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Börsentelegramm

Agrarmärkte drehen ins Minus

von , am
17.06.2014

Die weltweite Maisernte wird 2017/18 um fast 30 Mio. t geringer ausfallen als benötigt wrid. © landpixel
Es hatte in der Nacht zu gestern gar nicht schlecht ausgesehen. Fast alle Vorzeichen der Agrarmärkte waren in grün wiedergegeben. In den Tagessitzungen dreht sich dieses Bild aber jäh um. Die meisten Märkte konnten sich nicht über der Nulllinie halten und sanken in den negativen Bereich ab.
 
Am CBoT drückte es Weizen, Bohne und Mais gleichermaßen ins Negative.

Sojabohne bleibt unter Druck

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 4 ¾ cts/bu und settelte bei 14,22 US$/bu glatt. Der US-Kassamarkt gab den Takt für die Börse in Chicago vor. Mit deutlich ermäßigten Prämiengeboten setzte der Kassamarkt ein bärisches Signal, dem sich der Chicagoer Handel nicht entziehen konnte.
 
Es hatte in den letzten Wochen immer mal wieder Bohnenlieferungen in die USA gegeben, die die Versorgungsbilanz der Amerikaner wenigstens etwas entspannten. Nun hat der Kassamarkt wenigstens kurzfristig hierauf reagiert. Darüber hinaus gestaltet sich das Wetter im Mittleren Westen weiterhin freundlich und fördert die Aufwuchsphase der frisch gesäten Bohnen. Nachbörslich kam das USDA mit den jüngsten Crop Ratings und bonitierte 73% der us-amerikanischen Sojabohnenbestände mit gut bis exzellent. Das war ein marginales Minus von 1% im Vergleich zur Vorwoche. Man liegt aber immernoch sehr komfortabel über dem Vorjahreswert von 64%.
 
Mit 92% ist die Sojaaussaat praktisch abgeschlossen. Das war ein Plus von 5% zur Vorwoche. Der Fünfjahresschnitt liegt bei 90%, sodass man auch im langjährigen Vergleich einen exzellenten Start erwischt hat. Das waren bis hierhin nur bärische Argumente, die den gestrigen Preisdruck erklären.
 
Daneben gab es aber auch mindestens ein preisoptimistisches Element, denn der Verband der us-amerikanischen Ölmühlenwirtschaft NOPA legte seine Verarbeitungszahlen für den Monat Mai vor. Diese lagen mit 128,824 miobus über den Erwartungen von 126,9 miobus. Die Zahlen reichten aber nicht aus, um die tendenzielle Bärigkeit aus dem Markt zu vertreiben. An der Pariser Matif Börse setzte die europäische Rapssaat unterm Strich etwas zurück. Der Augusttermin schaffte zwar zuerst den Sprung in den positiven Bereich, musste sich aber schließlich der bärischen Tageslaune geschlagen geben. Man verlor 1,- € und settelte bei 350,25 €/mto.

Weizen abschlägig

Der Julitermin verlor zu Wochenauftakt am CBoT 4 ¾ cts/bu und settelte bei 5,80 ½ US$/bu. Mit dem gestrigen Verlust wurde das sensible Gleichgewicht, das gerade wieder dabei war, sich im Weizenmarkt einzustellen, zunichte gemacht. Es entstand der niedrigste Schlusskurs seit dem 3. Februar, was den Abwärtstrend weiterhin intakt hält. Neben technischen Verkäufen, die sich einstellten als das Momentum gen Süden Fahrt aufnahm, waren es vor allem die mageren Exportinspektionen, die zu Wochenauftakt den Bullen die Petersilie verhagelte.
 
Die USA haben 396 tsd Tonnen Weizen über ihre Grenzen geschafft, was unter der Markterwartungsspanne von 400 – 525 tsd Tonnen gelegen hat. Da die Weizenernte in den USA im Gange ist und man in den USA auf keinen niedrigen Beständen sitzt, fehlten die Kaufargumente. Nachbörslich bonitierte das USDA 30% der US-Winterweizenbestände mit gut bis exzellent, was unverändert zur Vorwoche war. 16% der Bestände sind bereits geerntet und haben nachrichtlich örtlicher Beobachter eher enttäuscht als zufrieden gestellt. Nichtsdestotrotz steht der Markt weiterhin unter Erntedruck.
 
Das Bild im Sommerweizen gestaltet sich demgegenüber grundlegend besser. Hier stehen 72% der US-Bestände gut bis exzellent auf dem Acker, was ein Plus von 1% zur Vorwoche darstellt. Über 90% sind zufriedenstellend aufgelaufen und verheißen jedenfalls zum jetzigen Moment eine gute Ernte. Im internationalen Markt gab es die üblichen Tenderaktivitäten zu beobachten. Neben Taiwan meldeten sich Tunesien und der Iran im Markt. Der Tunesientender ging über 159 tsd Tonnen, und die Iraner kauften 55 tsd Tonnen Weizen aus Russland.
 
An der Matif befinden sich die Preise in einer Konsolidierungsphase. Man erlebte bei durchschnittlichem Handelsvolumen einen zweiseitigen Handelstag, der am Ende im November ein vernachlässigbares Plus von 0,50 €/mto hervorbrachte. Der Schlusskurs lag bei 187,75 €/mto.

Mais: Wetter belastet

Der Julitermin verlor gestern an der Chicagoer Börse 6 ¼ cts/bu und settelte bei 4,41 ¼ US$/bu. Der Hauptbelastungsfaktor waren die Witterungsbedingungen im Mittleren Westen der USA. Diese geben derzeit nicht den geringsten Anlass zur Sorge. Der Mais wächst und gedeiht prächtig. Es ist sicherlich noch viel zu früh, um in den Statistiken mit sehr guten Durchschnittserträgen zu jonglieren, aber wenn es so weitergeht, sind diese vorprogrammiert.
 
Man vermutete, dass das USDA in seiner wöchentlichen Saatenbestandsbonitur eine entsprechend positive Zahl ausweisen würde. Diese Vermutung bestätigte sich nachbörslich. Die Ministerialstatistiker sahen 76% in gut bis exzellentem Zustand auf den Feldern stehen und nahmen damit diesen Wert im Vergleich zur Vorwoche um 1% nach oben. Im letzten Jahr hatten sich um diese Zeit lediglich 64% der Bestände in Topform präsentiert. Die Saat ist zu 97% aufgelaufen und liegt damit sogar über dem 5-Jahresschnitt. Angesichts der Regenmeldungen für die nördliche Hälfte des Mittleren Westens sollte sich an dem Idealzustand der US-Bestände auch vorerst nichts ändern. Derartige Niederschläge sollten von den Beständen dankbar aufgenommen und pflanzenbaulich umgemünzt werden. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen mit 1,102 mio Tonnen innerhalb der Erwartungen und mussten deshalb als marktneutral eingestuft werden.
 
Der Junimais an der Matif schiebt sich weiter seitwärts. Gestern war er zu überhaupt keiner Preisveränderung mehr fähig und settelte mit 181,50 €/mto auf Freitagsniveau.

Eurex: Krasse Kehrtwende zu Wochenauftakt

In der letzten Woche konnte man Kurssprünge in der Kartoffel bestaunen. Der Apriltermin war angesichts der als zu trocken wahrgenommenen Bedingungen in Holland mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Gestern nun die dramatische Kehrtwende, der Apriltermin 2015 eröffnete bei 13,- €/dt glatt und stürzte sogleich ab. Mit 12,1 €/dt war man gerade noch eben imstande, die 12,-er-Marke zu halten. Sollte man das gegenwärtige Niveau nicht strukturell verteidigen können, droht ein Absturz auf mindestens 11,- €/dt.
 
Der Kassamarkt blieb eher still und hielt sich mit der Bestätigung der sinkenden Notierungen zurück. Das dürfte sich im Laufe der Woche aber ändern. Der Rest der agrarischen Aktivität war leider nicht der Rede Wert.

DAX im Minus

Das deutsche Aktienbarometer DAX verlor gestern 29,89 Punkte und settelte bei 9883,98 Zählern. Die politischen Krisen, die sich in manchen Ländern bereits zu Bürgerkriegen ausgewachsen haben, verunsichern derzeit die Anleger. Dass die Verluste in überschaubaren Grenzen gehalten werden konnten, wird auf die Rechnung unerwartet guter US-Konjunkturdaten gesetzt. 




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