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Börsentelegramm

Agrarmärkte driften auseinander

von , am
22.05.2014

Der Herbizideinsatz im Gen-Maisanbau ist aufgrund von Resistenzen wieder gestiegen. © landpixel
Am CBoT legte die Bohne die mit Abstand beste Performance hin und zog kräftig an. Insbesondere wirkten sich die festen Sojaschrotpreise kurstützend aus. Das gegenteilige Bild bot sich im Getreide dar.
 
Die Weizennotierungen erwiesen sich als unfähig, ein Mindestmaß an Stärke aufrecht zu erhalten. Die Maispreise traten nach den stark abschlägigen Kursen der letzten 10 Tage auf der Stelle. Die Rohölnotierungen in New York waren derart stark, dass sie ihre bisherigen Jahreshöchststände hinter sich ließen und neue Hochs verzeichneten. Für den Julitermin werden derzeit etwa 104,- US$/Fass bezahlt. Die Finanzmärkte frohlockten ob der Aussicht auf weiteres Billiggeld aus der Notenpresse und stiegen ebenfalls an.

Soja: Schrot attackiert die 500,- US$-Marke

Die Julibohne legte gestern äußerst komfortable 36 cts/bu zu und settelte bei 15,07 US$/bu. Damit ist die Marke von 15,- US$/bu von den Bullen erstürmt worden. Dieses Vorhaben musste am Tag zuvor noch abgebrochen werden, weil sich der Verkaufdruck an dieser Marke als zu intensiv erwies. Dank sehr strammer Sojaschrotnotierungen, die gestern die 500,- US$-to-Marke haben ernsthaft aufs Korn nehmen können, blieben die Bullen gestern in der Bohne siegreich.
 
Inmitten der als preisbelastend empfundenen Aussaat strömte den Marktteilnehmern gestern die alterntige Knappheit der US-Bohne ins Bewusstsein zurück, sodass es insgesamt nicht schwer fiel, den Markt mit Kauforders zu bombardieren. Von der freundlichen Entwicklung wurden charttechnisch orientierte Händler angelockt, die in ein anziehendes Aufwärtsmomentum neue Longpositionen eingingen und dem gestrigen Kursschwung zusätzliche Substanz verliehen.
 
Die Nachrichtenticker hatten gestern nicht viel zu bieten. Hier und da wurde ein marktüblicher Geschäftsabschluss gemeldet. Darüber hinaus gab es praktisch nichts Wesentliches zu berücksichtigen. An der New Yorker Börse konnten sich die Rohölnotierungen wegen knapperer US-Ölbestände zu neuen Jahreshochs emporschwingen, sodass auch die äußeren Rahmenbedingungen für die starke Bohnenperformance gegeben waren. Das gilt trotz schwächerer Pflanzenölpreise.
 
An der Matif erlebte man einen zweiseitigen Handelstag, an dem die Notierungen hin und her schwappten, um sich schließlich für die rote Marktseite zu entscheiden. Der November verlor 1,25 € und schloss bei 361,25 €/mto.

Weizen wackelt

Der Julitermin verlor gestern 5 ¾ cts/bu und settelte am CBoT bei 6,63 ½ US$/bu. Der Weizenmarkt ist hin- und hergerissen von extrem bärischen und extrem bullischen Ansichten. Die Bullen verweisen in ihrer Argumentation auf den mangelhaften pflanzenbaulichen Zustand des US-Weizens und auf die unterstützende Wirkung des 200-Tageschnitts am CBoT. Darüber hinaus erwarten die Russen in der nächsten Woche in südlich gelegenen Anbaugebieten eine wenig gedeihliche Hitzewelle.
 
Die Bären sind aber um kein Argument verlegen und führen die üppigen alterntigen Bestände Kanadas, sowie die verbesserte Situation in Australien an. Es macht den Eindruck, als hätten die Weizennotierungen in Übersee auf gegenwärtigem Preisniveau nicht die eigene Überzeugungskraft, sich entweder zur absoluten Bulligkeit oder zur absoluten Bärigkeit zu entscheiden. Also schiebt man sich bei leicht abschlägiger Tendenz seitwärts. Den Bären spielt aber der jüngste Wetterforecast in die Hände, denn in den US-Winterweizenregionen (Plains) besteht nun eine echte Chance auf Regen, der keinen Bogen um das Trockenzentrum im Westen macht. Ob die Pflanzen hiervon noch profitieren können, muss aber abgewartet werden. Einige Beobachter bestreiten dies und wissen ihre Ansicht fundiert zu begründen. Wenn auch nicht auf dem Feld, so findet doch eine Erleichterung in den Köpfen der Börsianer statt.
 
Daneben herrschen in Europa fast ideale Bedingungen, um mindestens gute Erträge zu realisieren. Eine diesbezügliche Umfrage, von Reuters durchgeführt, sah gestern die zu erwartende Weizenproduktion Europas bei 137,5 mio Tonnen. Das wäre die höchste Produktionsmenge seit sechs Jahren, so sie sich denn realisieren ließe. Im letzten Jahr hatten wir in Europa 134,3 mio Tonnen ernten können. Im internationalen Markt beendeten die Jordanier ihren Einkaufstender und buchten 50 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft für Septemberandienung. Wenig überraschend ließ der Irak die teuren internationalen Offerten kalt lächelnd stehen und kaufte 150 tsd Tonnen Weizen russischer Herkunft für September-Oktoberabwicklung.
 
An der Matif gab´s für die Bullen nichts zu holen. Zwar keimte zu Anfang ein kleines grünes Hoffnungspflänzchen auf, jedoch entpuppte sich dieses als Unkraut. Der Markt entschied sich für die bärische Seite und gab nach. Im Novembertermin verlor man 1,- €/mto und schloss bei 198,75 €/mto.

Mais tanzt auf der 200-Tagelinie

Der Julimais am CBoT verlor gestern ¼ cts/bu und schloss bei 4,73 ½ US$/bu. Die Maisnotierungen am CBoT konnten sich nicht aus der Umklammerung der rasch voranschreitenden Aussaat in den USA lösen. Man musste zulassen, dass jeder zaghafte Anflug von Stärke sogleich im Keim erstickt wurde. Das Positive, das sich herausheben lässt, ist die Tatsache, dass sich die 200-Tagelinie noch als Kursstütze erweist. Im Monat Juli verläuft diese derzeit bei 4,73 US$/bu. Der Markt tanzt also wie auf einem Vulkan auf dieser charttechnischen Schlüsselunterstützung. Ein Durchbruch wäre sehr bedrohlich für die Bullen, die dann sicherlich ihre Hörner auf Stummelgröße abgeschliffen bekämen.
 
Positiv wirkte sich allerdings die gute US-Ethanolproduktion aus, die mit 925 tsd Fass/Tag den höchsten Wert seit vier Wochen angenommen hat. Die hieraus resultierenden Dried Distillers Grains fanden im Monat April einen rekordhohen Absatz nach China. Die Zollbehörde meldete DDG-Importe in Höhe von 613,6 tsd Tonnen. An der Matif schoben sich die Notierungen seitwärts. Der November schloss bei 182,- €/mto glatt.

Kartoffel: Abwärtstrend intakt

Man musste kein Genie sein, um die strukturell schwache charttechnische Situation der Veredelungskartoffel zu erkennen. Gestern trat der Fall ein, vor dem wir in den vergangenen Börsentelegrammen warnten. Der Apriltermin 2015 durchbrach seine Unterstützung bei 12,- €/dt. Es ist sicherlich nicht so gewesen, als hätten die Bullen gestern ihre Sterbeurkunde ausgestellt bekommen, aber der Durchbruch durch die 12,-€-Marke hatte nicht den Charakter einer kurzfristigen Verletzung, sondern deutete auf Nachhaltigkeit hin. Ohne rasche Zurückeroberung dieses Niveaus droht die unmittelbare Gefahr, dass sich die Kartoffel hierunter fest etabliert. Am Ende des Tages hatte der Apriltermin 0,50 €/dt verloren und bei 11,70 €/dt seinen Settlement gefunden.
 
Der Kassamarkt sendete die gleichen schwachen Signale aus und nahm seine Quotierungen zurück. Wer seinen Augen etwas Erholung von fallenden Kursbildern gönnen wollte, musste seinen Blick ins weiße Sortiment richten. Umsatz fand zwar nur in der Butter statt, die im Monat Juni zehnmal bei 3450,- €/mto ihren Besitzer wechselte. Das war ein angenehmes Plus von 31,- €/mto. Im Magermilchpulver gab es zwar keine Umsätze zu bestaunen, aber die Geldkurse zogen deutlich an. Es fanden sich allerdings keine Verkäufer. Das Mastschwein grunzte auf zwei Terminen dreimal auf. Mit zwei Kontrakten lag der Umsatzschwerpunkt auf dem Junitermin, der bei 1,715 €/kg Schlachtgewicht unverändert aus dem Handel ging.

Zucker: Versorgungsdefizit in 2014/15 sicher

Die neue Weltzuckerbilanz im Wirtschaftsjahr 2014/15, beginnend am 1. Oktober 2014, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit defizitär und somit vom Abbau von Lagerbeständen gekennzeichnet sein. Nach drei fetten Jahren, in denen jeweils die Produktion den Verbrauch deutlich überwog, stellt sich nunmehr die umgekehrte Tendenz ein. Nicht nur die Brasilianer haben witterungsbedingte Ertragsdefizite zu verdauen, sondern in China und Mexiko hat es deutlich weniger Anbauintensität gegeben als in den Vorjahren. In Thailand trägt zudem die instabile politische Situation zur allgemeinen Unsicherheit bei.
 
Kingsman SA bekräftigte einmal mehr, dass das Zuckerdefizit der neuen Kampagne bis zu 3 mio Tonnen betragen könne. Die alterntigen Überhangbestände werden allerdings vom USDA mit 43,38 mio Tonnen angegeben, sodass man problemlos von seiner Substanz zehren kann. Übertriebene Preishoffnungen sind also Fehl am Platze. Der Julitermin in NY schloss bei 17,44 und verlor damit 0,14 cts/Pfund.

DAX festigt sich im Handelsverlauf

Das deutsche Aktienbarometer war gestern zu nichts zu bewegen. Am Vormittag dümpelte man in den Kielwellen des Vortages, ohne dass man gesteigertes Interesse hätte feststellen können. Wieder einmal wartet man auf das Sitzungsprotokoll der us-amerikanischen Notenbank FED, ob nicht manch Geheimnis würde kund. Janet Yellen ist ein noch größerer Gelddrucker als es Ben Bernanke gewesen ist, sodass es in dieser Hinsicht keinerlei Unsicherheit gibt. Zuletzt hatte sie zwar leicht steigende Zinsen angekündigt, hielt diese Ansage aber nur genau elf Tage aufrecht. Danach ruderte sie eifrig zurück und behauptete das Gegenteil. Zu stark war der Druck des Marktes.
 
Der DAX nahm mit einem Plus von 58,79 Punkten und einem Schlussstand von 9697,87 Zählern die 9700er-Marke ins Visier.



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