Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte: CBoT bullisch

von , am
05.02.2014

© BAyer CropScience
An der Chicagoer Börse konnten man gestern die Zugewinne des Vortages weiter ausbauen. Insbesondere die Weizennotierungen präsentierten sich sehr stark und legten fast 4% zu. Mais und Bohne schafften jeweils ein Plus von ca. 1,5%. Daneben waren Baumwolle, Zucker, Orangensaft und Kaffee ebenfalls im Plus. Moderate Verlierer waren Kakao und die Rindfleischnotierungen. Rohöl trat mehr oder weniger auf der Stelle; die Finanzmärkte neigten erneut zur Schwäche.

Bohne: Chinesische Stornierungen bleiben aus

Der Märzkontrakt legte gestern 20 ½ cts/bu zu und schloss mit 13,13 ¼ US$/bu über der Marke von 13,- US$. Die Sojabohne in Chicago konnte einerseits von der Stärke in den benachbarten Getreidemärkten profitieren, andererseits bleiben weiterhin die Befürchteten Stornierungen aus dem Reich der Mitte aus. Man befürchtet in den USA, Opfer einer Stornierungswelle aus China werden zu können. Bislang ist hiervon aber nichts zu sehen. Das überrascht uns nicht, denn ohne die logistische Schlagkraft aus den USA können die Chinesen ihre benötigten Mengen nicht bewegen. (Siehe vergangene Kommentare zu diesem Thema)
 
Die Witterungsbedingungen in Südamerika präsentieren sich derzeit sehr uneinheitlich. Während man im Norden Brasiliens nach einem nahezu optimalen Kampagnenverlauf rekordhohe Erträge zu dreschen imstande ist, mehren sich die Sorgen um die südbrasilianischen Anbaugebiete Parana, Santa Catarina und Rio Grande do Sul. Es ist sicherlich richtig, dass der Süden Brasiliens im letzten Monat ungewöhnlich heiß war, jedoch gab es inmitten der Hitze auch immer wieder Regenfälle. In der Niederschlagssumme mögen die Mengen als unterdurchschnittlich daher kommen, aber es gab immerhin Regen, sodass die Umstände derzeit nicht als katastrophal beschreibbar sind. Im Osten des Landes sieht es niederschlagsmäßig wesentlich schlechter aus, aber diese Gebiete sind hinsichtlich des hier in Rede stehenden Themas auch weniger bedeutsam.
 
Dennoch lagen offenkundig ausreichend Gründe vor, um die Bohne in größeren Mengen mit auf den Kaufzettel zu nehmen. Informa Economics bezifferte gestern die brasilianische Sojabohnenernte 2013/14 auf 89,7 mio to und packte damit noch 1 mio to auf seine Vorprognose drauf. Die argentinische Bohnenernte 13/14 haben die Statistiker bei Informa um 0,5 mio to auf nun 57,0 mio to herab. Da die logistische Schlagkraft in Kanada infolge der extremen Kälte weiter schwer gehemmt ist, erhofft sich Australien, den Kanadiern im Export das ein oder andere Geschäft abspenstig machen zu können. Diese Hoffnung ist vollumfänglich gerechtfertigt und dürfte den Australiern auch gelingen. Insbesondere die Chinesen stehen hier mal wieder auf der Liste der üblichen Verdächtigen.
 
Das Statistikamt Kanadas bezifferte die Rapsbestände des Landes zum 31.12.13 mit 12,6 mio to. Die Flüsterschätzung des Marktes betrug 12,3 mio to, sodass die offizielle Zahl im bärischen Gewand auf der Bühne des Marktes erschien. Die Szenenbeleuchtung der gestrigen Sitzung tauchte das Geschehen aber ohnehin bereits in bärisches Licht, sodass die Zahlen des StatsCan´s den Bock auch nicht mehr fetter machen konnten als er ohnehin schon war.
 
Die gute Performance der Bohne war es letztlich, die dem Raps auf die Sprünge helfen konnte. Nachdem der Februar an der Matif von Bord ist, dürfte nun der Maitermin als letzter verbliebener Fixstern der alten Ernte insoweit seine Umlaufbahn gefunden haben, als dass er den ehemaligen Preisabstand von 4,- € zum Februar wettgemacht haben dürfte. Gestern legte der Mai pralle 7,- €/mto zu und settelte bei 371,50 €/mto.

Weizen: Schwache Crop Ratings treiben den Markt

Der Märzkontrakt am CBoT schloss gestern 20 ¾ cts/bu im Plus und settelte bei 5,84 ½ US$/bu. Damit konnte der Markt in nur zwei Tagen über 30 cts/bu an verloren gegangenem Preisterrain wieder aufholen. Hauptursächlich für die sprunghaften Zugewinne in Übersee waren die drastisch verschlechterten Bestandsbonitierungen in den Hauptanbauzonen der USA.
 
In der Topkategorie "Gut bis Exzellent" waren deutliche Einbrüche zu verzeichnen. Kansas wurde von 58% auf 35% reduziert, Oklahoma von 63% auf 36%, Nebraska von 65% auf 46% und Texas von 23% auf 19%. Das war insgesamt zu viel, um vom Markt ignoriert zu werden. Vorsorglich kaufte man größere Teile seiner Shortposition zurück und baute so sein Risiko graduell ab, um im Falle eines Falles nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
 
Das statistische Büro Kanadas bezifferte gestern die Weizenvorräte des Landes zum 31. Dezember 2013 auf 28,38 mio to, was etwas unterhalb der Markterwartung von 28,9 mio to lag und damit einen leicht bullischen Anklang besaß. Im letzten Jahr (31.12.2012) betrug dieser mit 20,61 mio to aber deutlich weniger, sodass wir bei der Bewertung des großen Marktbildes nicht umhin kommen, die Lage in Kanada als bärisch einzustufen, mögen auch die jüngsten Zahlen der Erwartung des Marktes etwas zuwider gelaufen sein.
 
Das Zugpferd des Chicagoer Marktes mag auch in Kanada den Karren etwas nach oben ziehen können, aber im Grundsatz liegt ein bärisches Umfeld vor. An der Matif konnte man vom positiveren internationalen Umfeld profitieren und die Vorgaben in eigene Zuwächse ummünzen. Der Märztermin stieg 2,25 €/mto an und schloss bei 194,25 €/mto.

Mais mittelbar stark

Der Märzmais am CBoT schaffte gestern ein Plus von 6 cts/bu und settelte bei 4,41 ¾ cts/bu. In den Kommentierungen wird neben den Weizenzugewinnen, die gestern zweifelsohne als Treibladung beim Mais mitgewirkt haben, auch der „gefrorene Zustand“ des us-amerikanischen Marktes in Bezug auf Logistik genannt. Nach wie vor lassen sich angesichts des widrigen Wetters die benötigten Maismengen nur mit größten Mühen transportieren. Das macht den Warenfluss teurer und der Markt verlangt entsprechende Aufgelder.
 
Die Südkoreaner tauchten mit einem Routinegeschäft im Markt auf und buchten 65 tsd Tonnen Futterweizen optionaler Herkunft sowie 65 tsd Tonnen Mais aus den USA für Junilieferung. Beide Einkäufe wurden unter der bedeutungslosen Kategorie „ferner liefen“ geführt.
 
Informa Economics legte auch beim Mais neue Prognosen für Südamerika vor. Die brasilianische Maisernte 2013/14 nahm man 1 mio to auf nun 66,55 mio to herab. In Argentinien könne man nicht mit mehr als 22,6 mio to rechnen, schätzte Informa Economics. Im letzten Monat ging man noch von 25 mio to aus. Was man von der Schätzung hinsichtlich Brasiliens halten soll, ist nur schwer einschätzbar, denn die Zahl von Informa Economics liegt etwa 10 mio to unter der optimistischsten Prognose anderer Marktbeobachter. Die Thematik sei dem Leser zur subjektiven Beurteilung übergeben. Der Märztermin in Paris legte 1,- €/to zu und schloss bei 174,- €/mto glatt.

Kartoffel: Russen öffnen Grenzen!

Die Veredelungskartoffel an der Frankfurter Eurex wurde gestern insgesamt 234 Mal umgesetzt. Der vordere Apriltermin 2014 umkreiste hierbei seinen Vortagesschlusskurs, um schließlich auf selbigem Niveau erneut zu schließen. Im Handel an der Börse gab es keine Auffälligkeiten zu beobachten.
 
Mit einer tendenziell bullischen Nachricht konnte wenigstens der Kassamarkt gestern auftrumpfen, denn die Russen haben ihren Markt für Setzkartoffeln niederländischer Herkunft geöffnet. Bislang hatten die Russen immer aus phytosanitären Gründen vor diesem Schritt Abstand gehalten, weil man im eigenen Land die Nematoden in den Kartoffelbeständen nicht kennt. Man fürchtete in Russland, man könne diese durch den Import von Pflanzgut einschleppen. Gestern nun änderten die Russen ihr Verhalten! Offensichtlich benötigt man für die neue Saison Pflanzgut von außen, was nur durch mangelnde Bevorratungsmöglichkeiten infolge einer nicht voll auskömmlichen Ernte im eigenen Land zu erklären ist. Vielleicht kann die Kartoffel hieraus länger Honig saugen, schaun mer mal! Das Mastschwein wurde im März genau zweimal bei 1,550 €/kg gehandelt, was einen Abschlag von 0,060 €/kg bedeutete. Das Ferkel schaute neidisch, weil umsatzlos hinterdrein.

Zucker: Ist die Wende geschafft?

Der Zuckerchart hat sich seit letzter Woche Freitag durch die durchaus ansehnlichen Zugewinne aufgehellt. Jedoch ist es noch zu früh, eine Trendwende ausrufen zu wollen. Einerseits liegen auch charttechnischer Sicht noch nicht ausreichend Beweise für eine Trendwende vor und andererseits ist das fundamentale Marktumfeld weiterhin als bärisch einzustufen. Möglicherweise hat Zucker auf dem Weg nach unten zuletzt etwas übertrieben und dadurch die momentane Erholung ausgelöst, aber an eine substanzielle Trendwende können wir an dieser Stelle noch nicht glauben, auch wenn gestrige Zugewinne nicht von schlechten Eltern gewesen sind. In London konnte der Weißzuckerkontrakt im Märztermin 8,5 US$/to zulegen. Der Schlusskurs lag bei 435,20 US$/Tonne. Summa summarum sollte die Rückschnapprallye der letzten Tage im Zucker wohl eher verkauft als gekauft werden.

Dax wieder abschlägig

Über Nacht waren die Indizes in Asien teils schwer unter die Räder gekommen und verhießen für unseren Börsentag nichts Gutes. Der Kapitalabzug aus den Schwellenländern lässt Konjunktursorgen aufkeimen, deren Wellen das Potential haben, um die gesamte Welt zu schwappen. Auf dem Frankfurter Parkett gab man 58,61 Punkte nach und schloss bei 9127,91 Zählern.
Auch interessant