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Börsentelegramm

Agrarmärkte auf Erholungskurs

von , am
22.10.2014

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© Torbz/fotolia.de
Die Verluste zu Wochenauftakt konnte der zweite Handelstag der Woche wieder ausgleichen. Am CBoT riss die Bohne die Preisführerschaft an sich und stieg etwa 20 Cents je Bushel (cts/bu) an. Die Getreidenotierungen Mais und Weizen waren nicht ganz so fest, aber doch ordentlich im Plus. Die Zuckernotierungen waren zu nichts Positivem zu bewegen; hier gab es einen Verlust zu verkraften.
 
Sojabohne: Ernteverzögerung treibt Kurse
 
Die Novemberbohne legte gestern exakt 20 cts/bu zu und settelte bei 9,65 ½ US Dollar/bu. Der Erntefortschritt von 55  Prozent (%), den das USDA am Montagabend veröffentlichte, war dem Markt nicht genug, um die Spannung aus der Situation zu nehmen. Man trennte sich von Teilen seiner Shortposition und beflügelte damit die Preise. Da der Markt von einem charttechnisch bedeutsamen Punkt anfing zu steigen, waren schnell kurzfristig orientierte Händler zur Stelle, die bereit waren, ebenfalls zu kaufen…diesmal aber um Longs aufzubauen. Welchen zeitlichen Anlagehorizont diese neuen Longs besitzen, ist fraglich. Wahrscheinlich werden sie im Falle eines Falles so schnell liquidiert werden, wie sie zuvor aufgebaut worden sind. Mit anderen Worten, es handelte sich gestern um eine normale Handelsaktivität, die nicht mehr Interpretation zulässt als die, dass die Unterstützung der gleitenden Durchschnitte gehalten hat.
 
Das ist aus Sicht der Bullen aber besser als nichts! Auch die Rapsnotierungen an der Matif waren gegen die festen Bohnenpreise nicht immun. Sie ließen sich anstecken und stiegen, nachdem zuvor gefallen war, ebenfalls an. Am Ende des Tages stand ein hübsches Plus von 2,50 Euro im November. Der Schlusskurs lag bei 320,25 Euro. Obwohl der Schlusskurs oberhalb der Marke von 320,- Euro lag, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass die Bohne charttechnisch stärker ist als der Raps an der Matif, weil sie an genau demjenigen charttechnischen Punkt zur Umkehr ansetzten konnte, den der Raps tags zuvor gebrochen hat. Aus diesem Grunde ist dem Raps derzeit noch nicht wieder über den Weg zu trauen. Vorsicht ist angezeigt!
 
Weizen aus technischen Gründen stark
 
Die Weizennotierungen am CBoT im Monat Dezember legten gestern 5 ¾ cts/bu und schlossen bei 5,19 ½ US Dollar/bu und damit genau auf dem 50-Tage-Durchschnitt (exponentiell geglättet). Die Zugewinne bei Mais und Bohne halfen auch den Weizennotierungen auf die Sprünge. Angelockt von steigenden Preisen zogen neue Käufer ins Land und trieben den Preis erstmalig seit Anfang Mai auf das Niveau des eben erwähnten gleitenden Durchschnittes (Schlusskursbasis). Aus fundamentaler Sicht hatten die Amerikaner nicht viel zu verdauen. Da waren die 76% an ausgesäter Winterweizenfläche, die einen Hauch hinter den Normwerten zurück lagen, aber die Abweichung war letztlich in dieser Größenordnung (lediglich 1 %) bedeutungslos. International traten die Ägypter erneut ins Geschehen und legten einen Tender für Weizen auf.
 
Im November dieses Jahres soll die Ware angedient werden. Das ist ein marktübliches Geschäft, was man da am Nil plant. Jedoch macht der Lieferzeitpunkt November hellhörig. Man wird im Land der Pyramiden ja nicht müde zu erwähnen, dass man eine sehr gute Deckung habe und bis mindestens Ende März 2015 nichts mehr kaufen müsse. Das passt alles nicht wirklich inhaltlich zusammen, sodass man weiter Obacht haben muss, wie sich die Ägypter im Markt bewegen. Am Abend kamen dann die Tenderergebnisse und siehe da, die Ägypter buchten von insgesamt 180 Tausend (tsd) Tonnen jeweils 60 tsd Tonnen aus Frankreich und Rumänien. Die restlichen 60 tsd to kommen aus Russland. Wer hätte am Anfang der Kampagne gedacht, dass die europäischen Weizenexporte angesichts der enormen Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion das Potential haben, das Tempo der vorangegangenen Rekordsaison zu wiederholen?
 
Die europäischen Weizenexporte laufen weiterhin wie am Schnürchen und verheißen zukünftiges Preissteigerungspotential. Daneben meldeten sich die Japaner und riefen ein Kaufgesuch für knapp 110 tsd Tonnen Mahlweizen auf. Algerien folgte am Abend mit 50 tsd Tonnen Durumweizen. Beide Tenderergebnisse liegen noch nicht vor. An der Matif gab es stark steigende Kurse zu bestaunen. Das Aufwärtsmomentum reichte tatsächlich aus, um das charttechnische Kunststück in Chicago zu kopieren. Mit einem Zugewinn von 3,25 €/mto und einem Schlusskurs von 166,75 € schloss der Januartermin ebenfalls auf Höhe seines 50-Tage-Durchschnitts. Die Exportnachrichten dürften die notwendige Fundamentalunterstützung geliefert haben.
 
Indien: Wasservorräte deutlich niedriger
 
Die Wasserreservoirs des indischen Subkontinents präsentieren sich momentan deutlich weniger komfortabel gefüllt als vor einem Jahr. Fast überall werden sogar Wasserstände gemeldet, die den niedrigsten Stand der letzten 10 Jahre angenommen haben. Die zentrale indische Wasserwirtschaftskommission hat den momentanen Wasservorrat auf 116,25 Billionen Kubikmeter beziffert. Damit sei das Speichervolumen (natürlich und künstlich) nur zu 75 % genutzt. Der unsteteste Monsun der letzten 5 Jahre habe hier seine Spuren hinterlassen. Die Wasservorräte sind einerseits für die Stromproduktion von essentieller Bedeutung, und andererseits werden die Reservoirs später zur Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen angezapft. Die Winterweizen- und Winterrapsflächen sind vielerorts zwar nicht unter dauernder Bewässerung, aber wenigstens unter temporärer, sodass wir durchaus einem Problem entgegen sehen könnten. Wir werden die Lage in Indien weiter beobachten.
 
Mais fester
 
Der Dezembermais am CBoT legte gestern 8 cts/bu zu und schloss mit 3,56 US Dollar/bu glatt ebenfalls über seinem 50-Tage-Durchschnitt (exponentiell geglättet) Die Gründe für die gestiegenen Preise sind mit denjenigen der Bohne identisch. Einerseits lieget man in der US-Ernte mit 31 % hinter den üblichen Werten zurück und andererseits lockte das Chartbild neue Käufer in den Markt. Das Resultat waren steigende Preise. Taiwan meldete sich im internationalen Markt zu Wort und meldete Kaufinteresse für 60 tsd Tonnen Mais an. Die USA haben hier sehr gute Chancen zum Zuge zu kommen. An der Matif gab es leicht steigende Preise zu beobachten. Der November verzeichnete ein Plus von 1,50 Euro und schloss bei 142,50.
 
Eurex: Umsatz total weg
 
Obwohl wir schon am Montag einen elend schwachen Umsatz in der Kartoffel hatten, ist es dem Markt doch gestern tatsächlich gelungen, noch einmal 50 % im Umsatz einzubrechen. Gestern gab es nur noch 20 Kontrakte Handelsvolumen und das über alle Kontrakte hinweg. Der Apriltermin 2015 verlor 0,10 Euro/dt und settelte bei 5,50 Euro/dt. Im Schweinebereich gab es weder beim Mastschwein noch beim Ferkel etwas zu holen; beide Märkte blieben unangetastet. Im weißen Sortiment gab es bei der Butter Umsätze zu bestaunen, wenngleich diese sehr verhalten geblieben sind. Die Preise waren aber hierbei stark abschlägig. Von Januar bis April wurde die Tonne bei 2.930,- Euro/Tonne gehandelt. Das war ein Minus von 50,- bis 110,- Euro/Tonne. Schwer zu sagen wie es mit unseren Maispreisen weitergehen wird. Erst einmal belastet die Ernte.
 
Zucker schwach
 
Die brasilianische Zuckerernte soll aufgrund von Trockenheit im Zentrum des Landes geringer als im letzten Jahr ausfallen. Der Marktanalyst Datagro sieht die brasilianische Ernte 2014/15 in der Hauptanbauzone des Landes bei 31,6 Millionen (mio) Tonnen und damit deutlich unter den 34,3 mio to aus der letzten Kampagne. Internationale Zuckerpreise für thailändische Ware gerieten in der vergangenen Woche unter Druck. Derzeit weiß niemand so recht, was von Thailand zu halten ist. Die Bestandslage ist komfortabel und Hinweise auf eine schwache neue Ernte liegen keine vor. Demzufolge hielten/halten sich die potentiellen Käufer zurück. Das war genug, um die Notierungen für Ware thailändischer Herkunft fallen zu lassen. Selbst die Chinesen halten sich derzeit zurück. Das Reich der Mitte gilt als "internationaler Zuckermarktexperte" und ist bekannt dafür, sich in knappen Jahren frühzeitig Ware zu sichern. Bislang ist von gesteigerter Kauflust Chinas nichts zu sehen. In New York schloss der Märztermin bei 16,44 cts/Pfund. Das war ein Minus von 24 Punkten.
 
DAX: Wie zerronnen, so gewonnen
 
Der DAX marschierte nach negativem Wochenauftakt gestern ins Plus. Es gab zwar keine konjunkturellen Neuigkeiten, aber die ein oder andere Einzelunternehmenszahl wurde vom Markt positiv aufgenommen. Der Unternehmensgewinn von Apple wurde beispielsweise begrüßt und entsprechend euphorisch aufgenommen. Am Ende reichten die Nachrichten aus, um den DAX 169,2 Punkte ansteigen zu lassen. Der Schlusskurs lag bei 8.886,96 Zählern. Hierzulande machte wieder einmal die Notenbank EZB von sich reden. Man plant im Hause Mario Draghis offenbar den direkten Ankauf von Unternehmensanleihen, um die Kreditversorgung sicherzustellen. Ein erneuter Tabubruch der Notenbank! Seit der Finanzkrise und dem ersten Rettungspaket hat man seitens Staat und Notenbank praktisch keinen Fehler mehr ausgelassen. Dem heiligen Ziel, das verpfuschteste Währungsexperiment der Weltgeschichte (Euro) zu retten, werden offenbar Sinn und Verstand vollständig untergeordnet bzw. über Bord geworfen.
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