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Börsentelegramm

Agrarmärkte durchwachsen

von , am
19.08.2014

Die neue Woche wurde vom Agrarbereich ohne größere Preisverschiebungen eingeläutet. Auf eine einheitliche Tendenz konnte man sich nicht einigen. Am CBoT legte die Bohne leicht zu. Weizen und Mais gaben nach.

© Gina Sanders/fotolia.de
Die verbesserte politische Lage zwischen Russland und der Ukraine brachte vor allem die Weizennotierungen unter Druck. Die Zuckernotierungen stachen mit ihren Verlusten etwas hervor, weil sie in New York im Begriff sind, die alten Tiefststände ernsthaft zu gefährden. Der Oktobertermin hat dies bereits getan! Wenn die Bullen nicht sofort das Ruder in die Hand nehmen können, drohen weitere empfindliche Abschläge.
 
Sojabohne etwas fester
Die Novemberbohne legte gestern am CBoT 4 ¼ cts/bu zu und settelte bei 10,55 ½ US$/bu. Der Handelstag der Bohne verlief in ruhigen Bahnen. Es gab keinen Anlass für den Markt, aus dem Gleis der Gewohnheit zu springen, obwohl wir uns derzeit in der sensibelsten Phase der Ertragsbildung befinden. Die jüngsten Regenfälle haben die guten Ertragsaussichten in den USA sicherlich noch einmal bestätigt, aber um wirklich gute Erträge realisieren zu können, muss noch weiterer Regen fallen! Das dürfen wir trotz allem Optimismus nicht aus den Augen verlieren. Die Fonds fahren derzeit eine große Shortposition in der Bohne und rechnen demzufolge mit einem vollen Durchschlagen der saisonalen Abwärtstendenz. Wenn die Bohne aber einen Grund finden sollte anzusteigen, würde die Treibladung der Fonds sicherlich sofort zünden und den Markt nach oben schießen lassen. Fehlender Regen in den nächsten zwei bis drei Wochen wäre ein solcher Grund. Das USDA veröffentlichte nachbörslich seine Bestandsbonitierungen. Bei der Bohne hat sich die Lage um 1 Prozent (%) verbessert. Momentan stehen 71% aller US-Bohnen gut bis exzellent auf dem Acker. Die Bestände haben praktisch vollständig ausgeblüht bzw. befinden sich noch in den letzten Zügen der Blühphase. Bei 83% aller Pflanzen lässt sich die Schotenbildung beobachten. Der brasilianische Ölmühlenverband Abiove erwartet die Sojaexporte Brasiliens im Jahre 2014 bei 45 mio to. Das wäre 1 Million (mio) Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Rapsnotierungen bewegten sich gestern kaum. Der Novembertermin büßte in Paris 0,25 Euro ein und settelte bei 321,50 Euro/mto. Der Raps braucht einen äußeren Anlass um anzusteigen. Aus sich heraus ist es ihm derzeit nicht möglich, substanzielle Rallyes zu veranstalten. Eine Shortcoveringrallye in der Bohne würde einen solchen Anlass darstellen.
 
Weizen abschlägig
Am CBoT verlor der Dezembertermin 10 cts/bu und settelte bei 5,53 ¾ US$/bu. Insbesondere die sich entspannende Lage zwischen der Ukraine und Russland brachten gestern die Weizenpreise unter Druck. Am Freitag traf plötzlich die Meldung auf den Markt, dass die Ukraine den russischen Hilfskonvoi angegriffen habe, was die Weizenpreise weltweit augenblicklich anstiegen ließ. Dieser Spuk ist nun wieder vorbei. In den USA fürchtet man aber weiterhin das Exporttempo Russlands, das mindestens bis Weihnachten das internationale Geschäft dominieren wird. Aufgrund der internationalen Sanktionen gegen Putin, sind die Zinsen in Russland angezogen, was den russischen Weizenexport anheizt. Die Marktteilnehmer brauchen Geld, um die Kredite bei den Banken zu bezahlen. Aber auch ohne diesen zusätzlichen Faktor haben wir erwarten müssen, dass Russland angesichts seiner großen Weizenernte erst einmal der dominante Versorger sein würde. Am Abend kam das USDA mit dem Crop Ratings heraus und veranschlagte die US-Sommerweizenbestände noch zu 68% mit gut bis exzellent. Hier hatte der Markt keine Veränderung zu den 70% in der vorangegangen Woche erwartet, sodass die Zahl einen leicht bullischen Charakter besaß. Allerdings konnte sich dieser in der Preisbildung nicht durchsetzen. Die Getreidebörse in Buenos Aires hat am Freitag letzter Woche ihre jüngste Flächenprognose für Argentinien abgegeben. Die Weizenfläche im Silberland wurde von 4,2 auf 4,1 Mio. Hektar (ha) reduziert. Der Grund sind regionale Starkregenfälle, die eine Aussaat verhinderten. Dennoch liegt man mit dieser Fläche 500 tsd ha über derjenigen des letzten Jahres. An der Matif gab man ebenfalls nach, nachdem sich die Meldung über einen ukrainischen Angriff als Ente entpuppt hatte. Der November verlor 2,- Euro und settelte bei 171,75 Euro.
 
Mais setzt wieder zurück
Nach den kleineren Zugewinnen in der letzten Woche begrüßte man am CBoT die neue Handelswoche mit Abschlägen. Der Dezembertermin verlor 6 ½ cts/bu und settelte bei 3,70 ¾ US$/bu. Die Verluste im Weizen belasteten auch den Mais. Daneben erinnerte man sich an die exzellenten Ertragsaussichten in den USA und nahm die Verkaufsseite des Marktes ein. Die Pro Farmer Crop Tour hat begonnen, bei der Pflanzenbauexperten durch den Mittleren Westen der USA fahren, um vor Ort eine Inaugenscheinnahme der Bestände vorzunehmen. Daneben werden Daten über den Entwicklungsstand der Maiskolben erhoben, um eine Gesamtbewertung des Ertragspotentials vorzunehmen. Für die Hochburgen des Ackerbaus in den USA werden dann entsprechende Ergebnisse veröffentlich. Für South Dakota schätzte man einen Durchschnittsertrag von 152,71 Scheffel/Acre. Im Vergleich zu den 161,75 des letzten Jahres war dies enttäuschend. Für Ohio wies man 182,11 Scheffel/Acre aus, was einen Rekordwert darstellt. Das USDA sah nachbörslich noch 72% aller US-Maisbestände in gutem bis exzellentem Zustand auf dem Acker stehen. Das war ein Minus von 1% zur Vorwoche. An der Matif verlor der November 1,50 Euro und settelte bei 153,- Euro/mto glatt.
 
Russland verhandelt mit Argentinien
Als Vergeltungsmaßnahme gegen die EU-Sanktionen hat Russland seine Grenzen für Nahrungsmittel gegen die EU, USA, Kanada, Australien und Norwegen dicht gemacht. Das ist für Moskau nicht ganz unproblematisch, denn in einigen agrarischen Bereichen ist man auf Importe angewiesen. Um diese sicherzustellen, führen die Russen heute und morgen Gespräche mit Argentinien. Ein besonderes Augenmerk dürfte auf Molkereiprodukten liegen. Die EU hat Norwegen derart stark unter Druck setzen können, dass sich das skandinavische Land den Sanktionen angeschlossen hat. Das gleiche hat Brüssel auch mit südamerikanischen Ländern versucht, ist aber offenkundig gescheitert. Die Gespräche zwischen Argentinien und Russland haben noch einen weiteren brisanten Hintergrund, denn die Argentinier befinden sich mit US-Hedgefonds im Dauerstreit um die Begleichung alter Verbindlichkeiten. Buenos Aires hatte zuletzt den Forderungen aus den USA die Anerkennung verweigert. Man darf gespannt sein, wie sich die Lage entwickelt und es als tröstlich empfinden, dass es tatsächlich noch Länder gibt, die die Brüsseler Bürokratenbande zum Teufel schicken.
 
Eurex: Kartoffel dreht sich um sich selbst
Die Veredelungskartoffel hat zum Wochenauftakt nichts Wesentliches leisten können. Bei einem Umsatz von 98 Kontrakten blieben die Preisveränderungen bedeutungslos. Der Apriltermin 2015 verlor 0,10 Euro/dt und schloss bei 7,10 Euro/dt. Das nichts Halbes und nichts Ganzes. Im tierischen Bereich verlor das Septemberschwein bei einem Umsatz von vier Kontrakten 0,002 Euro/kg und settelte bei 1,628 €/dt. Dem Ferkel wurde stiefmütterlich begegnet. Es blieb ohne Umsatz. Im weißen Sortiment wurde die Butter gehandelt. Es entfielen jeweils fünf Kontrakte Umsatz auf den Oktober und November. Die Preise stiegen hierbei um 15,- - 50,- €/Tonne leicht an. Der Oktober eroberte die 3000,-er-Marke zurück.
 
Zucker auf dem Weg zu alten Tiefs
Die preisliche Abwärtstendenz im Zuckermarkt, die seit Anfang Juli den Markt im Griff hat, droht nun die alten Tiefs ernsthaft zu testen. Für den Oktoberkontrakt an der New Yorker Börse liegt dieses alte Tief bei 15,72 cts/Pfund und wurde am 28. Januar dieses Jahres verzeichnet. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 15,68 cts/Pfund wurde dieses Tief bereits gebrochen.
 
DAX fester
Am Freitag hatte der DAX infolge der Querelen zwischen Russland und der Ukraine plötzlich scharf nachgegeben. Übers Wochenende hat sich die Lage anscheinend etwas stabilisiert, sodass die Investoren wieder in den Markt einstiegen. Der Markt eröffnete die neue Handelswoche bereits mit einem ordentlichen Plus, aber nach dem Eröffnungssprung fand die Herrlichkeit ein rasches Ende. Es war nicht so als würde sich eine Lawine von Kauforders in den Markt ergießen, der ihn immer höher rund höher trieb. Bei 9250 war erst einmal schluss. Verkäufe setzten ein, die jeden weiteren Kursanstiegsversuch unterdrückten. Dennoch galt der Ukraine-Schock als überwunden. Am Ende des Tages hatte der DAX bei 9245,33 Zählern geschlossen; ein Plus von 152,73 Punkten. Da nunmehr auch die deutsche Wirtschaft ins Trudeln geraten ist, wird es Zeit, einmal aus dem Börsentelegramm vom 19.02.2014 zu zitieren: “Die viel zu optimistischen Prognosen, die uns Jahr für Jahr von politischer Seite zu Beginn eines jeden Jahres serviert werden, dürften alsbald von der Realität in die Knie gezwungen werden. Kleinlaute Anpassungen seitens der Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr 2014 sind bereits vorprogrammiert.“
 
Robert Theis // H.J. Kiefer
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