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Börsentelegramm

Agrarmärkte weiter unter Druck

von , am
11.09.2014

© Rainer Sturm
Auch am dritten Handelstag der Woche dominierte die rote Farbe an den Kurstafeln. Den schlimmsten Verlust hatten die Kaffeenotierungen zu verkraften. Hier ging es über 5,5 % talwärts. Zucker präsentierte sich in ähnlich schwacher Verfassung, dicht gefolgt vom Weizen. Mais und Sojabohne schafften am CBoT unbedeutende Gewinne.
 
Die Kernfrage, die sich hinsichtlich des heutigen WASDE-Reports stellt, ist nicht diejenige nach der finalen Ausgestaltung der einzelnen Zahlen, sondern diejenige nach der grundsätzlichen Bereitschaft des USDA´s, notwendige Anpassungen jetzt vorzunehmen oder erst im Oktober, wenn flächendeckend repräsentative Druschergebnisse vorliegen.
 
Das USDA ist in seinen Einschätzungen ungefähr so gradlinig wie eine Heizspirale, sodass in dieser Frage die eigentliche Unwägbarkeit und die nicht zu unterschätzenden Gefahren verborgen liegen. Um 18:00 Uhr werden wir schlauer sein!

Sojabohne bleibt ruhig

Die Novemberbohne legte gestern 1 ct/bu zu und settelte bei 9,93 ¾ US-Dollar/bu. Der Handel war durch abwartende Grundstimmung gekennzeichnet, sodass wir im Vorfeld des heutigen USDA-Berichts keine neuen Hinweise auf die preislichen Reisepläne des Bohnenmarktes erhielten.
 
Die Linn Group bezifferte gestern die US-Bohnenernte 2014 mit rekordhohen 3,959 Mrd. Scheffel. Der Durchschnittsertrag wurde mit 47,1 bu/Acre veranschlagt. Das USDA ging in seinem Augustreport noch von 45,4 bu/Acre und einer entsprechend geringeren Gesamternte aus. Aber heute Abend gibt es ja die neuen Prognosen des USDA. Der Markt erwartet diesbezüglich im Durchschnitt eine US-Bohnenernte von 3,883 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 46,29 Scheffel/Acre.
 
Die Palmölpreise sind seit Wochen im freien Fall und haben zeitweise sogar die Marke von 2000 Ringgit/Tonne durchbrochen. Gestern kamen Bestandszahlen aus Malaysia heraus, die einen Palmölbestand für den Monat August in Höhe von 2,054 mio Tonnen auswiesen. Damit sind die Bestände noch einmal kräftig gewachsen, denn im Vormonat lagen diese "nur" bei 1,684 mio Tonnen.
 
Es gibt aber von der Nachfrageseite her Hoffnung, denn die bisherigen Palmölexporte des laufenden Monats September 2014 liegen etwa 40% über denjenigen des letzten Jahres. Gestern ging es in Paris stärker abwärts. Der November brach zeitweise um über 3,- Euro ein und testete die Unterstützung bei 320,- Euro. Der Test wurde aber bestanden, und die Kurse erholten sich wieder. Am Ende blieb dennoch ein Minus von 0,75 Euro übrig, sodass man den Schlusskurs mit 323,25 Euro ausweisen musste.

Weizen schlittert talwärts

Am CBoT verloren die Weizennotierungen im Dezembertermin 7 ¾ cts/bu und settelten bei 5,19 ¾ US-Dollar. Die strukturell schwachen Maisnotierungen im Verbund mit dem Respekt vor dem heutigen WASDE-Report gaben die Notierungen nach. Der Handel war insgesamt von abwartender Haltung geprägt. Da sich sonst kein Agrarjournalist des folgenden Aspekts annimmt, wollen wir einmal die Gelegenheit ergreifen, dies zu tun.
 
Es wird derzeit völlig zurecht darauf hingewiesen, dass der schwache Euro, der infolge der von Mario Draghi in Aussicht gestellten geldpolitischen Lockerungen stark gefallen ist, den Weizenexport aus der EU erleichtert. Hierin sieht man Grund zum Optimismus, denn schließlich laufen die EU-Weizenexporte trotz aller Schwarzmeerkonkurrenz bislang sehr gut. Das genannte Argument hat aber noch eine unerfreuliche Kehrseite, denn ein relativ schwacher Euro bedeutet auch einen relativ starken US-Dollar. Und ein starker US-Dollar erschwert den USA ihre Weizenexporte, was substanzielle Preisrallyes am CBoT verhindert.
 
Mit anderen Worten, die US-Märkte werden es kaum bewerkstelligen können, unserer Matif einen äußeren Grund für Preissteigerungen zu liefern. (Liebe Guttenbergs, bitte nicht wieder alles abschreiben!!!)
 
Das französische Agrarministerium hat die eigenen außereuropäischen Weizenexporte mit 8 mio Tonnen veranschlagt. Das entspricht einem Einbruch von knapp 35% zum Vorjahr. Die Qualitätsprobleme der französischen Ware sind hieran ursächlich. Die Exporte in europäische Mitgliedsstaaten wurden mit 8,1 mio to veranschlagt, was einen Zuwachs um 18,5% zum letzten Jahr darstellt. Die Weizenendbestände wurden auf 3,9 mio to geschätzt. Das ist ein Zwölfjahreshoch.
 
Hinsichtlich der Qualität der französischen Ernte sprach AgriMer von einem durchschnittlichen Proteingehalt von 11,1% (11,2% im Vorjahr). Die Fallzahlen von 46% des geernteten Weizens bewegten sich über 220 sec. und das spezifische Gewicht betrüge 76,3 kg/hl (77,6 kg/hl in 2013). An der Matif schlotterten die Knie der Marktteilnehmer. Man prügelte den Markt 2,- Euro runter, was im November zu einem Schlusskurs von 167,25 Euro/mto führte.

Mais am CBoT seitwärts, an der Matif abschlägig

Der Dezemberkontrakt legte gestern bedeutungslose 1 ½ cts/bu zu und settelte bei 3,45 ¾ US-Dollar/bu. Auch hier zeigte sich der Markt zurückhaltend ob des heutigen WASDE-Berichts. Man passte hier und da die Positionen seinen Erwartungen an, nicht mehr und nicht weniger. Neben der Soja- hat die Linn Group gestern auch die neue Maisernte in den USA geschätzt. Die gesamte US-Maisproduktion wurde auf 14,671 Mrd. Scheffel veranschlagt. Der Zahl liegt ein Durchschnittsertrag von 174,65 bu/Acre zugrunde.
 
Zum Vergleich, das USDA hatte in seinem Augustreport noch von einem Durchschnittsertrag von 167,4 bu/Acre gesprochen. Für den heutigen Report erwartet der Markt im Durchschnitt eine US-Maisernte in Höhe von 14,288 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 170,74 Scheffel/Acre. Die Getreidebörse in Rosario sieht die neue argentinische Maisfläche 2014/15 bei 3,7 mio Hektar. Diese Aussaatfläche läge mit 700 tsd Hektar signifikant unter derjenigen des letzten Jahres.
 
Die Flächenreduktion wird auf die erhöhten Produktionskosten zurückgeführt. Was hiesige Gefilde anbelangt, so gab es ebenfalls Zahlen zu hören. Die französische Maisernte 2014 wurde von AGPM (Produzentenvereinigung) auf 17,25 mio Tonnen geschätzt. Diese Zahl liegt deutlich über der Produktion des letzten Jahres von "nur" 14,73 mio Tonnen. Gleichzeitig veranschlagte AgriMer, der statistische Arm des Ministeriums, die französischen Maisendbestände 2014/15 wurden auf 3,9 mio to geschätzt. Das wäre ein Achtzehnjahreshoch. Der Novembermais verlor in Paris weitere 2,- Euro und schloss bei 142,75 Eur0/mto.

Saatgutpreise fallen…aber nicht überall

Die multinational agierenden Saatgutfirmen wie Monsanto und DuPont fahren derzeit eine sehr selektive Preisgestaltungsstrategie. Die gefallenen Agrarrohstoffpreise haben vielerorts die Erlöse der Farmer unter die Produktionskosten purzeln lassen. Auf diese Entwicklung wird seitens der Agrarindustrie zwar reagiert, aber nicht überall.
 
In Südamerika können sich die Farmer derzeit beispielsweise über deutlich fallende Saatgutpreise beim Mais freuen. Diese Entwicklung ist derzeit in den USA noch nicht einmal in Ansätzen beobachtbar. Allerdings sei erwähnt, dass die nächste Maisaussaat in den USA erst in sechs Monaten stattfinden wird. Erste Anfragen bei den Saatgutunternehmen haben aber bereits ergeben, dass man nicht plane, in den USA die südamerikanische Preispolitik zu duplizieren.
 
Sollte dies tatsächlich so kommen, hätte der amerikanische Landwirt einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber seinen südamerikanischen Berufskollegen zu verkraften, der hundertprozentig auf seine Anbauentscheidung im nächsten Jahr Einfluss nähme. Um seine Marktanteile in Südamerika zu verteidigen, hat man die Preise für Maissaatgut in Brasilien bereits um ca. ein Drittel gesenkt. Man will verhindern, dass die Aussaatfläche noch weiter schrumpft. In den USA glaubt man hingegen, dass der US-Farmer in jedem Fall die geforderten Saatgutpreise bezahlen wird. Ob sich da mal nicht täuscht! Bliebe aus kaufmännischer Sicht zu prüfen, ob man aufgrund des Preisunterschiedes Reimporte in die USA tätigen kann, um die Kosten zu senken.

Eurex-Kartoffel: Umsätze steigen, Preise fallen…

Die Veredlungskartoffel hat bei deutlich belebter Umsatztätigkeit weiter an Boden verloren. Gestern konnte der Markt ein Gesamtvolumen von guten 228 Kontrakten auf sich vereinen. Preislich ging es allerdings weiter bergab. Der Apriltermin 2015 testete die Marke von 6,- Euro/dt. Man konnte das Level verteidigen, aber viel fehlte nicht und die Unterstützung wäre zu Bruch gegangen.
 
Der physische Markt bleibt weiterhin exzellent versorgt, denn zum einen gibt es noch freie alterntige Ware, die händeringend einen Abnehmer sucht und andererseits geht´s in Kürze mit Mengen aus der neuen Ernte los. Auf nahe Sicht ist keine strukturelle Preiserholung zu erwarten, und der Trend an der Börse ist weiterhin klar abwärts gerichtet. Der April 2015 schloss bei 6,10 Euro/dt.
 
Anders als im Schweinesegment gab es im weißen Sortiment moderate Umsatztätigkeit zu beobachten. Neben der Butter, die auf verschiedenen Terminen mit Preisabschlägen von bis zu 50,- Euro/to gehandelt wurde, schaffte auch das Molkenpulver einen seiner seltenen Umsätze. Der Februartermin 2015 wurde zehnmal zwischen 820,- und 830,- Euro/to gehandelt. Das war sehr erfreulich.

Zuckerpreise im freien Fall

Die indische Regierung legte gestern verschiedene Einschätzungen im Agrarmarktbereich vor. Was Zucker anbelangt, so bekräftigte der Landwirtschaftsminister, dass die Zuckerproduktion des Landes nicht hinter der Nachfrage zurückbliebe. Gestrige Verluste lassen sich sicherlich nicht monokausal mit der Einschätzung aus Indien begründen, aber das bärische Versorgungsbild wurde hierdurch einmal mehr komplettiert. In New York verlor der Oktobertermin fast 3% und schloss bei 14,47 cts/Pfund.

DAX seitwärts

Der ungelöste Pilotenstreik im Hause der Lufthansa belastete auch gestern den DAX in Frankfurt. Im Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft zeichnet sich bislang keine Einigung ab, sodass die Drohkulisse weiterer Streiks im Hintergrund wirkt. Gestern büßte das deutsche Aktienbarometer 10 Punkte ein und schloss bei 9.700 Zählern.
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