Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte auf Bodensuche

von , am
08.07.2014

Der marktübergreifende Abwärtstrend hielt gestern im Agrarbereich weiter an. Die Rohölnotierungen haben ihre Hochs aus letztem Monat nicht halten können und fallen langsam aber stetig seit zwei Wochen.

Mit Verlusten von 12 Cent liegt die Sojabohne wieder unter der wichtigen 10-Dollar-Marke. © hapo/landpixel
Die Marktteilnehmer konzentrieren sich in Übersee auf die Wuchsbedingungen im Mittleren Westen, die sich derzeit äußerst freundlich präsentieren. Mit anderen Worten, wir befinden uns derzeit in einem "Gutwettermarkt" und nicht in einem "Schlechtwettermarkt".
 
Die Rohölnotierungen haben ihre Hochs aus letztem Monat nicht halten können und fallen langsam aber stetig seit zwei Wochen. Bislang war der Preisnachlass bedeutungslos, aber mittlerweile tanzen die Rohölnotierungen auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt (exponentiell geglättet). Ein Durchbruch würde höchstwahrscheinlich weiter fallende Kurse nach sich ziehen.

Sojabohne weiter unter Preisdruck

Die neuerntige Novemberbohne verlor gestern 12 cts/bu und settelte bei 11,15 ¾ US$/bu. Mit den Bestandsbonituren, die das USDA zu Wochenbeginn veröffentlicht hat, liegen derzeit in Bezug auf die Bohne die besten Bedingungen seit zwanzig Jahren vor. Diesem Umstand trägt man Rechnung, indem man weiter Longpositionen liquidiert. Preisdruck ist die Folge.
 
In Paraguay wurde die Erntemenge von 9,3 Mio. Tonnen Sojabohnen im Anbauzyklus 2013/14 noch einmal offiziell bestätigt. Obwohl es niemand gemessen und gewogen haben dürfte, sollte diese optimistische Rückschau den Tatsachen entsprechen. Die EU-Kommission sieht die europäische Rapsernte bei 21,5 Mio. Tonnen und liegt damit eher am unteren Rand der kursierenden Schätzungen. Man hat zwar seine letzte Prognose von 21,18 Mio. to erhöht, jedoch rangiert die optimistischste Schätzung bei knapp 23 Mio. Tonnen, also noch einmal 1,5 Mio. Tonnen über dem EU-Schätzwert.
 
Die ersten Druschergebnisse in Westeuropa liegen auf zufriedenstellenden Niveaus. Die osteuropäische Ernte ist so gut wie abgeschlossen und auch dort zeigt man sich bis auf regionale Ausnahmen zufrieden. Die Rapsnotierungen an der Matif gaben im Handelsverlauf weiter nach, konnten aber eine Kehrtwende hinlegen und im Plus schließen. Der November legte 2 Euro zu und settelte bei 339 Euro je Tonne.

Weizen hält Schwächeneigung aufrecht

Der Septembertermin am CBoT büßte gestern 2 ¾ cts/bu ein und settelte bei 5,55 ¾ US$/bu. Die bekannten Dinge wirken weiterhin bärisch im Markt. Bedeutende Dinge, die uns mit neuen Erkenntnissen versorgt hätten, gab es in den USA nicht zu beobachten. In Kanada hellen sich die Produktionsbedingungen auf. Nach den Starkregenfällen in den letzten beiden 10 Tagen dreht das Witterungsbild beim nördlichen Nachbarn des USDA´s zum Positiven. Ein warmtrockenes Wetter sollte imstande sein, die Felder in den nächsten Tagen abzutrocknen.
 
Das gilt besonders für Manitoba, wo sich das Schadensbild weniger heftig präsentiert als in Saskatchewan. Dennoch hat man die Kuh noch nicht mit allen vier Beinen vom Eis. Örtlich sind sich die Farmer nicht sicher, ob alle der betroffenen Bestände das "Wasserbad" überleben werden. Das französische Agrarministerium legte gestern eine neue Schätzung hinsichtlich der zu erwartenden Weizenernte des Landes vor. Man erwartet in Paris 36,5 Mio. Tonnen. Im letzten Jahr hatte man links des Rheins eine Weizenernte von 36,9 Mo. Tonnen eingefahren. Die gallische Durumweizenernte sieht man bei 1,4 Mio. to (1,8 Mio. to in 2013) und die Gerstenernte bei 11,3 Mio. to (10,3 in 2013).
 
An der Matif kam es nach dem Test der Tiefs bei etwa 182 Euro gestern zu einer entgegen gerichteten Rückschnapprallye. Der Novembertermin legte 0,75 Euro zu und settelte bei 183,25.

Mais ohne Aufwärtsambitionen

Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 2 ½ cts/bu und settelte bei 4,04 ¾ US$/bu. Im Bezug auf den pflanzenbaulichen Zustand des US-Maises liegen derzeit die besten Bedingungen in den letzten 15 Jahren vor. Die fortgesetzt feuchtwarmen Bedingungen sind nahezu optimal für die Entwicklung der Bestände und lösen bei den Börsenbullen preislichen Pessimismus aus.
 
Die Fonds haben ihr Nettolongengagement im CBoT-Mais auf etwa 26 tsd Kontrakte verringert. Das stellt einen deutlichen Rückgang der Kaufpositionen dar, lässt aber immer noch Spielraum für weitere Liquidationen. An der Matif verlor der Novembertermin 0,25 Euro und settelte bei 167,50 Euro/mto.

China: Verzwickte Maismarktsituation

China hat in 2010 mit dem Import signifikanter Maismengen begonnen. Damals waren es etwas mehr als 1,5 Mio. Tonnen, die ihren Weg in die staatlichen Vorratslager fanden, um die Bestandssituation zu verbessern. Diese Ware hat mittlerweile die Silos im Zuge von Auktionen verlassen und ihren Weg in die verarbeitende Industrie gefunden. In 2011 importierte man seitens des Reichs der Mitte etwa 1,7 Mio. Tonnen Mais, die nun peu a peu auktioniert werden. Die Einlagerungspreise befanden sich seinerzeit etwa 300 Yuan/Tonne über dem jetzigen Preisniveau in China, was den Absatz etwas schwierig macht, denn die Auktionspreise dürfen die Einlagerungspreise nicht unterschreiten.
 
Der größte Teil der staatlichen Vorräte in China wird in den Hauptanbaugebieten im Nordosten (Provinzen Jilin, Liaoning und Heilongjiang) gelagert und stammt aus eigener Produktion. Die alte Importware wird hauptsächlich im Süden nahe den Veredelungszentren gelagert (Guangdong, Hunan und Jiangxi) und nimmt vom Gesamtvolumen keinen großen Teil ein. Die staatlichen Auktionen finden im Süden statt und vermögen keinen zusätzlichen Preisdruck im Norden auszulösen. Aufgrund von Qualitätsproblemen zeigt sich der Markt in China nur mäßig an dieser Ware interessiert, aber neue Importe hat China durch die MIR 162 – Thematik ausgeschaltet.
 
Es sieht ganz danach aus, als wolle China die alte Ware aus den Lägern loswerden und dabei als Hilfsmittel die Gendiskussion um MIR 162 nutzen.

Eurex: Kartoffel stürzt ab

Nun hat sich auch die Kartoffel in die Galerie fallender Agrarpreise eingereiht. Am zweiten Tag der Woche eröffnete sie mit 10,5 Euro/dt sehr schwach. Anschließend fiel ihr nichts Besseres ein als weiter zu fallen und wurde bis auf 9,90 Euro/dt durchgereicht. Den gesamten Tag über stand man unter Druck, sodass man folgerichtig einen Schlusskurs von 9,80 Euro/dt wegzustecken hatte. Mit 337 Kontrakten ist der Handel rege gewesen, sodass der Durchbruch durch das alte Tief bei 10,50 Euro/dt aus charttechnischem Blickwinkel durchaus ernst genommen werden muss.
 
Die Regenfälle in Europa wurden von allen Kartoffelanbauern herzlich begrüßt. Mit dem Regen sind die Sorgen um die Entwicklung der Knollen erst einmal davon gespült worden. Über die restliche Handelsinaktivität hüllen wir den Mantel des Schweigens.

Japan: Supertaifun Neoguri rast auf Japans Küste zu

Japan hat wegen des Taifuns Neoguri eine Sturmwarnung der Kategorie 5 ausgesprochen. Die Windgeschwindigkeit wird bei 160 Meilen/Stunde erwartet, was das enorme Bedrohungspotential des Taifuns begründet. Mit dieser Wucht besitzt Neoguri das größte Schadenspotential im Pazifik seit dem Sturm Haiyan, der im letzten November 6.000 Todesopfer auf den Philippinen forderte.

DAX büßt weiter ein

Das deutsche Aktienbarometer verlor gestern in Frankfurt 133,40 Punkte und settelte bei 9772,67 Zählern. Reduzierter Optimismus der Aktienindexfonds wurde als Grund genannt.
Auch interessant