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Börsentelegramm

Agrarmärkte durchwachsen

von , am
27.11.2014

Nach dem USDA-Report starteten die euopäischen Weizenpreise mit 179 Euro je Tonne in die neue Woche. © Leonhardo Franko/fotolia
Die globalen Agrarmärkte konnten sich gestern auf keine gemeinsame Linie einigen. Die Gewinner und Verlierer hielten sich zahlenmäßig die Waage. Baumwolle und Zucker gehörten ebenso zu den Gewinnern wie Weizen und Mais.
 
In die Riege der Verlierer reihten sich die Bohne, Kaffee und Rindfleisch ein. Insgesamt machte sich der heutige Feiertag in den USA bemerkbar. Die Umsätze blieben hinter den Durchschnitten zurück.
 
Sojabohne beginnt und endet im Minus
 
Die Januarbohne verlor gestern 45 cts/bu und settelte bei 10,47 US$/bu glatt. Die Bohne begann bereits in der Nacht mit Verlusten konnte aber im Tagesverlauf kurz ins Plus drehen bevor die Bullen klein bei geben mussten. Der Handel wurde von Positionsanpassungen wegen des heutigen Feiertages bestimmt. Fundamental betrachtet gab es nichts Wesentliches zu sehen oder zu hören. Vielmehr trug der gestrige Tag die Merkmale eines langweiligen Mittwochs. Eine Nachricht gab es dann doch noch, denn die Chinesen glänzten mit frischem Geschäft und kauften weitere 120 tsd Tonnen Sojabohnen aus den USA. Die Ware kommt aus der eben eingefahrenen Ernte. Unterm Strich aber nicht mehr als eine Routinegeschäft, das keinen Hund hinter dem Ofen hervor locken konnte.
 
An der Matif herrschte ähnliche Unsicherheit über den Kursverlauf. Man schwankte hin und her bis das Pendel klar in den roten Bereich ausschlug. Zeitweise rutschten die Kurse mehr als 4,- € ab. Am Ende holte man aber auf und grenzte die Verluste ein. Der Februartermin büßte 1,50 € ein und schloss bei 343,25 €. Mit anderen Worten, man kam noch einmal mit einem blauen Auge davon.
 
Weizen behauptet technische Festigkeit
 
Der Märztermin am CBoT legte gestern 5 cts/bu zu und settelte bei 5,62 ¾ US/bu. Der Handel in den USA blieb beim Weizen im unspektakulären Stadium stecken. Die Tagestendenz war aber trotzdem klar aufwärts gerichtet. Aufgrund der technisch motivierten Zugewinne im Fronttermin Dezember fielen die Zugewinne vielleicht üppiger aus, als man vielleicht hätte fundamental rechtfertigen können. Es gab nämlich keine neuen Einflussfaktoren, die den Kurs hätten zwingend bewegen müssen. Dennoch ging´s bergauf.
 
Wir sollten ins internationale Umfeld schauen: Die Japaner bekamen keine Offerten auf ihre Einkaufsbemühungen zu sehen. Im Land der aufgehenden Sonne startete man Tender in Höhe von 120 tsd to Futterweizen und 200 tsd Tonnen Gerste, aber es wollte niemand ernsthaft verkaufen. So blieb das geplante Geschäft ungetätigt. Ein südkoreanischer Müller hat sich gestern dazu entschlossen, doch noch Weizen einzukaufen. Samyang buchte insgesamt 31 tsd Tonnen Weizen verschiedener Qualitäten in den USA.
 
Bangladesh startete seinen zweiten Einkaufstender in der laufenden Saison. Man möchte 50 tsd Tonnen Weizen kaufen, um die heimische Vorratslage zu verbessern. Die Herkunft wurde auch hier nicht näher spezifiziert, sodass theoretisch Ware jedweden Ursprungs geliefert werden könnte. Die größten Chancen dürften wohl wegen der räumlichen Nähe die Inder haben. Diese hatten erneut gut geerntet und sollten mengenmäßig exportfähig sein. Der Tender schließt aber erst am 14. Dezember. Die Pakistani verweigerten gestern die Annahme von 20 tsd Tonnen Weizen. Die Ware wurde aus der Schwarzmeerregion mittels Container in Richtung Pakistan verschifft. Als Grund für die Annahmeverweigerung wurden zum einen Qualitätsgründe angeführt und zum anderen befürchtet man die Folgen des Importzolls. Dieser beträgt mittlerweile in Pakistan 20%. Durch die Maßnahme soll der heimische Markt geschützt werden. Die Verweigerungshaltung dürfte wohl eher mit den finanziellen Folgen zusammenhängen. In solchen Situationen schiebt man nämlich gerne mal Qualitätsgründe vor, um sich aus der finanziellen Verantwortung herauszuwinden.
 
Das ukrainische Agrarministerium veröffentlichte eine Bonitur des Wintersaatenstandes im Land. Der Anteil gut bis befriedigend stehender Winterkulturen wurde mit 82% beziffert. Die insgesamt eingesäte Fläche beträgt 5,8 mio Hektar, laut Ministerium. Die gute Ernte im Vereinigten Königreich in 2014 lässt den Importbedarf kräftig schrumpfen. Das Landwirtschaftsministerium sieht die Importmenge um über 40% sinken. Im letzten Jahr hatte man noch 1,3 mio to Weizen eingeführt, nun soll die Menge irgendwo um die 770 tsd to liegen. Unterm Strich schlüpfen die Briten wieder in ihre traditionelle Rolle als Nettoexporteur.
 
Der Januartermin an der Matif setzte seinen Durchbruch durch die 180er-Marke fort. Man legte weitere 1,75 €/to drauf und schloss bei 182,25 €. Die treibende Kraft in Europa sind die Exportparitäten. Jeder potentielle Käufer kommt hieran mit seiner Kalkulation nicht vorbei. Aber nicht jeder ist bereit, das nötige preisliche Paroli zu bieten und verharrt in der Defensive.
 
Mais fest
 
Der Dezembertermin legte gestern 4,0 cts/bu zu und settelte bei 3,78 ¼ US$/bu. Damit konnten auch die Maisnotierungen ihre Festigkeit verteidigen. Der Maismarkt blieb von neuen Einflussfaktoren verschont, sodass man sich auf den Feiertag vorbereitete und Positionen anpasste. Die Chinesen kündigten an, in den Provinzen Jilin, Heilongjiang und Liaoning insgesamt 6 mio Tonnen Mais für die staatliche Reserve kaufen zu wollen. Das war auch nichts Besonderes. Was den Japanern nicht gelang, schafften die Südkoreaner. Hier wurden Tenderbemühungen erfolgreich beendet. Ursprünglich hatte man zwar den Kauf von 140 tsd Tonnen geplant, aber immerhin buchte man wenigstens 126 tsd to von einer nicht näher genannten Herkunft. An der Matif setzte der Januartermin 0,50 € zurück und schloss bei 152,75 €/mto.
 
Eurex-Kartoffel zeigt sich leicht belebt
 
Vom Kassamarkt ist zu vernehmen, dass Ware grenzwertiger Qualitäten in Richtung Fabriken fließt und dort auf Ablehnung stößt. Die Ware hat vielerorts ihre Lagerfähigkeit eingebüßt, sodass die Qualitäten sinken. Partien, die man schnell an den Mann bringen will, werden deswegen von der aufnehmenden Seite mit großer Sorgfalt qualitätsgeprüft und ggf. gestoßen. Bei anziehenden Umsätzen nahm die Kartoffel Anlauf auf ihren 50-Tage-EMA bei 5,90 €/dt. Man prallte aber ab und zog sich wieder zurück. Am Ende standen ein Gesamtumsatz von 99 Kontrakten und ein Schlusskurs von 5,50 €/dt. Das stellte keine Preisveränderung zum Vortag dar. Auf Schlusskursbasis blieb der Markt also unverändert.
 
Der Schweinemarkt verzeichnete leider keinen Umsatz. Sowohl Ferkel als auch Mastschwein blieben leider zum wiederholten Male stumm und gaben keinen Grunzer von sich. Im weißen Sortiment sah es zuerst nicht besser aus. Dann aber brachen die Schleusen und Magermilchpulver konnte auf vielen Terminen Umsatz generieren. Die Kurse stiegen hierbei teils deutlich an.
 
Zucker leicht fester
 
Die Zuckernotierungen beendeten ihren Handelstag etwas fester. Der Märztermin legte in New York 13 Punkte zu und schloss bei 16,13 cts/Pfund.
 
DAX pirscht ans Rekordhoch
 
Das deutsche Aktienbarometer stieg gestern weiter an und näherte sich seinem Rekordhoch. Der Respekt vor alten Hochs war aber zu groß, sodass man zwischenzeitlich zwar nicht den Rückwärtsgang einlegte, aber doch immer wieder auf die Bremse trat. Am Ende des Tages schlugen 54,35 Punkte Zugewinn zu Buche. Schlussstand: 9915,56 Zähler. Trotz des bevorstehenden Feiertages wollte an der Wall Street keine Festtagsstimmung aufkommen. Der Dow Jones ging kaum verändert aus dem Handel. Ein Plus von 12 Punkten trieb den Dow auf 17827 Zähler.
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