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Börsentelegramm

Agrarmärkte in der Defensive

von , am
30.07.2014

© Eisenhans/Fotolia
Die Agrarmärkte zeigten sich gestern von ihrer schwachen Seite und setzten zurück. Am CBoT färbten sich die Notierungen rot und drohten gar, ins Tiefrote abzugleiten. Weizen war die schwächste Komponente, denn hier wurde auf Schlusskursbasis ein neues Kontrakttief erreicht. Bohne und Mais litten preislich unter den Witterungsbedingungen im Mittleren Westen der USA. Diese sind alles in allem weiterhin sehr vorteilhaft und verheißen wirklich gute Erträge!

Sojabohne: Bären wehren Offensive ab

Als die Bullen frech geworden, wagten sie anfangs der Woche einen Angriff auf die Marke von 11,- US$/bu. Diesem Angriff war aber nur kurzfristiger Erfolg beschieden, denn gestern gewannen die Bären wieder die Oberhand. Der Novembertermin am CBoT verlor 11 cts/bu, um bei 10,95 ¾ US$/bu zu schließen. Die vereinzelten Trockennester im Mittleren Westen haben offensichtlich an Schrecken eingebüsst, denn die Bären waren nun diejenige Marktpartei, die mit dem Argument des Wetters zu Felde zogen und die Preisbildung in Besitz nahmen. (Wir deuteten gestern bereits an, dass die gleichlautenden Wetterkommentierungen in den Nachrichtenblättern des Agrarmarktes den Kern der Sache nicht zu treffen imstande waren und der Betrachtungshorizont ausgedehnt werden müsse. Aus Zeit- und Platzgründen können wir aber an dieser Stelle die Thematik nur am Rande streifen, denn eine eingehende Betrachtung bedeutete ein weites pflanzenbauliches Ausholen.) Dennoch muss man festhalten, dass die Bullen nicht weit zurückgedrängt werden konnten und den 10-Tage-Durchschnitt mit Bravour haben halten können.
 
An der US-Exportfront werden weiter munter Geschäfte getätigt. Gestern waren es 135 tsd Tonnen Sojaschrot, die die USA an eine unbekannte Destination verkauften. Die Exporte der USA sind sowohl alt- als auch neuerntig sehr stramm. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass sich hieran etwas ändern wird.
 
An der Matif ging´s heiß her. Der Markt brach zwischenzeitlich ein, konnte sich aber sogleich wieder erholen. Am Ende des Tages war der Verlust von 5,- € vergessen, und der November legte 0,75 €/mto zu. Der Schlusskurs lag bei 332,75 €/mto.

Weizen macht neues Kontrakttief

Der Septembertermin am CBoT verlor gestern dicke 14 ½ cts/bu und schloss bei 5,20 ½ US$/bu. Damit verzeichnete der Termin ein neues Kontrakttief und konnte die Unterstützung bei 5,20 nur mit äußerster Anstrengung halten. Aus Sicht der Bullen muss diese Marke unbedingt halten, denn andernfalls käme es zu einem charttechnischen Supergau, vor dem es sich in Acht zu nehmen gilt. In den USA selbst konnte man nichts Neues erfahren, da die Nachrichtenlage beim alten blieb. Man registrierte aber aufmerksam die internationalen Entwicklungen und stellte fest, dass neben der Weizenernte Russlands auch diejenige der Ukraine nach oben geschraubt wurde.
 
AgroConsult passte seine Prognose hinsichtlich der ukrainischen Getreideernte in 2014 an. Man geht nun von insgesamt 57,4 mio Tonnen Getreide aus (zuvor 55,3 mio to). Hiervon entfallen 21 mio Tonnen auf Weizen. Die letzte Prognose bezifferte sich auf 20,5 mio Tonnen. Die Exporte der Ukraine veranschlagte man im Hause AgroConsult übrigens mit 31,7 mio to. Das stellte eine Aufwärtskorrektur von fast 7% zur letzten Schätzung dar.
 
Für den nordafrikanischen Markt war eine Meldung aus Marokko von Belang. Die Marokkaner werden mit Wirkung zum 1. September ihren Importzoll auf Weizen von 45% auf 17,5%. In dieser Maßnahme erblickt der Markt ein Indiz für einen ungewöhnlich frühen Start der marokkanischen Importkampagne. Dem ist nicht zu widersprechen. An der Matif verlor man 3,25 im November und machte mit 175,-€ glatt ebenfalls ein neues Tief.

Mais im Minus

Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 5 ½ cts/bu und settelte bei 3,71 ¼ US$/bu. Die längerfristigen Witterungsausblicke sehen nun Regenchancen vor und drückten die Notierungen für Mais und Bohne am CBoT nach unten. Man muss aber sowohl der Bohne als auch dem hier in Kommentierung stehenden Mais zugute halten, dass keine neuen Kontrakttiefs verzeichnet wurden. Dieses bäurische Szenario beschränkte sich auf den Weizen. AgroConsult hat seine Prognose hinsichtlich der ukrainischen Maisernte in 2014 verbessert. Ging man zuvor noch von 25,5 mio Tonnen aus, wies AC in seiner jüngsten Schätzung 27,0 mio Tonnen. Am Kap der guten Hoffnung ist man selbiger und hob seine Produktionsaussichten an. Südafrika erwartet nunmehr eine Maisernte oberhalb der 14 mio Tonnen-Marke. An der Matif ging´s etwas runter, und der November schloss bei 155,50 €/mto.

USA: Dried Distillers Grains…Rinder könnten helfen

Die chinesische Forderung nach Zertifikaten genfreiem Dried Distillers Grains ist seitens der USA nicht ohne weiteres zu erfüllen. Das kann man an den fallenden Preisen auf dem us-amerikanischen Kassamarkt ablesen. Allein am Montag haben die Preise in den USA 5 – 15 US$Tonne nachgegeben. Ein Ausfall bzw. eine Reduktion der DDG-Exporte aus den USA in Richtung China würde sicherlich den Marktkompass ein Stück weit neu ausrichten, aber es ist nicht so, dass es keine Inlandsnachfrage gibt. Die USA haben zwar derzeit die kleinste Rinderherde seit Anfang der 50er Jahre, aber die Schlachtzahlen der weiblichen Tiere zeigen, dass man offenbar dabei ist, die Herden großmaßstäblich zu remontieren. Das wird nicht über Nacht geschehen können, aber der Prozess ist auf breiter Front in Gang gekommen.

Eurex-Kartoffeln: Wie gewonnen, so zerronnen

Jetzt haben wir den Salat, den Kartoffelsalat…sozusagen. Die Gewinne vom Vortag wurden am Dienstag wieder abgegeben. Der Apriltermin gab 0,40 €/dt nach und settelte wieder bei 7,40 €/dt. Der Umsatz war mit 159 Kontrakten mittelprächtig ausgeprägt. Vom Kassamarkt kamen wieder einmal keine Impulse; die Industrie wartet ab. Das Butzchen und das weiße Sortiment blieben leider ohne Umsatz. Das war sehr schade.
 

Chinas Schrottkredite

Die chinesische Bankenaufsicht hat fünf Regionen in China erlaubt, Firmen zu Gründen, die Schrottkredite (non performing loans) aufzukaufen. Im besonderen handelt es sich hierbei um die Provinzen Shanghai, Guangdong, Zhejiang, Jiangsu und Anhui. Die neu zu gründenden „Asset Management Companies“ haben dann die Möglichkeit, gedankenlos vergebene Schrottkredite von Banken, Gebietskörperschaften, Fonds und weiteren Finanzinstituten aufzukaufen. Die Non-performing Loans haben im ersten Quartal 2014 einen rasanten Sprung gemacht. Kredite in einer Größenordnung von 8,7 Mrd. US$ sind den Kreditgebern um die Ohren geflogen. Das war das größte Wachstum an kollabierenden Krediten innerhalb eines Quartals seit dem Jahre 2005.
 

McDonalds gehen in Asien die Hamburger aus

Den Filialen von McDonalds in Shanghai und Peking gehen die Hamburger aus. Der Fleischskandal um die Husi Food hat die Versorgungskette derart unterbrochen, dass man in den betroffenen Restaurants dazu übergegangen ist, den Kunden Fischbrötchen zu empfehlen. Wohl bekomm´s!
 

DAX im Plus

Die Ertragssaison in den USA kann mit teils guten Unternehmenszahlen aufwarten und stützte die Notierungen an der Wall Street. Im Vorfeld deuteten sich bereits Zugewinne an, sodass man auch in Frankfurt steigende Kurse beobachten konnte. Die Marke von 9600 Punkten wurde zurückerobert.
 
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