am fundamentalen Ausblick nichts geändert hat, sodass ein gesundes Maß an Skepsis angezeigt ist. Das Mastschwein war erneut in der Lage im vorderen Septembertermin Umsätze zu generieren. Es wurden am Preis von 1,570 €/kg insgesamt zwei Kontrakte gehandelt. Das ist ein Umsatzwachstum von 100%. Das Ferkel blickte neidisch drein und blieb tatenlos in der zweiten Reihe zurück. Das weiße Sortiment flaute ab. Es wurden nur noch geringe Umsätze im Magermilchpulver und in der Butter verzeichnet. Auffällig war der dicke Preisabschlag von 38,-€/to beim Pulver.

Zuckerpreise bleiben gedrückt

Auch am zweiten Handelstag der Woche waren die globalen Zuckerpreise außerstande, Stärke zu demonstrieren. Der Abwärtstrend wurde fortgesetzt, sodass der Oktober in New York auf 13,56 gedrückt wurde.

DAX und Co. im Minus

Politische bzw. geldpolitische Erwägungen gaben in gestriger Sitzung den Ausschlag gegeben. Man nahm die Parlamentsentscheidung der Ukraine zur Kenntnis und blickte nach Großbritannien. Die Schotten haben am Donnerstag dieser Woche ihr Referendum über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Zuerst hatte man die separatistischen Nationalgefühle in Edinburgh von London aus höhnisch belächelt. Bis die Befürworter der Unabhängigkeit plötzlich in Umfragen deutlich vorne lagen. Von Panik ergriffen eilten die Politiker nach Schottland, um Einigkeitspolitik zu machen. Es wurde gelobhudelt und gleichzeitig gedroht, um die formale Einheit aufrecht zu erhalten. Wir werden sehen, wie sich die Schotten entscheiden. Morgen findet die Abstimmung statt.
 
Daneben steht diese Woche die Notenbanksitzung der FED an, und man weiß die Ergebnisse der Sitzung nicht vorwegzunehmen. Die eine Fraktion erwartet ein weiter so, mahnende Stimmen gehen von einem deutlichen Signal hinsichtlich des Endes der Nullzinspolitik aus. Auf dem Frankfurter Parkett rutsche das deutsche Aktienbarometer in den negativen Bereich. In Ermangelung kaufwilliger Investoren verlor man 26,7 Punkte und settelte bei 9632,93 Zählern.

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